Bürstadt

Protestaktion Beim „Gedenkspaziergang“ durch Bürstadt pflegen rund 30 Teilnehmer die Erinnerungskultur und polieren Stolpersteine

Jusos zeigen Kante gegen AfD

Archivartikel

Bürstadt.Mit Putzlappen und Zahnbürste wider das Vergessen: Mit einer ungewöhnlichen Aktion haben die Jungsozialisten (Jusos) Bergstraße am Samstag auf den Besuch von AfD-Bundespolitikerin Beatrix von Storch am Folgetag geantwortet. Bei einem „Gedenkspaziergang“ polierten die Jusos die 16 in Bürstadt verlegten Stolpersteine, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Rund 30 Personen aus unterschiedlichsten Parteien und Organisationen beteiligten sich an der kurzfristigen Aktion.

Plötzlich glänzte die kleine, quadratische Gedenktafel in der Mittagssonne wieder in hellem Messing. Darauf erscheint ein Name: Hier arbeitete Blondina Mann. 1940 nach Auschwitz deportiert. Ermordet 1944. Ihr Schicksal soll nicht vergessen sein. Blondina Manns Gedenktafel leuchtet nun wieder im Gehweg der Luisenstraße 7. „Wir wollen der Erinnerung wieder Namen geben“, erklärt Philipp Ofenloch. Der Vorsitzende der Bergsträßer Jusos macht sich mit Scheuermilch und einem Schwamm am geschwärzten Stolperstein für die Jüdin zu schaffen. Damit will er die Erinnerungskultur am Leben halten zeigen, „dass Bürstadt und ein Großteil des Kreis Bergstraße für eine offene und tolerante Gesellschaft steht, in der Hass und Hetze, wie von der AfD betrieben, keinen Platz hat“. Die Gedenkveranstaltung ist auch eine Antwort auf die von den Jusos ungeliebte Alternative für Deutschland sowie deren Informationsveranstaltung im Bürstädter Bürgerhaus, bei der unter anderem die Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch zu Gast ist.

Zur Verdeutlichung des Widerspruchs zitierte Ofenloch die stellvertretende Bundessprecherin mit ihrer Forderung aus dem Jahr 2016, man müsse die deutschen Grenzen gegen Geflüchtete zur Not auch mit Waffengewalt schützen. Den Thüringer AfD-Sprecher Björn Höcke zitierte er mit seiner doppeldeutigen Äußerung zum „Denkmal der Schande“, wie der das Holocaust-Mahnmal in Berlin bezeichnet hatte.

„Wenn eine geschichtsvergessene Partei, die immer wieder mit rechtsextremen, rassistischen und fremdenfeindlichen Gedanken auffällt, nach Bürstadt kommt, wollen wir dieser Menschenverachtung eine entschiedene Absage erteilen“, so Philipp Ofenloch zu Beginn der Protestveranstaltung, zu der auch eine Schweigeminute gehörte. Eine größere Kundgebung mit Anmeldung, erklärte er, sei aufgrund der kurzen Vorlaufzeit nicht machbar gewesen. Die AfD hatte am Mittwochabend auf ihrer „Facebook“-Seite auf die Veranstaltung hingewiesen. Ofenloch vermutet dahinter den Versuch, „eine kritische Begleitung zu vermeiden“.

Im Laufe des Spaziergangs stand dann aber nicht mehr die AfD, sondern die Erinnerungskultur im Mittelpunkt. Dabei waren die Jusos nicht allein. Etwa FDP-Fraktionsvorsitzender Burkhard Vetter, der die Verlegung von Stolpersteinen in Bürstadt angeregt hatte, und der Grünen-Ortsvorsteher Uwe Metzner aus Bobstadt ergriffen immer wieder das Wort und berichteten von Schicksalen der NS-Opfer.

Unter den rund 30 Teilnehmern waren auch viele bekannte Gesichter wie Nabu-Vorsitzender Michael Held, Autor Roland Kirsch oder der Bergsträßer SPD-Chef Marius Schmidt. ksm

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