Bürstadt

Umweltausschuss Große Schäden nach Starkregen Mitte Juni / Ingenieur untersucht Leitungen im Bürstädter Stadtgebiet

Kanalnetz wird nach Sturzfluten geprüft

Bürstadt.Den 11. Juni 2018 wird kaum einer vergessen, der an diesem Tag in Bobstadt – oder auch in Bürstadt – war: Hunderte Keller standen unter Wasser. Die Ursache: Es gab an dem Nachmittag nicht nur eine Sturzflut, sondern innerhalb von vier Stunden gleich zwei. Das erklärte Joachim Kilian vom Ingenieurbüro Unger aus Darmstadt im Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung. Denn Kilian hat den Auftrag, die Stadtentwässerung unter die Lupe zu nehmen – genau wegen dieser Wassermassen im Juni.

Kilian prüft nicht nur die Leitungen, Regenüberlaufbecken und das Grabensystem, sondern hat auch beim Wetterdienst nachgehakt, was an diesem besonderen Tag los war. „Das Kanalnetz in Bobstadt fasst 4000 Kubikmeter“, erklärte er. Die erste Sturzflut habe bereits knapp 4800 Kubikmeter Wasser gebracht, zwei Stunden später kamen noch einmal 7400 Kubikmeter nach. Das erklärt das Ausmaß der Schäden.

Mit seiner Auswertung ist Kilian aber noch nicht fertig. Weitere Ergebnisse will er im März vorlegen. Jedenfalls habe er „bei den Pumpen keine Auffälligkeiten“ festgestellt. „Das wird alles ordnungsgemäß betrieben.“ Und er hat beobachtet, dass die Feuerwehr an dem Tag überall in Bobstadt unterwegs war, um Keller leer zu pumpen. „Es ist kein Schwerpunkt erkennbar, die Einsätze sind über alle Straßen verstreut“, sagte Unger und zeigte eine Karte des Stadtteils mit gleichmäßig verteilten roten Punkten. „Also hatte das gesamte Kanalnetz ein Problem damit.“

In ganz Bürstadt – auch in Riedrode – verzeichnete die Feuerwehr an dem Tag 146 Einsätze. „Das waren doch weit mehr“, raunte es im Publikum. Denn viele Bürger hätten gar nicht die Brandschützer alarmiert, sondern den Schaden selbst geregelt. Um weitere Erkenntnisse zu bekommen, bittet der Ingenieur aus Darmstadt nun um eine vollständige Liste. Diese will die Stadt nun anlegen: mit allen Wasserschäden im gesamten Stadtgebiet. Welche Daten Joachim Kilian braucht, will er noch mitteilen, dann wird die Stadt ihre Bürger um Informationen bitten. Sobald seine Auswertung fortgeschritten ist, wird der Ingenieur seine Ergebnisse auch im Ortsbeirat Bobstadt vorstellen. Darum bat ihn Ortsvorsteher Uwe Metzner (Grüne).

Hauseigentümer sollen investieren

„Das Kanalnetz liefert keinen absoluten Schutz“, stellte Kilian klar. „Bei Starkregen ist es überlastet.“ Deshalb rät er den Bürgern, in den Objektschutz zu investieren. Das bedeutet: „Der Eigentümer muss mehr Vorsorge treffen.“ Das leuchtete den Kommunalpolitikern ein. „Mit solchen Ereignissen ist angesichts der Klimaveränderung auch öfter zu rechnen“, meinte Chantal Stockmann (FDP).

Eine Rückstauklappe sei auf jeden Fall ratsam, so Kilian, damit bei Starkregen kein Abwasser von außen ins Haus gedrückt werden kann. Franz Siegl bat den Experten außerdem darum, bei seinen Berechnungen das geplante Neubaugebiet Langgewann in Bobstadt einzukalkulieren, da das Kanalnetz mit weiteren Rohren bald zusätzlich belastet werde.

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