Bürstadt

Landwirtschaft Extreme Trockenheit treibt Bauern um / Genug Futtervorräte für Milchkühe in Nordheim angelegt

„Kein Jahr, das sich wiederholen soll“

Bürstadt/Biblis.„Ein normaleres Jahr mit weniger Extremen“ wünscht sich Sebastian Glaser (kl. Bild). Denn die lange Trockenheit und zugleich hohen Temperaturen von April bis Dezember haben dem Landwirt in Nordheim wie all seinen Kollegen das Leben schwer gemacht. Immerhin bekommt Glaser seine Milchkühe satt, obwohl er 2018 nur wenig Heu einbringen konnte.

Glaser hat aber Glück beziehungsweise klug gewirtschaftet: „Wir haben im Vorjahr die richtige Entscheidung getroffen und ausreichend Vorräte angelegt“, erklärt Glaser. Das betrifft nicht nur seine Kühe, sondern auch die Biogasanlage, die täglich gefüttert werden muss.

Einige Wiesen konnte Glaser im vergangenen Jahr nur einmal mähen – was sonst zwei- oder sogar dreimal möglich ist. Vorräte zu schaffen, sei zwar teuer, „weil es eine Investition in die Zukunft ist“, aber diese habe sich ausgezahlt. „Wir konnten auch Futter abgeben an die, die nichts mehr hatten“, sagt der Nordheimer.

Einbußen hat aber auch Glaser zu verzeichnen, denn beim Getreide fuhr der Landwirt geringere Mengen ein. „Das war in Südhessen aber keine Katastrophe, andere Regionen Deutschlands hat es viel schlimmer getroffen“, erzählt er. Zudem könne die Beregnung das Schlimmste abfedern. „Das ist allerdings auch ein wahnsinnig teurer Spaß“, gibt Glaser zu bedenken.

Zwiebeln treiben schnell aus

Die hohen Temperaturen haben zudem den Zwiebeln von Uwe Friedrich in Bürstadt zu schaffen gemacht. „Wir hatten trotz der Sonne kleine Erträge und nicht überall gute Qualität. Zudem sind die Zwiebeln schlecht haltbar: Sie treiben schnell aus, und ich kann sie nicht lange lagern“, sagt der Landwirt.

Beim Getreide haben die geringen Erträge dafür gesorgt, dass der Preis gestiegen ist. „Es wurde ein bisschen mehr bezahlt dafür“, sagt der Bürstädter Ortslandwirt Richard Schöcker, „aber das hat es nicht ausgeglichen“. Vor allem auch wegen der hohen Kosten für die Beregnung. „Das ist kein Jahr, das sich wiederholen soll“, sagt Schöcker.

Schwierig war laut Schöcker nun auch die Aussaat im Herbst: Die Samen des Wintergetreides landeten im ausgetrockneten Boden. Wo die Gerste zu spät aufging, rechnet Schöcker bereits jetzt mit weniger Ertrag. „Dass sogar beregnet werden muss, damit die Saat aufgeht, das hatten wir ja noch nie!“

Auch in Biblis kam der Regen zum Teil zu spät für die Aussaat, wie Ortslandwirt Hans Georg Müller festgestellt hat. Auf etlichen Feldern gebe es Lücken, weil die Samen nicht aufgegangen, sondern im Boden vertrocknet sind. „Wintergerste und Durumweizen hatten zudem Probleme, weil der Boden nicht feinkrümelig genug war“, sagt Müller.

Inzwischen hat es zwar häufiger geregnet, aber aus Müllers Sicht noch nicht genug: Die Grundwasservorräte im Boden seien noch nicht wieder aufgefüllt. Lediglich die oberen Schichten der Erde seien feucht. Der Bibliser Ortslandwirt wartet daher auf weitere Niederschläge und darauf, dass es bald kälter wird, damit der Boden richtig durchfriert.

Insgesamt hoffen alle Landwirte, dass sich Sonne und Regen in diesem Jahr besser die Waage halten – und nicht wieder ein viel zu nasses Jahr wie 2016 oder zu trockenes wie 2018 bevorsteht. „Ich hoffe auch, dass sich die Regelungswut der Politiker in Maßen hält und die Verbraucher die tollen Produkte, die wir abliefern, wieder zu schätzen wissen“, sagt Sebastian Glaser. cos

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