Bürstadt

Aktion Bäckereien unterstützen Kampf gegen Gewalt an Frauen / Rathaus-Chefs helfen beim Brötchen-Verkauf

Klare Ansage auf der Tüte

Bürstadt/Biblis.„Ach, die Frau Bürgermeisterin“, zeigte sich ein Kunde überrascht, als er Bürstadts Stadtoberhaupt Bärbel Schader im Verkaufsdress hinter der Theke der Bürstädter Bäckerei Gebhardt entdeckte. Ebenso ungläubig schauten im ersten Moment die Kunden bei der Bäckerei Helmling in Biblis, als sie dort von Bürgermeister Felix Kusicka bedient wurden. Beide Rathaus-Chefs nahmen an der Aktion „Gewalt kommt mir nicht in die (Brötchen-)Tüte“ teil, um auf den „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ aufmerksam zu machen.

„So soll es sein, die Kunden sollen sich wundern, nachfragen und bekommen dadurch diese Aktion viel besser mit“, meinte Kusicka. Das Thema sei wichtig und müsse öffentlich gemacht werden. Zumal die meisten Gewaltakte hinter verschlossenen Türen stattfänden.

„Ich bekomme Gänsehaut. Das eigene Heim ist doch ein Schutzraum, ein Ort der Sicherheit und des Wohlfühlens. Doch für viele beginnt mit dem Aufschließen der Wohnungstür der Horror“, sagte Bürgermeisterin Schader.

Mehrere Bäckereien nehmen in beiden Orten an der Aktion teil und verpacken ihre Produkte in diese speziellen Tüten. Organisiert haben die Aktion des Arbeitskreises gegen Häusliche Gewalt, die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten im Kreis sowie die Bäcker-Innung des Kreises mit den Bäckereien in der Region.

Die beiden Verwaltungschefs hatten sich mit der Bäckerei Helmling in Biblis und Gebhardt in Bürstadt jeweils einen Familienbetrieb ausgesucht, der seit mehreren Generationen besteht. „Wir unterstützen diese Aktion, weil Gewalt keine Alternative ist“, betonte Claudia Gebhardt. Schader zeigte sich darüber betroffen, dass man solche Aktionen durchführen müsse. Aber Gewalt gegen Frauen sei noch immer weit verbreitet. „Wir setzen damit ein Zeichen“, so Kusicka. Menschen in der unmittelbaren Umgebung sollen sensibilisiert werden. Ebenso möchte man mit der Aktion den Opfern helfen. Denn auf den Tüten sind mehrere Adressen von Hilfsorganisationen abgedruckt. Auf diese Weise kommen Betroffene ganz einfach an Informationen heran.

Auf einer Seite der Tüte steht groß und in Signalrot „Gewalt kommt mir nicht in die Tüte“ – darunter „Nein zu Gewalt an Mädchen und Frauen“ in zehn verschiedene Sprachen abgedruckt. Auf der Rückseite wird mehrsprachig auf Hilfe und Unterstützungsangebote aufmerksam gemacht.

Die Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ gehört zu den Aktivitäten rund um den „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ am Sonntag, 25. November. Dieser gilt als Gedenktag an die drei Schwestern Mirabal, die 1960 als Widerstandskämpferinnen in der Dominikanischen Republik nach monatelanger Gefangenschaft gefoltert und getötet wurden.

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