Bürstadt

Wirtschaft Kostendruck durch Niedrigzinsen und digitalen Wandel bewegen Geldhäuser zu Veränderungen

Kooperation von Volksbank und Sparkasse? „Keine Denkverbote“

Bürstadt/Lampertheim.Die Frankfurter Volksbank und die Taunus Sparkasse sind Vorreiter, zumindest die Größenordnung der Kooperation betreffend: Die beiden Geldhäuser wollen nach Medienberichten Geschäftsstellen und Filialen an etwa 50 Standorten zusammenlegen. Hintergrund sind der enorme Kostendruck durch Niedrig- beziehungsweise Minuszinsen und die Digitalisierung. Die Sparkasse Worms-Alzey-Ried erklärt, es gebe in dieser Hinsicht keine Denkverbote. Die Volksbank Südhessen sagt mit Blick auf die Kollegen im Taunus, das sei eine kreative Idee.

Das öffentlich-rechtliche Institut Sparkasse und die genossenschaftliche Volksbank konkurrieren seit über 100 Jahren miteinander. Für sie war immer schon auch die Fläche interessant, abgelegen von den Metropolen und größeren Städten, weil sich die großen Häuser wie Deutsche Bank oder Commerzbank hier zurückhalten. Die Fläche war immer eine der Stärken der beiden Geldinstitute.

Nun nutzen Menschen auf dem Land die Vorteile der Digitalisierung mindestens genauso wie die Städter - sie tätigen ihre einfachen Geldgeschäfte wie Überweisungen zu Hause, unterwegs am PC oder auf dem Tablet. Der Weg zu Sparkasse oder Volksbank erübrigt sich vielfach. Das spüren die beiden Häuser schon lange; sie haben mit Filialschließungen darauf geantwortet. In den Dörfern an der Peripherie haben sie höchstens noch sogenannte SB-Stellen. In diesen stehen nur noch Automaten zur Verfügung.

Wie Marcus Walden, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Worms-Alzey-Ried erklärt, arbeitet sein Haus bereits in acht solcher SB-Stellen mit der Volksbank zusammen. Das betrifft die linksrheinische Seite mit der Volksbank Alzey Worms. Auch der Vorstandssprecher der Volksbank Südhessen in Darmstadt, Michael Mahr, verweist auf bereits bestehende Kooperationen an Selbstbedienungsstandorten in Südhessen, beispielsweise in Viernheim.

Laut Volker Rathay, Pressesprecher der Sparkasse Worms-Alzey-Ried, sind die SB-Stellen in der Regel mit einem Geldautomaten ausgestattet, an dem sich die Kunden beider Geldhäuser bedienen können. Für jedes Institut steht allerdings je eine Multifunktionsterminal bereit. Das sind die Automaten, an denen der Nutzer Überweisungen tätigen oder Kontostände abrufen kann.

„Besser, als zu schließen“

Wie Volksbank-Chef Mahr sagt, sind die Gedanken über eine engere Zusammenarbeit der beiden Häuser nicht neu. Eine flächendeckende Fusion hält er allerdings für ausgeschlossen. Wenn die einfachen Bankgeschäfte auch bequem digital zu erledigen seien, brauche der Kunde für größere Transaktionen nach wie vor die persönliche Beratung.

Dass sich die Geldhäuser eine mit Mitarbeitern besetzte Filiale auf dem Land nach dem Taunus-Muster teilen, hält Mahr für zweckdienlich - „weil immer noch besser, als sie zu schließen“. Volksbank und Sparkasse im Taunus wollen in den betreffenden Filialen vier Öffnungstage anbieten, jeweils zwei pro Bank.

Marcus Walden von der Sparkasse sieht das so wie sein Kollege beim Mitbewerber: „Kooperationsmodelle sind eine Lösung, um Standorte in der Fläche zu erhalten.“ Es gebe keine Denkverbote, was gute Lösungen für Kunden und Region betrifft. Und: „Wir sind als Sparkasse für alles offen - es muss im Einzelfall natürlich immer passen“, betont Walden. Er sei allerdings davon überzeugt, dass sich der Trend der verstärkten Nutzung der digitalen Portale fortsetzt.

In beiden Häusern besteht laut deren Sprechern nicht die Absicht, im Zuge weiterer Kooperationen betriebsbedingt Stellen abzubauen. Bei Bedarf würde höchstens die natürliche Fluktuation genutzt.

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