Bürstadt

Naturschutz Helfer sammeln derzeit jeden Abend Tiere am Waldrand von Bürstadt ein

Kröten kommen im Eimer über die Straße

Archivartikel

Bürstadt.„Wir gehen jeden Abend bei Einbruch der Dunkelheit raus“, erzählt Walter Schuck, Amphibienbeauftragter in Bürstadt. Seit einer Woche sammelt er mit Naturschützern am Waldrand Erdkröten ein. Am Mittwochabend waren es allein schon 162 Tiere, die über die Wasserwerkstraße in die Felder wollten, erzählt Schuck, der die Aktion organisiert. Bisher hat er mit seinen Mitstreitern – darunter viele Familien – mehr als 360 Kröten gerettet.

„Für die Kinder ist es ein tolles Erlebnis: Sie nehmen die Tiere gerne auf die Hand und helfen fleißig mit“, sagt der Nabu-Vorsitzende Michael Held froh. „Wenn es nicht zu kalt oder zu trocken ist, sind die Tiere unterwegs.“ Und zwar vom Neubaugebiet Sonneneck bis hoch zur Gärtnersiedlung. „Sie suchen das Gewässer, aus dem sie als Kaulquappen heraus kamen“, erklärt Walter Schuck. Deshalb wandern sie vom Wald Richtung Westen ins Feld.

Auf diesen Weg hat sich Schuck im vergangenen Jahr auch begeben – auf der Suche nach dem Ziel der Amphibien. „Leider gibt es immer weniger Gewässer – diesseits der Bahnlinie kein einziges mehr.“ Abgesehen von künstlich geschaffenen Stellen wie den Wassertränken im Wald, die der Nabu aus Beton gegossen hat, sowie den Kunststoffwannen, die Naturschützer im Bereich „Die Erlen“ vergraben habe, so Schuck.

„Die Erdkröten brauchen ein größeres Gewässer zum Laichen.“ Laut Schuck machen sie sich auf den Weg zum See des Kieswerks Schäfer zwischen Bürstadt und Lampertheim. Deshalb müsse der Großteil der Kröten die Bahngleise überwinden, was an vielen Stellen zum Glück gut möglich sei: „Unter den Schienen ist genug Luft, sie können darunter durchkriechen.“

Im vergangenen Jahr hat Schuck mit Helfern rund 1000 Erdkröten aufgelesen und über die Straße getragen. „Davon waren allerdings 130 tot“, sagt er. Im Jahr zuvor seien es insgesamt nur 250 gewesen. Weitere Zahlen hat Schuck nicht, da er erst vor zwei Jahren wieder in die Region gezogen ist und dann mit der Rettung der Kröten begonnen hat.

Walter Schuck freut sich über weitere große wie kleine Interessierte, die bei der Aktion in der Verlängerung der Wasserwerkstraße mithelfen wollen. „Wichtig ist, dass Kinder wie Erwachsene Warnwesten tragen, weil wir zum Teil direkt an der Straße unterwegs sind.“ Zudem sollten alle einen kleinen Eimer und eine Taschenlampe mitbringen. „Am Ende sammeln wir alle Tiere in einem großen Behälter und zählen sie“, sagt der Naturschützer. Anschließend lade er sie ins Auto und fahre sie ein Stück weit ins Feld: „Damit sie es nicht mehr so weit haben.“

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