Bürstadt

Kulturelles Erbe verteidigen

Zur Jahresabrechnung des Kulturbeirats in Bürstadt:

Im Sozialausschuss wird die Jahresabrechnung des Kulturbeirats 2017 vorgestellt. Ausgerechnet von dem als Wirtschaftsförderer eingestellten und auf diesem Gebiet aus meiner Sicht bislang nicht gerade besonders erfolgreich tätigen Tim Lux. Mit ihm und dem als Leiter des städtischen Ordnungsamtes offenbar nicht ausgelasteten Rainer Stöckel haben zwei nicht gerade gering bezahlte Kräfte mit Unterstützung zweier weiterer Mitarbeiter das Erbe von Frank Herbert als „Macher“ im Kulturbeirat angetreten. Für einen Außenstehenden stellt sich nach Vorlage der Zahlen für das Jahr 2017 noch immer die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser Umsetzung, und zwar in kultureller wie auch trotz des Ergebnisses in finanzieller Hinsicht.

Während sich die inzwischen Verantwortlichen, assistiert von der Verwaltungsspitze und der Bürstädter CDU, im Grunde zu Unrecht für das vordergründig erreichte Bilanzplus in 2017 feiern lassen, werden – wie in dem „SHM“-Bericht und dem begleitenden Kommentar deutlich wird – von anderer Seite zurecht kritische Fragen zum kulturfördernden Tun der Stadt Bürstadt gestellt. Ausweislich der Berichterstattung wurden – über die verspätete Vorlage der Jahresrechnung hinaus, die bei vier verantwortlichen Mitarbeitern an sich schon sehr kritikwürdig ist – offenbar handwerkliche Fehler beim Abrufen von Sponsorenzusagen begangen, die von der Verwaltung nicht hinterfragt werden.

Völlig unbeleuchtet bleibt auch die Frage, ob das positive Ergebnis in 2017, das ja offenbar Personalkosten der Verwaltung nicht berücksichtigt, auch unter deren Einbeziehung noch so positiv ausfallen würde – man bedenke nochmals die Anzahl der inzwischen handelnden Personen und deren Kosten für die hier in Frage stehende Tätigkeit gegenüber der früheren Situation, bei der allein Frank Herbert tätig war. Zudem sollten die bei verschiedenen Veranstaltungen aufgetretenen bemerkenswert geringen Zuschauerzahlen mit Blick auf die Zukunft auch in finanzieller Hinsicht deutlich mehr Beachtung in der Verwaltung finden als dies derzeit offensichtlich der Fall ist, da lediglich Mutmaßungen zu den Ursachen angestellt werden.

Das den vorgelegten Zahlen nach positive Ergebnis sollte – wie vom „Südhessen Morgen“ zurecht herausgestellt wird – auch nicht den kritischen Blick auf die kulturelle Zukunft in unserer Stadt verstellen. Die teils rückläufigen Zuschauerzahlen sollten eigentlich dringend Anlass sein zu prüfen, ob das Programm die Bürstädter Bürger noch ausreichend anspricht und ob der kulturelle Ruf der Stadt Bürstadt sich so noch lange erhalten lässt. Auch die erfolgten Preisanhebungen durch die zusätzlichen Vorverkaufsgebühren spielen hierbei durchaus eine Rolle.

Während der von der Verwaltungsspitze ohne nach außen erkennbaren Grund verabschiedete Frank Herbert in der gesamten Kulturszene einen ausgezeichneten Ruf genoss und schon dieser Umstand mitursächlich für die Zusagen von Künstlern für Auftritte in Bürstadt war, scheinen die derzeit handelnden Personen dieses Erbe nicht mit der gebotenen Nachhaltigkeit zu pflegen. Stattdessen stärkt die abnickende Mehrheitskoalition ohne erkennbare wirkliche Analyse der Kulturarbeit 2017 im Sozialausschuss den Handelnden demonstrativ den Rücken – vermutlich, um nicht mit der Verwaltungsspitze anzuecken und um nicht einen Parteigänger zu kritisieren, schließlich sitzt Stöckel für die CDU im Stadtparlament der Nachbarstadt. Der kritischen Berichterstattung und Kommentierung im „Südhessen Morgen“ sei daher gedankt.

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