Bürstadt

SPD Genossen setzen auf die Umsetzung interkommunaler Projekte / Tafelkunden sollen freien Eintritt bei Veranstaltungen erhalten

Kulturgenuss auch bei kleinem Geldbeutel

Bürstadt.Die Sitzungen des Mittelzentrums Ried sind nicht öffentlich. Manche Themen jedoch sind für die breite Öffentlichkeit von großer Bedeutung und letztlich müssen die dort gefassten Beschlüsse ja ohnehin zumeist in den jeweiligen Stadt- oder Gemeindeparlamenten beraten und entschieden werden. Darauf wiesen der Vorsitzende der Bergsträßer Sozialdemokraten, Marius Schmidt, sowie Franz Siegl, SPD-Fraktionsvorsitzender in Bürstadt, bei einem Pressegespräch am Montagabend hin.

Zwei aktuelle Themenschwerpunkte interkommunaler Zusammenarbeit wurden bei dem Treffen angesprochen. Zum einen geht es um einen Vorschlag der SPD, wie man Menschen in Hartz IV noch zusätzliche Angebote bieten kann. Genauer gesagt geht es um eine Kultur-Tafel, die es Menschen mit geringem Einkommen ermöglichen soll, am kulturellen Leben teilnehmen zu können. Oftmals reichen die Sozialleistungen nur zum Notwendigsten wie Essen und Wohnen – für Kulturelles ist dann kein Geld da. „Genau das ist aber ein Problem. Menschen, die von Sozialleistungen leben müssen, können sich Angebote wie Kino, Theater oder Konzerte nicht leisten. Sie wollen aber vom gesellschaftlichen Leben auch nicht ausgeschlossen sein“, stellte Franz Siegl fest.

Daher schlagen die in den vier Riedkommunen zusammengeschlossenen Sozialdemokraten die Einrichtung einer Kultur-Tafel vor. Rund 1200 Personen nutzen derzeit die beiden Tafeln in Bürstadt und Lampertheim. Sie alle haben einen Berechtigungsschein, um hier Lebensmittel abholen zu dürfen. Nun sollen alle jene Personen, sofern Interesse besteht, auch die Möglichkeit haben, an Kulturveranstaltungen der Stadt Bürstadt sowie Lampertheim teilzunehmen.

Suche nach Unterstützern

Dazu sollen bei städtischen Veranstaltungen stets jeweils sechs Plätze freigehalten werden. Den Eintrittspreis übernimmt die Stadt oder die Gemeinde. „Wir laden aber auch andere Gruppen und Vereine ein, hier mitzumachen“, fügte Marius Schmidt an. Beide sind sich sicher, auch die anderen Fraktionen hinter sich zu wissen. Nun geht es auch darum, in den Gemeinden Biblis und Groß-Rohrheim darum zu werben, sich dieser Idee anzuschließen.

„In Bürstadt könnte ich mir vorstellen, dass beispielsweise die Sainäwwel sich der Aktion anschließen oder die Filminsel in Biblis. Das alles muss man nun abwarten. Wichtig ist, das etwas passiert“, so Siegl. Er fügte noch an, dass man hierzu selbstverständlich den Träger der Tafeln, das Diakonische Werk in Bensheim, mit ins Boot nehmen muss. Allein schon aus organisatorischen Gründen. Außerdem gilt es in Erfahrung zu bringen, ob es für solch ein Projekt nicht vielleicht Bundesmittel als Zuschuss gibt. Um große Kosten handelt es sich ohnehin nicht. „Für Bürstadt wären das im Jahr vielleicht 1200 Euro im Jahr“, rechnete Siegl vor.

Ein weiteres Thema sind die „Coffee to go“-Becher, die man überall findet. Hier gilt es, Müll zu vermeiden mit einem ganz einfachen System: Mehrweg-Becher, die man immer wieder mitnimmt und bei teilnehmenden Geschäften befüllen lässt. „Bleib deinem Becher treu“ heißt die in Mannheim entwickelte Idee, die sich auf die gesamte Rhein-Neckar Region ausweiten soll.

„Wir haben das in den Parlamenten beschlossen. Nun muss dem Grundsatzbeschluss endlich auch die Umsetzung folgen“, fordert Schmidt. In Bürstadt und Biblis sind es zwei und in Lampertheim fünf Geschäfte, die an der Aktion teilnehmen.

Auch in Bensheim und Viernheim können Kaffeetrinker ihren Becher mancherorts mit einem Heißgetränk befüllen lassen. Je mehr Geschäfte mitmachen, umso mehr Druck übten diese auf alle jene aus, die sich nicht beteiligten. Außerdem solle man den Werbeeffekt der Aktion nicht unterschätzen, so Schmidt abschließend.

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