Bürstadt

Spiel- und Kulturkreis Comedian Woody Feldmann reißt das Publikum in Bürstadt von den Stühlen

„Lasst uns mehr lachen“

Archivartikel

Bürstadt.Einem humoristischen Tornado gleich übernahm Woody Feldmann beim Kleinkunstabend des Spiel- und Kulturkreises (SKK) 50 in Bürstadt wortgewaltig das Zepter. Vorsitzender Markus Heiser witzelte über das nur 1,58 Meter große Powerpaket, das viel zu früh und ohne Programmidee zum ersten Mal in Bürstadt war. Schon von der ersten Sekunde an gelang ihr das Kunststück, ihr Publikum zu fesseln.

Im ausverkauften Haus witzelte sie über Begegnungen der besonderen Art auf Toiletten, stachelte das Publikum zum Geschlechterkampf auf und nahm augenzwinkernd Markus Heiser sowie hart arbeitende Journalisten auf die Schippe. Ihr „Guude: schee, dass es dich gibt“ zog sich dabei wie ein wärmendes Credo durch ihr Nicht-Programm.

„Wir sind alle verschieden – nur ich nicht“, erklärte die Frau mit dem blonden Bürstenhaarschnitt und Wohlstandsbäuchlein. Stakkatoartig wechselte sie zwischen Themen zu „Woody kocht“, Lampertheimern und musikalischen Nummern hin und her. Die Herzen der Zuschauer flogen ihr vom ersten Moment an zu. Die Stimmgewaltigkeit ihrer Fans prüfte sie bei ihrer Interpretation des ABBA-Songs „Super Trouper“, aber auch beim umgetexteten Refrain „Tupperdos’, Tupperdos’“.

Klatschen verboten

Das Vereinsheim wurde in seinen Grundfesten erschüttert, als sie die Unterschiede spät heimkehrender und alkoholisierter Männer und Frauen zum Besten gab. Mit laszivem Hüftschwung marschierte sie durch den Saal und sang dabei „Lass’ die Sonne in dein Herz“. Dabei verbot sie ihrem Publikum den Applaus „Net klatsche!“ – ohne Erfolg. Die Zuschauer kamen aus dem Lachen nicht heraus. Sie ließen sich von ihrer Spontanität und der Mischung aus Comedy, Fastnacht, Singen und hessischem Gebabbel mitreißen.

Woody Feldmann ist vorlaut, frech und mit viel Humor gesegnet. Zum Glück gab es eine Verschnaufpause für die Fans. Sie schickte sie mit dem „Toilettenlied“ nach der Melodie von „Geh’ doch“ hinaus. Kaum zurück, schilderte sie urkomisch eine Busfahrt – „mit 50 Klopfern im Kopf“ – zum Oktoberfest. Einer Hymne an die Metzger gleich, interpretierte sie „Ich hab’ mich 1000 Mal gewogen“ und bekam als begeisterte Antwort ein stimmgewaltiges „Ja, ja, ja“ aus dem Saal zurück. Kleine Seitenhiebe auf sprachliche Feinheiten des sächsischen und fränkischen Dialekts gehörten in den zweieinhalb Stunden ebenso dazu wie Unterschiede zwischen Ost und West. Und als Offenbacher müsse man ohnehin der türkischen Sprache mächtig sein.

Die Entertainerin bezeichnete ihre Kleidergröße als „Small Elephant“ (Kleiner Elefant) und fand, dass Hessen die schönsten Menschen der Welt habe. Das unterstrich sie mit einem passenden Schunkellied. Die Zuschauer waren schon von Schnappatmung geplagt, als Woody einen Besuch in einem türkischen Barbierladen schilderte. Dort wurden ihr – ihr Geschlecht offensichtlich falsch einordnend – mit Wachs äußerst schmerzhaft die Nasenhaare entfernt.

Wiederholung geplant

Ein mitreißendes Plädoyer hielt sie auf Spaß und Freude. „Lasst uns mehr lachen“, lautete ihr Fazit. Am Ende wollte das Publikum sie nicht von der Bühne lassen. Denn ihr Rezept gegen Frust, Langeweile und Kummer war an diesem Abend voll aufgegangen. Nicht enden wollender Applaus war der Lohn für den hinreißenden Auftritt, der von blitzgescheiter Sensibilität, Wortgewalt, Sangeskunst und einer Extraportion Humor gewürzt war. Die Reise ins Woody-Land, darüber waren sich alle einig, muss wiederholt werden. Erste Kontakte zur Wiederholungstat knüpfte Vorsitzender Markus Heiser noch auf der Bühne.

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