Bürstadt

Hospiz-Initiative Neue Kurse für Ehrenamtliche beginnen Ende Oktober / Erstmals Qualifizierung für den Kinder- und Jugendbereich

Lebensbegleiter gesucht

Bürstadt."Wir suchen dringend neue Begleiter, weil die Anfragen sich häufen", berichtete die Koordinatorin Gaby Weiß-Szpera von der Hospiz-Initiative im Ried mit Sitz in Bürstadt.

Derzeit bräuchten drei weitere Familien Unterstützung bei der Betreuung von Schwerstkranken. Sie müssen vorerst mit Gesprächen auskommen, die sie mit der Koordinatorin führen. Die Hospiz-Initiative verfügt über 31 Ehrenamtliche, aber nicht alle sind im Einsatz. Unter anderem, weil sie gerade eine schwierige Begleitung hinter sich haben und eine Pause brauchen.

Stamm weiter ausbauen

"Uns ist ganz wichtig, dass niemand ausbrennt bei der Arbeit", betonte Gaby Weiß-Szpera, die früher selbst als Krankenschwester gearbeitet hat. Ihr Traum wäre es, 40 bis 50 Begleiter zu haben, auf die sie zurückgreifen kann. Basis dafür ist die Qualifizierung als Palliativ- und Hospizbegleiter, die am 28. Oktober beginnt.

Erstmals bietet die Initiative auch eine Qualifizierung zum Kinder- und Jugendhospizbegleiter an. Dabei geht es zum einen um die Begleitung von Kindern und Jugendlichen, die eine lebensverkürzende Krankheit haben. Zum anderen erhalten aber auch Kinder und Jugendliche Unterstützung, deren Eltern schwer erkrankt sind und sterben müssen.

Neu ist auch, dass es jetzt Infomappen für beide Qualifizierungen gibt, die man zu Hause in Ruhe durcharbeiten kann. Einen Teil der Ausbildung werden beide Helfergruppen zusammen absolvieren. Dann geht es getrennt weiter, weil Kinder und Jugendliche eine andere Art der Kommunikation brauchen.

"Bei einer Begleitung werden alle in der Familie eingebunden", erklärte die Koordinatorin und gibt ein Beispiel. Die Oma kann plötzlich aufgrund ihrer Krankheit nicht mehr sprechen. Die Eltern sind unsicher, ob sie die Enkel noch zu ihr lassen sollen, weil sie nicht wollten, dass sie der Nachwuchs so sieht und erlebt. In solch einem Fall helfen Gespräche mit den Begleitern, um die Berührungsängste abzubauen, die auf einmal da sind.

Begleiter sind eine Stütze für die Familien, wenn ein Angehöriger sterben muss. "Bereitschaftsärzte nehmen sich oft nicht die Zeit, an den Wochenenden vorbei zu kommen, das habe ich selbst schon erlebt. Da wurde einfach nur Morphin gebraucht, um den Prozess zu erleichtern", so Gaby Weiß-Szpera.

Für die Familien bringen alleine die Gespräche eine große Entlastung, weiß sie aus Erfahrung. Und da sieht Weiß-Szpera auch die Aufgabe der Begleiter: Sprechen, da sein, aushalten und den Sterbenden und die Familie nicht alleine lassen.

Thomas Köhler, neuer Schatzmeister der Hospiz-Initiative, hat die Qualifikation selbst durchlaufen. "Die Ausbildung gibt eine andere Perspektive auf das eigene Leben. Man beschäftigt sich intensiv mit sich selbst, was sehr bereichernd ist", berichtete Köhler. Dadurch erhalte man eine andere Sicht auf das Leben und auf den Tod. Dabei sieht sich die Initiative als Lebensbegleiter und ist gerade dabei, ihr Logo zu ändern, weil dort überall noch Sterbebegleiter steht.

Motive für die Ausbildung als Begleiter können sein, dass die Interessierten selbst schon in schwierigen Lebenslagen waren, gut wieder herausgekommen sind und sie jetzt anderen helfen wollen.

"Wir brauchen Menschen mit Mut, Einfühlungsvermögen und Offenheit, die anderen helfen, in der Krankheit Würde zu bewahren", führte die Koordinatorin aus. Besonders, wenn die Schwerstkranken bereits viel Erfahrung im Krankenhaus gesammelt haben.

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