Bürstadt

Mangel an Überzeugung

Archivartikel

Martin Schulte zur Energiewende im lokalen Bereich

Der Vorgang gewinnt immer mehr an Fahrt, statt sich zu beruhigen. Das kommt nicht von ungefähr. Und er bekommt possenhafte Züge: Zuerst stoppt eine Parlamentsmehrheit in Bürstadt die Gründung einer Gesellschaft zum Bau und Betrieb eines Solarparks in Lampertheim; unter anderem begründet mit einem zu großen Verbrauch wertvoller Ackerflächen. Dann belehren Naturschutzverbände Politik und Verwaltung in Bürstadt, sie hätten für Solarenergie auf den riesigen Dächern der Logistikhallen im Norden ihrer Stadt sorgen müssen. Die Botschaft: Kehrt besser vor der eigenen Haustür, liebe Bürstädter. Dass dieser Hinweis seine Bewandtnis hat, lässt sich an der Reaktion darauf ablesen: Sprecher der Fraktionen im Parlament der selbst ernannten „Sonnenstadt“ räumen ein „Versäumnis“ ein. Nur die Grünen können sagen, sie seien nicht für die Hallen gewesen, und wenn schon, dann mit Solarenergie.

Keine Kraft für die Wende

Soweit das Possenhafte. Die Problematik ist von wesentlich größerer Dimension und sehr vielschichtig. Offenkundig mangelt es der (Kommunal-) Politik an Überzeugung und Kraft, die Energiewende anzupacken. Sonst hätte Bürstadts Politik die Chance im „Brückelsgraben“ nicht einfach nur „versäumt“. Weit mehr als das behindert vorherrschendes wirtschaftliches Handeln eine wirkliche Energiewende. Investor und Bürgermeisterin sagen auf den Punkt gebracht: Mit Solarzellen hätte sich das nicht gerechnet. Hier sollte die Frage gestattet sein, was denn die Rechnung überhaupt darstellt. Nämlich zwei Monsterhallen auf 63 000 Quadratmetern Ackerfläche. Darin haben Menschen Arbeit gefunden, ja, allerdings der Großteil im Niedriglohnsektor. Der enorme Lkw-Verkehr darf zudem getrost den überschaubaren Gewerbesteuerzahlungen der Logistikbranche gegenüber gestellt werden. Das ist aus Bürstädter sowie ökologischer Sicht eine Fehlkalkulation.

Anlass zur Zuversicht

Der Trend, örtliche Nahversorgung durch nationale Riesenfilialisten zu besorgen, macht Logistik notwendig. Diesen Trend kann Bürstadt bestimmt nicht aufhalten. Aber es muss bei geplanten Ansiedlungen auch nicht den Finger strecken.

Aktuell gibt es dennoch Anlass zur Zuversicht: Wolfgang Dietz von der Bensheimer Dietz AG sagt zu, Möglichkeiten einer nachträglichen Ausstattung des Objekts in Bürstadt mit Photovoltaik fachmännisch prüfen zu lassen. Das ist doch wenigstens ein Wort. Die Dietz AG ist immerhin der namhafte Eigentümer.

 
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