Bürstadt

Soziales Die Hilfe von Seniorenberaterin Beate Weidner-Werle ist immer mehr gefragt / Engpass bei den Hausarztpraxen

„Menschen können gut versorgt zu Hause bleiben“

Archivartikel

Bürstadt.Mit einer kleinen Hilfestellung fängt es an – und erst nach und nach offenbart sich, bei wie vielen Problemen Beate Weidner-Werle mitanpacken kann. Die Seniorenberaterin in Bürstadt erlebt solche Fälle regelmäßig. Und ist dann froh, dass sie sich ausgiebig Zeit nehmen kann für ihre Klienten. Im Sozialausschuss berichtete sie jetzt von ihrer Arbeit.

Mit einer halben Stelle steht sie drei Tage in der Woche in ihrem Büro direkt neben der Sozialstation für Fragen bereit. Wenn sie sich nicht gerade auf einem Hausbesuch befindet. Und die kommen sehr häufig vor. Lediglich jüngere Angehörige bittet sie zu sich ins Büro. Ihren Senioren will sie die Anreise auf jeden Fall ersparen. 98 Mal hat sie innerhalb eines Jahres ihre Klienten zuhause besucht, 643 Beratungskontakte waren es insgesamt.

Bis nach Biblis und Groß-Rohrheim macht sie sich auf den Weg, hilft beim Ausfüllen der Formulare, organisiert Haushaltshilfen und gibt auch mal Tipps, um Stolperfallen in der Wohnung zu beseitigen. Dabei darf sie es auf gar keinen Fall eilig haben. „Die Menschen brauchen sehr viel Zeit, um sich auf neue Dinge einzustellen. Sonst verläuft die Beratung im Nirgendwo“, macht sie deutlich. Wenn der dicke Teppich im Flur mittlerweile ein echtes Hindernis darstellt, aber schon seit 30 Jahren zum Inventar gehört, braucht es sehr viel Überzeugungskraft, damit er weggeräumt wird, nennt Weidner-Werle ein alltägliches Beispiel.

Ist der erste Kontakt hergestellt, rücken die älteren Herrschaften – oder vielleicht auch die Verwandtschaft – oft erst mit den echten Problemen heraus. Dass noch kein Pflegegrad beantragt ist zum Beispiel. Obwohl das in Fällen von Demenz oder gar Verwahrlosung dringend nötig wäre. Für viele ist es einfach zu kompliziert, drei klein beschriebene Seiten durchzuarbeiten. Dabei sei es heute durchaus möglich, dass die Menschen gut versorgt daheim bleiben – ja, sogar zu Hause sterben – können. „Es muss nicht immer das Pflegeheim sein“, macht die Beraterin deutlich.

Manchmal ist es einfach nur eine hauswirtschaftliche Hilfe, die gebraucht wird. „Das ist allerdings ein Riesenproblem. Die zugelassenen Dienste sind total überlastet und konzentrieren sich vor allem auf die Pflege“, berichtet die Seniorenberaterin. Sehr schwierig sei auch die ärztliche Versorgung. Nachdem die Bürstädter Praxis Dr. Schreiber schließen musste, sei es sehr schwer, einen neuen Hausarzt zu finden. „Neue Patienten werden nicht mehr angenommen – auch wenn ich selbst anrufe. Und auch im Notfall sind die Türen zu“, macht Weidner-Werle deutlich.

Trotzdem: „Ich habe ein schönes und vielfältiges Arbeitsgebiet“, sagt sie. Auch wenn sie oft auf schlimme Lebenssituationen treffe, kenne sie sehr viele gut funktionierende Familien, in denen Senioren liebevoll umsorgt werden. sbo

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