Bürstadt

Bürgermeisterwahlkampf Steffen Lüderwald, der Kandidat der SPD und der Grünen in Bürstadt, lädt unsere Zeitung in sein Haus nach Hofheim ein

„Menschen machen einen Ort wertvoll“

Bürstadt/Hofheim.Einen wirklichen Lieblingsort hat Steffen Lüderwald nicht. „Die Menschen, mit denen ich zusammen bin, machen einen Ort wertvoll“, sagt der Bürgermeisterkandidat von SPD und Grünen. Deshalb lädt er uns nicht nach Bürstadt, wo er gern ins Rathaus einziehen würde, sondern in sein Haus nach Hofheim ein.

Hier ist er 2005 eingezogen und hat sich in vielen Bereichen als Handwerker betätigt. Boden und Fliesen verlegen, Wände tapezieren, Rohre verlegen, Wände selbst mauern – vor all dem schreckt der gelernte Verlagskaufmann und Diplombetriebswirt nicht zurück. Als Schreibtischmensch sieht er sich ohnehin nicht. „Bei meiner Ausbildung beim Mannheimer Morgen wollte ich die alten Druckmaschinen sehen und dabei sein, wie die Zeitung gesetzt wird“, erklärt Lüderwald. Und auch als er bei einem Verlag in Karlsruhe tätig war, ließ er sich in alle Abteilungen mitnehmen, um die Mitarbeiter und ihre Aufgaben „live zu sehen“.

So kommt der Sinn fürs Praktische also nicht ganz von ungefähr. Beim Handwerken finde er Abstand, müsse nicht reden und könne hinterher das Ergebnis selbst sehen. Außerdem lerne er seine Grenzen kennen. Denn bei der Elektrizität lässt auch Lüderwald nur den Fachmann ran. „Das ist mir zu heikel“, gibt er zu.

Umzug nach Bürstadt geplant

Trotz der vielen Eigenarbeit spielen er und seine Frau mit dem Gedanken, das Haus zu verkaufen und sich ein neues, kleineres Domizil in Bürstadt zu suchen – unabhängig davon, wie die Wahl ausgeht. „Das Haus ist uns inzwischen zu groß“, berichtet er.

Denn beide Kinder sind unter der Woche im Internat. Außer es sind Ferien wie zum Zeitpunkt unseres Gesprächs. Dann nutzen beide die Gelegenheit, Freunde zu treffen. „Da werden aus zwei Kindern schnell mal fünf bis sechs“, schmunzelt Steffen Lüderwald.

Seine Frau Silke trommelt gerade den 13-jährigen Sohn Fin und einen anderen Jungen zusammen. Beide sind an der Erich Kästner-Schule in Bürstadt mit Freunden zum Kicken verabredet. Wenn Schule ist, ist Fin im Fußballinternat der TSG Hoffenheim. „Irgendwann wurde die Fahrerei zum Training und zu den Spielen zu viel. Der Junge war nur noch unterwegs“, erklärt Steffen Lüderwald. Also bemühten sich die Eltern um einen Platz im Internat.

Tochter Zoë genießt die Ferien mit Freunden und den beiden Hunden Nitro und Lasse, die ebenfalls zur Familie gehören. Es handelt sich um Border-Hütehunde, die viel Auslauf brauchen. Deshalb geht die 15-Jährige, die zu Schulzeiten in einem Sportinternat in Frankfurt ist, viel mit ihnen nach draußen. Sie spielt Golf und kann im Internat Leistungssport und Schule gut unter einen Hut bringen.

Steffen Lüderwald teilt die Leidenschaft der Kinder für den Sport, insbesondere für Fußball. „Auch wenn ich längst nicht mehr mithalten kann und auch nie selbst Fußball im Verein gespielt habe“, gesteht er. Dafür sind Lüderwald und seine Frau oft mit dem Fahrrad und mit den Hunden unterwegs. „Aber ich habe noch die Zeit erlebt, als der VfR Bürstadt in der Zweiten Bundesliga gespielt hat“, erklärt der 50-Jährige. Die Region robbe sich sportlich so langsam wieder an das Niveau der 70er und 80er Jahre heran, so Lüderwald.

Stammgäste bei TSG Hoffenheim

Gemeinsam mit seiner Frau besucht er regelmäßig die Spiele der TSG Hoffenheim. Und sie unterstützen einen integrativen Fanclub aus Weinheim, in dem sich Menschen treffen, die im Rollstuhl sitzen. Einmal im Jahr organisiert das Ehepaar ein gemeinsames Training mit dem Nachwuchs der TSG und ein Abschluss-Spiel. Außerdem sammeln sie Geld, um den Mitgliedern des Fanclubs ihre Jahreskarten zu finanzieren.

Der Blick auf die Bücherwand im oberen Stockwerk beweist, dass auch das Lesen einen hohen Stellenwert im Haus Lüderwald hat. „Wir bekommen viele Bücher geschenkt und Tipps von Dritten, was sich lohnt“, sagt er. Und auch die eigenen Bücher bekämen oft Beine und würden mit Freunden getauscht.

Und noch eine Leidenschaft teilen die Eheleute: die zur Politik. Beide sind Mitglieder der SPD und in Lampertheim aktiv – er in der Stadtverordnetenversammlung und seine Frau im Ortsbeirat in Hofheim. „Wir haben uns das ein bisschen aufgeteilt“, erklärt er. Zu Hause werde auch über Politik diskutiert. „Wir sind eine politische Familie“, fügt er hinzu. Auch bei unterschiedlichen Standpunkten.

So handhabt es Lüderwald auch mit den Bürstädtern. „Viele sind auf mich zugekommen, auch Vereinsvertreter“, schildert Lüderwald. Er habe Bürstadt als sehr offene und bunte Stadt erlebt, allerdings auch mit einer harten Diskussionskultur, was er aber sehr schätze. „Ich möchte den Menschen auf Augenhöhe und mit Respekt begegnen“, betont Lüderwald.

Er will ein Bürgermeister für alle Fraktionen werden, aber auch für die Nichtwähler. „Es gibt in Bürstadt Menschen, die sich abgehängt fühlen, die sich mehr Nähe und mehr Normalität wünschen“, bemerkt der Kandidat und verspricht, sich im Falle seiner Wahl um „Lösungen für alle“ zu bemühen.

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