Bürstadt

Kappenabend Bürstäder KKM bietet ein über vierstündiges Programm mit viel Kokolores, Stimmungsmusik und schwungvollem Tanz

Musiker lassen es mächtig krachen

Bürstadt.Dass sich hinter jedem Musiker des Katholischen Kirchenmusikvereins (KKM) ein wahrer Schelm versteckt, das erlebte das närrische Publikum hautnah beim traditionellen Kappenabend. Im Saal genossen die Jokusjünger fein gewürzte Büttenreden, schunkelten zur Musik von Jean Diehl und amüsierten sich über Irene und Freddy Kruschenski, die als Präsidenten-Ehepaar und Nachfolger von Karlheinz Fettel (4 x 11 Jahre Präsident) „den Job übernommen“ hatten und diesen passgenau ausfüllten.

Kaum war das Prinzenpaar Manuela II. und Prinz Marcel II. samt Gefolge eingezogen, verbuchte Irene Kruschenski erste Lacher. Bei der Ordensverleihung stellte sie sich auf einen Hocker, um dem stattlichen Prinzen das närrische KKM-Abzeichen um den Hals zu hängen.

Von den SKK-Tanzmariechen Alina Winter und Charlotte Heiderich in Schwung gebracht, löste ein brüderliches Streitgespräch zwischen Laurin und Constantin Morweiser – Thema vegane Lebensweise – erste Lachsalven aus. Sonst als Trompeter, Schlagzeuger und Tubaspieler fest in der KKM-Familie verankert, lästerte der eine über „saublöde Rinderfresser“. Sein Bruder wunderte sich hingegen, dass Veganer „Kohlrabi-Schnitzel“ essen. So lautete sein umjubeltes Fazit: „Veganer sind Menschen, die ihre Wurst beim Gärtner kaufen.“

Am närrischen Pranger

Dann eroberte die SKK-Tanzgruppe „Crazy Legs“ die Bühne. Sie wurde ebenso frenetisch gefeiert wie das SKK-Ballett Magicals unter der Leitung von Saskia Wenz. Schon bei den HCV-Sitzungen gebührend gefeiert, erfuhr diese Ehre einmal mehr Thomas Haberer. Als Sainäwwelskett beleuchtete er das Stadtgeschehen. Geplante Kreisel und Fußgängerüberwege nannte er eine städtische Narretei. Hohe Kosten beim Fastnachtsumzug, betrunkene Besucher, unachtsame Hundebesitzer, stinkende Kanäle und wiederkehrende Straßenbeiträge stellte er an den närrischen Pranger. Der Applaus dafür wollte nicht enden.

Den heimste auch „dem ersten Vorsitzenden sei Fraa“, Uschi Pabst, ein. Trotz Datenschutz ließ sie es sich nicht nehmen, so manche „geheime“ Information aus dem Vereinsleben auszuplaudern.

Ihre Erinnerungen – in Form von bunten Perlen auf eine Schnur gezogen – reichten von lustigen Vereinsausflügen mit einem ortsunkundigen Busfahrer in die Pfalz, über das Zeltlager ohne Feuer, Konzerte und neue Musiker bis zur Fußball-WM, als die deutsche Mannschaft mit ihrem misslungenen Auftritt die Feier in der Scheune trübte. Stattdessen lobte sie die deutschen Handballer. Doch beim Gedanken, für jedes Tor einen Schnaps trinken zu müssen, wurde ihr nicht besser.

In ihrem Rückblick erinnerte sie an gemeinsam gefeierte Hochzeiten in den eigenen Reihen und freute sich über ein neues, an diesem Abend geborenes KKM-Kissel-Baby. Dieses wurde mit drei donnernden Helau-Rufen begrüßt.

Gewohnt unsortiert, aber deshalb nicht weniger liebenswert, trat der aus neun Musikern bestehende KKM-Trompetensatz auf. Als „Fritz Grimm“ tauchte Freddy Kruschenski – selbst Trompeter der lustigen Truppe – tief in die Welt der Tiere ein.

Kaum waren die Gassenhauer „Viva Colonia“ und das „Fliegerlied“ verklungen, feierte Klarinettistin Stefanie Kaupert ihre Rückkehr in die Bütt mit einem Vortrag über ihren von Pleiten, Pech und Pannen geplagten Papa. Mit alten und neuen Geschichten über das Familienoberhaupt trieb sie das Stimmungsbarometer in die Höhe. Dies gelang auch dem Spielmannszug Bürstadt-Hofheim mit seiner aus elf Trommlern bestehenden Truppe. Als Mexikaner verkleidet brachten sie das Vereinsheim der Garten- und Naturfreunde ins Schwanken. Mitreißende Rhythmen erhielten dazu durch Leuchtsticks eine ganz besondere Note.

Beim großen Finale klatschte nicht nur das Stadtprinzenpaar nach viereinhalb Stunden Kokolores enthusiastisch. Auch Pfarrer Peter Kern wischte sich die Lachtränen aus den Augen und war sichtlich stolz auf „seine Musiker“.

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