Bürstadt

Medien Bürstädter EKS an der Schillerschule zu Gast / Aktionstag mit Unterstützung des Kreises Bergstraße

Netzhelden helfen Viertklässlern

Bürstadt.Ob Facebook, Whatsapp oder Instagram, ob Amazon oder Smart-TV, ob in der Schule, im Job oder Zuhause – das Internet nimmt immer größere Teile des Alltags ein. Kinder wachsen heute schon mit sozialen Medien und mobilen Endgeräten auf. Doch gerade auf sie lauern im Netz auch viele Gefahren, weiß Reinhild Zolg, die Präventionsbeauftragte des Kreises, die jetzt beim „Saver Internet Day“ in Bürstadt zu Gast war.

Digitale Welten könnten schnell zur Wirklichkeit, der „Like“ zum alles entscheidenden Faktor der Anerkennung werden. Auch Mobbing und Ausgrenzungen seien meist nicht weit weg. Bei dem Aktionstag haben deshalb speziell ausgebildete Schüler der EKS 180 Viertklässler aus Bürstadt, Bobstadt und Groß-Rohrheim über einen vernünftigen Umgang mit dem Web aufgeklärt.

Die Veranstaltung mit Vorträgen, einer Rallye, Workshops und Selbsttest-Übungen hat die Kreisverwaltung gemeinsam mit der Bürstädter Schule und ihrer Initiative „Netzhelden“ ausgerichtet. Dabei, so betonte die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz, gehe es keinesfalls darum, den Kindern Zugang zum Internet zu verwehren oder das Phänomen zu verteufeln.

Gefahren für die Gesundheit

„Das würde auch gar nichts bringen“, sagte die Vize-Landrätin, die als Gesundheitsdezernentin für den Präventionsbereich zuständig ist. Internet sei inzwischen ein integraler Bestandteil der Gesellschaft. „Die Digitalisierung wird wohl für jeden Schüler in seinem späteren Beruf eine Rolle spielen. Deshalb wollen wir ihnen die richtige Nutzung beibringen, sie aber gleichzeitig auf Gefahren aufmerksam machen“, erklärte sie.

Konkret bedeutet das: Die Netzhelden – Jungen und Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren – erklären den Jüngeren „von Schüler zu Schüler“, was etwa das Recht am eigenen Bild bedeutet, machen klar, welche Konsequenzen Cyber-Mobbing haben kann. Denn Gesundheit habe, das unterstreicht Diana Stolz bei vielen Veranstaltungen, nicht nur eine körperliche, sondern auch eine psychische Komponente. Medienprävention sei deshalb Bestandteil aller Präventionsangebote des Kreises wie des „Yolo Days“. Weil das für Kinder aber eine herausragende Bedeutung habe, gebe es eine eigene Veranstaltung.

Die EKS kümmert sich schon lange um dieses Thema: Bereits vor sechs Jahren haben sich die Netzhelden auf Initiative von Lehrerin Maike Sattler-Wolf gegründet. An die 3000 WhatsApp-Nachrichten hatten ihre Schüler zuvor in Klassengruppen verschickt. Streit, Mobbing und Müdigkeit waren die Folge.

Seitdem leisten die Netzhelden, organisiert als Wahlpflichtfach ab der achten Klasse. Aufklärungsarbeit in Sachen Apps und Co. Finanziell unterstützt wird die Gruppe vom Lampertheimer Rotary Club. Das Spektrum der behandelten Themen reicht von heimlich gedrehten Videos über Fake-Profile bis hin zu Nacktbildern.

Damit es soweit nicht kommt, sind die Experten schon im Grundschulbereich gefragt. Inzwischen hätten ausnahmslos alle Viertklässler ein Handy, berichtete Sattler-Wolf. „Das beginnt spätestens in Klasse drei“, so die Lehrerin. Trotzdem schafft es fast kein Grundschüler, das Quiz für den „Surfschein“ auf Anhieb richtig zu beantworten.

Guter Ruf steht auf dem Spiel

Neuntklässler Raphael versteht das nur zu gut. Auch er dachte, er kennt sich im Netz bestens aus. „Doch als ich Netzheld wurde, habe ich echt viel gelernt. Und gemerkt, was ich alles gar nicht wusste“, erzählt der 15-Jährige. Inzwischen verhalte er sich im Internet ganz anders, sagt der Teenager. Fotos werden nicht mehr bedenkenlos weitergeleitet, Beiträge nicht immer kommentiert. „Ich habe ja einen Ruf zu verlieren“, kommentierte er grinsend. Das auch anderen zu erklären, ist für ihn ein Hobby geworden.

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