Bürstadt

Kirche Am Wochenende feiern viele Kinder in St. Michael und St. Peter ihre Erstkommunion – unter ihnen auch Hanna und Jonathan Ohl

„Nur das Beiwerk ist anders“

Archivartikel

Bürstadt.Die Gewänder sind bereits anprobiert, die Generalprobe in der Kirche ist absolviert: Am Samstag um 14.30 Uhr hat das Warten für Jonathan und Hanna ein Ende. Dann nämlich dürfen die Zwillinge der Bürstädter Familie Ohl in der ersten Gruppe der Pfarrgruppe Bürstadt endlich ihre Erstkommunion in der Kirche St. Michael feiern. Am Sonntag um 10 Uhr ist dann die zweite Gruppe an der Reihe.

Anfang April, als der Südhessen Morgen über die Kommunionvorbereitungen der Familie berichtet hat, stand wegen Corona noch kein Ausweichtermin für die Feier fest. Eigentlich hätten am 18. und 19. April insgesamt 54 Kinder der Pfarrgruppe Bürstadt, zu der die Gemeinden St. Michael und St. Peter gehören, ihre Erstkommunion haben sollen. Auch war damals noch nicht klar, ob dann auch Familienfeste stattfinden können. „Für die Kinder ist es ein komisches Gefühl“, erzählte Vater Marcus Ohl damals.

Alles umgeplant

Ganz weg sei dieses Gefühl bei dem zehnjährigen Jonathan nicht: „Es sieht immer noch seltsam aus, wenn die maximale Besucherzahl in der Kirche schon erreicht ist und noch nicht einmal jede zweite Bank besetzt ist“, sagt Ohl. Aber natürlich überwiege bei den Zwillingen die Freude, dass die Kommunion nun stattfindet. „Neben der Freude auf das Fest ist ihnen der besondere Moment wichtig. Im Grunde ist nur das schmückende Beiwerk anders, das, worauf es ankommt – das erste Mal die Heilige Kommunion zu empfangen – ist gleich. Dass Hanna und Jonathan das so sehen, das freut mich,“ so der Vater.

Auch wenn die Kirche am Wochenende leerer als in den Vorjahren sein wird – pro Kommunionfamilie dürfen acht Personen mit ins Gotteshaus, andere Besucher sind nicht zugelassen –, haben die Zuständigen alles getan, um den Rahmen so festlich wie möglich zu gestalten. „Der Einzug der Kinder wird ohne Kirchenmusik sein. Sie laufen einer nach dem anderen mit ihren Kerzen in der Hand ein. Und da nicht gemeinsam gesungen werden darf, wird eine Band spielen, die quasi stellvertretend für die Gemeinde singen wird“, erklärt der 38-Jährige. Die Zeremonie sei zwar anders, aber trotzdem schön und feierlich.

Auch die private Feier findet nun in anderem Rahmen statt als geplant. Ursprünglich wollten Ohls daheim feiern, das Essen sollte vom Metzger kommen. „Wir haben, als klar war, dass die Kommunion stattfindet, viele Varianten durchgespielt. Eine war, in kleinen Gruppen, aber dafür mehrfach daheim zu feiern. Für eine große Feier wäre es zu eng gewesen. Aber das hätte bedeutet, viermal zu feiern – und das neben Schule und Beruf. Das hätten wir nicht geschafft“, erzählt der 38-Jährige, der als Lehrer am Ursulinen-Gymnasium in Mannheim arbeitet. Gefeiert wird nun auswärts mit insgesamt 23 Personen, die auf mehrere Tische verteilt sind. „Ein paar der Gäste haben aufgrund von Vorerkrankungen abgesagt, das verstehen wir aber auch vollkommen.“ Ein bisschen traurig sei Hanna darüber, dass nicht alle Verwandte in der Kirche dabei sein könnten. „Sie hat sich aber schon damit arrangiert.“

Aufgrund der langen Ungewissheit sowie dem bangen Blick auf steigende Fallzahlen haben Ohl und seine Familie viele Vorbereitungen immer wieder nach hinten verschoben. „Erst letzte Woche haben wir die Kommunionkerzen fertiggestellt. Und auch die Detailplanung für den Tag war ziemlich kurzfristig.“ Nochmals alles durchplanen und dann wieder enttäuscht werden – darauf hatte niemand in der Familie Lust.

Aus Situation gelernt

Mit einem Problem mussten sich Ohl und seine Frau jedoch nicht beschäftigen: mit aus Anzug oder Kleid herausgewachsenen Kindern. „Hanna und Jonathan haben sich für ein Gewand entschieden. Ein Glück, das war eines der Dinge, über die wir uns keine Gedanken machen mussten.“ In Bürstadt gebe es keine einheitliche Regel die Kommunionkleidung betreffend: „Jeder kann das für sich entscheiden. Hanna meinte, dass jeder besonders sei, aber bei der Kommunion vor Gott alle gleich wichtig sind. Deshalb hat sie das Gewand gewählt“, erklärt Ohl.

Und noch etwas Positives kann der Familienvater der Lage abgewinnen: „Letztlich haben die Kinder auch gelernt, ambivalente Situationen zu handhaben. Anfangs war viel Angst im Spiel, aber jetzt haben sie gelernt, damit umzugehen.“

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