Bürstadt

Stadtentwicklung Bauland-Offensive Hessen stellt Konzept zur Entwicklung der Altlast vor / Politik angetan

Oli II – so soll der „Schandfleck“ neuen Wohnungen weichen

Bürstadt.Die altlastenverseuchte Industriebrache Oli II in Bürstadt könnte in absehbarer Zeit Geschichte sein. Vertreter der Bauland-Offensive Hessen (BOH) haben dem Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung am Mittwochabend ihr Konzept für die Entwicklung des Geländes vorgestellt. Am Ende des aufwendigen Prozesses soll hier neuer Wohnraum entstehen. Die Mitglieder des Ausschusses zeigten sich von dem Konzept angetan, obwohl die Stadt ein finanzielles Defizit zu tragen hat. Die Höhe dieses Defizits, so viel vorweg, soll im nichtöffentlichen Raum bleiben, um die Verhandlungen mit Grundstückseigentümern nicht zu erschweren.

Die Bauland-Offensive Hessen ist eine Tochter der Nassauischen Heimstadt NH Projektstadt, diese wiederum eine Gesellschaft des Landes Hessen. Die BOH unterstützt Kommunen bei der Entwicklung innerstädtischer Flächen zu Wohngebieten.

Gregor Voss und Marian Nokelski betonten bei ihrer sehr ausführlichen Präsentation wiederholt den hohen Stellenwert des Oli-II-Geländes für die weitere Entwicklung der Innenstadt vor dem Hintergrund des großen Bedarfs an neuem Wohnraum. Bis 2030 würde Bürstadts Bevölkerung um 4,7 Prozent wachsen, so Nokelski. Das bedeute einen Bedarf an 750 neuen Wohneinheiten. Aktuell gebe es 99 Nachfragen, die nicht befriedigt werden könnten.

Das Gelände Oli II sowie umliegende Flächen umfassen insgesamt 10 500 Quadratmeter. Laut Nokelski könnten hier bis zu 140 Wohneinheiten entstehen. Vorrang habe bezahlbarer Wohnraum in Mehrfamilienhäusern. Allerdings seien auch höherpreisige Einfamilienhäuser geplant. Das soll künftigen Investoren die Quersubventionierung des preiswerteren Wohnraums ermöglichen. Geparkt werden soll in Tiefgaragen.

Auch unter ökologischen Gesichtspunkten sei ihr Konzept sinnvoll, so die Referenten. Abgesehen von der Altlastensanierung würde nicht zuletzt auch Fläche entsiegelt und begrünt.

„Den Anwohnern schuldig“

Die BOH würde gemäß ihres Konzepts treuhänderisch für die Stadt arbeiten. Das heißt, die Gesellschaft tritt als Bevollmächtigter auf, kauft und verkauft etwa Grundstücke, oder erledigt bürokratische Vorgänge. So ließe sich das Projekt außerhalb des Haushalts der Stadt Bürstadt abwickeln. Unter Zustimmung der Ausschussmitglieder machten die BOH-Vertreter deutlich, dass eine Stadtverwaltung die Abwicklung solch einer Maßnahme kaum leisten könne.

Die Sprecher aller Fraktionen äußerten sich zustimmend zu dem vorgeschlagenen Prozedere. Sie sprachen von einer riesigen Chance für Bürstadt und zeigten ihre Erleichterung, nachdem nun ein Weg aufgezeigt sei, „diesen Schandfleck“ endlich loszuwerden. Oli II liegt seit Mitte der 1980er Jahre brach.

Das Defizit entstehe durch die Altlastensanierung, die Grundstückserlöse könnten die Kosten nicht vollständig kompensieren, hat die BOH errechnet. Dem Vernehmen nach sprengt das Minus nicht den finanziellen Rahmen der Stadt. In der Diskussion darüber sagte Bürgermeisterin Bärbel Schader: „Das sind wir den Anwohnern schuldig.“

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