Bürstadt

Wiesenfest Bürstädter Stamm „Bruder Feuer“ feiert sein 85-jähriges Bestehen / Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit

Pfadfinder laden ans Lagerfeuer ein

Archivartikel

Bürstadt.Franziska Hofmann ist ein wenig ratlos. Denn als Vorsitzende des Pfadfinderstammes „Bruder Feuer“ kann sie es nicht nachvollziehen, warum der Jugendorganisation in Bürstadt der Nachwuchs ausgeht. Nur mit ganzem Einsatz konnte verhindert werden, dass das Feuer des Stammes endgültig verlosch. Beim Wiesenfest am 17. und 18. August wird jetzt also doch das 85. Bestehen gefeiert.

„Mittlerweile sind wir wieder acht Leute in der Leiterrunde“, zeigte sich Franziska Hofmann erleichtert. Und gemeinsam mit Tanja Sachs finden auch wieder Gruppenstunden für Kinder von sechs bis 13 Jahren auf dem Gelände der Pfadfinder in der Hassellache statt.

Allein dieses naturbelassene Gelände spricht schon für den vor 85 Jahren gegründeten Stamm. Hier befindet sich nicht nur das schmucke Versammlungsheim, sondern in der Naturoase lässt es sich auch vorzüglich spielen und toben. Dort finden neben den Gruppentreffen auch Feste und andere Aktivitäten statt. Übernachtungen in Zelten – samt Lagerfeuerromantik – gehören zum Programm. „Demnächst wollen wir ein Bienenhotel bauen“, erzählte die Vorsitzende. Sie schwärmte von den Begegnungen mit vielen Tieren, die sich auf und über der Pfadfinderwiese tummeln. Ab und an schwebte sogar ein Falke über dem Grundstück. Eidechsen, Bienen, Hummeln und sogar ein neugieriger Fuchs schauten schon vorbei.

Mit ihren Mitstreitern hat Franziska Hofmann einiges auf die Beine gestellt, um neue Mitglieder zu gewinnen. In Schulen und bei den Kommunionkindern hat sie ebenso für die Jugendorganisation geworben wie Flyer in Briefkästen gesteckt.

1934 gründeten der damalige Kaplan Nau und Pfarrsekretär Peter Adler den Stamm Bruder Feuer, der sich während der Nazizeit nur im Geheimen treffen konnte und nicht selten in Streitigkeiten mit Hitlerjungen geriet. 1938 wurde er sogar verboten. Doch der Stamm lebte im Untergrund weiter.

Politische Botschaft

Das 50-jährige Bestehen wurde mit einer ganzen Festwoche gefeiert. Immer wieder spielten angesagte Bands auf dem Wiesengrundstück und zogen viele Besucher an. Doch diese Zeiten gehören längst der Vergangenheit an. Doch so ganz will die Leiterrunde die alte Tradition nicht aufgeben. Zum Wiesenfest hoffen sie deshalb auf viele Besucher.

Neben kulinarischen Köstlichkeiten will Sänger und Gitarrist Holger Ackermann die Gäste am Samstagabend unterhalten. Nach dem Wiesengottesdienst, der um 10.30 Uhr beginnt, dürfen die Kinder die Hüpfburg stürmen und sich schminken lassen. Eine kleine Rallye führt über das Gelände, und gegen 13 Uhr soll es einen kleinen Jubiläums-Festakt geben. Heike Ofenloch will zudem mit ihrem Gesang und Gitarrenspiel zur Unterhaltung der Besucher beitragen.

Neben dem Wiesenfest sind die Pfadfinder auf vielen Ebenen aktiv. Neben ihrem sozialen Engagement wollen sie politische Mitverantwortung tragen und setzen sich für den Frieden ein. So gehört es zur guten Tradition, in jedem Jahr das Friedenslicht nach Bürstadt zu bringen. Auch nahm der Stamm „Bruder Feuer“ am großen Bundeszeltlager der weltweiten Organisation teil.

Zudem waren die Pfadfinder oft Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Schon vor 20 Jahren wurde eine Solaranlage auf dem Vereinsheim angebracht. „Und beim Einweggeschirr waren wir ganz bestimmt einer der Ersten“, ist sich Franziska Hofmann sicher. Auch dass sie das frühere Ackerland in Eigenleistung zu dem gemacht haben, was die Wiese heute ist, darauf ist die Vorsitzende heute immer noch ein wenig stolz.

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