Bürstadt

Kulturbeirat Jörg Knör begeistert seine Gäste mit gepflegter Unterhaltung und einer Liebeserklärung an Frankreich

Prince trifft auf Hildegard Knef

Archivartikel

Bürstadt.Mit Jörg Knör gab am Freitagabend ein Entertainer der alten Schule seine Visitenkarte im Bürstädter Bürgerhaus ab. In einer Zeit, in der die meisten seiner Kollegen mit schrillen Outfits und Tönen und nicht immer druckreifem Vokabular versuchen, ihre Nische zu finden, ist der Wuppertaler ein angenehmer Gegenentwurf.

Zwei Stunden spielte er sein Programm „Filou“ und überzeugte das zumeist ältere Publikum mit seiner unaufgeregten und charmanten Art. Dabei erinnerte er des Öfteren an die großen Vertreter seiner Zunft, wie Rudi Carrell oder Jürgen von der Lippe, die ihre Glanzzeiten in den 70er und 80er Jahren hatten und deren Stil heute für viele antiquiert anmutet und vom Aussterben bedroht ist. Das gilt in erster Linie auch für die Bandbreite der Darbietungen. Was macht einen solchen klassischen Entertainer aus?

Genialer Stimmenimitator

Knörs Programm ist frankophil. Das Bühnenbild stellt den Montmartre dar, „die höchste Erhebung von Paris neben der Gewerbesteuer“. Seine Paradedisziplin war und ist die Stimmenimitation. Schon vor Jahrzehnten war seine Intonation der Schauspielerin Inge Meysel landauf landab ein Begriff. Im Laufe der Zeit hat er sein Repertoire ausgebaut. Da jüngere Zeitgenossen mit den Stimmen von Franz-Josef Strauss oder Herbert Wehner nur noch wenig anfangen können, setzt er heute auf Angela Merkel, Desirée Nick oder Karl Lagerfeld.

Trotzdem ist sein Programm für die Zuschauer irgendwie auch eine Zeitreise. Untermalt von der Musik der legendären Hans-Rosenthal-Show „Dalli Dalli“ zeichnet er gekonnt Karikaturen und fordert zur Lösung von Bilderrätseln auf.

Der Gesang ist ebenso fester Bestandteil von „Filou“. Die Wahl des Liedguts fällt – geradezu folgerichtig – auf den Chansonnier und Schauspieler Charles Aznavour. Als Knör sich eine Zigarette ansteckt, ist den Meisten schon klar, wen er nun darstellen möchte: Altkanzler Helmut Schmidt. Stilecht mit Mentholkippe im Mund, freut er sich, dass sein Konterfei bald die Zwei-Euro-Münze zieren wird, aber noch mehr darüber, dass der nach ihm benannte Hamburger Flughafen der einzige weltweit ist, bei dem in der Abflughalle geraucht werden darf und die Nichtraucher nach draußen gehen müssen.

Als Ex-Fußballmanager und bundesweit bekanntes Schwergewicht Rainer Calmund testet Knör eine App, die französische Speisekarten übersetzt – überhaupt ist der Abend in weiten Teilen eine Liebeserklärung an Frankreich und den dort gepflegten Lebensstil.

Und man muss wohl lange suchen, bis sich ein Künstler finden lässt, der ein täuschend echt klingendes Medley singen kann, bei dem Udo Jürgens, Jopi Heesters, Michael Jackson, Prince und Hildegard Knef gleichzeitig ihre Gesangskunst zum Besten geben.

Knör gefiel und wurde von seinen Gästen mit viel Applaus belohnt – nach einem schönen Abend, der ganz ohne erhobenen Zeigefinger und ordinäre Beifallshascherei auskam.

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