Bürstadt

Landtagswahl Kommunalpolitiker aus Bobstadt versuchen, das Ergebnis vom Sonntag zu verdauen

„Schockstarre“ nach AfD-Erfolg

Archivartikel

Bobstadt.Die Volksparteien mussten bei der Landtagswahl in Hessen kräftig Federn lassen, auch in Bürstadt. Besonders dramatisch ist das Ergebnis im Stadtteil Bobstadt ausgefallen, wo die AfD stärkste Kraft geworden ist – vor der CDU und noch deutlicher vor den Grünen und der SPD. Jeder Vierte hat hier sein Kreuz bei den Rechtspopulisten gemacht. Der „Südhessen Morgen“ hat sich bei Kommunalpolitikern aus Bobstadt umgehört, wie sie das Ergebnis vom Sonntag bewerten und wie sie damit umgehen möchten.

Sozialdemokrat Hans-Georg Gött, von 2011 bis 2016 Ortsvorsteher in Bobstadt, ist enttäuscht über das Abschneiden der SPD in Hessen. „Die Prognosen gingen in eine bestimmte Richtung und haben sich bestätigt“, kommentiert er das landesweite Ergebnis. Was Bobstadt angeht, sei das Wort Enttäuschung allerdings zu schwach. „Entsetzen trifft es besser“, so der Sozialdemokrat, der immer noch unter „Schockstarre“ steht. „Das kann ich nicht verstehen“, sagt Gött. Oft kämen Bürger zu ihm und suchen Rat in persönlichen Belangen. Natürlich helfe er in solchen Fällen. Umso mehr trifft ihn das schlechte Abschneiden der SPD auch persönlich. „Die Menschen verfolgen eigene Interessen“, konstatiert Gött. Diese seien im Fall der Bebauung des Messplatzes nicht berücksichtigt worden. „Wenn darauf Menschen mit Rechtswählen reagieren, kann ich das nicht für gut befinden“, so der Sozialdemokrat.

Er macht aber nicht nur das umstrittene Bauprojekt für den Erfolg verantwortlich. „Es gibt ein hohes Potenzial für die AfD in Bobstadt“, verweist er auf die Bundestagswahl, wo die Rechtspopulisten in einem Wahllokal bei 17,7 und im anderen bei 21,6 Prozent gelandet waren.

Wunsch nach Schulterschluss

„Wir wollen und werden auf dieses Ergebnis reagieren“, spricht Gött für die Bürstädter SPD als Ganzes. Er wolle weiter das Gespräch mit den Bürgern suchen und ein offenes Ohr für ihre Anliegen haben.

Doch er wünscht sich auch einen Schulterschluss mit den anderen demokratischen Parteien. „Den haben wir immer wieder gesucht“, merkt er an. Aber ein eindeutiges Zeichen der CDU in diese Richtung vermisst er bis heute.

Ursula Cornelius, die für die CDU im Ortsbeirat sitzt, konnte mit ihren Mitstreitern noch nicht intensiv über das Wahlergebnis diskutieren. „Das werden wir aber noch tun, sowohl im Bobstädter Ortsbeirat als auch in der Fraktion“, ist sich Cornelius sicher.

Grünen-Politiker Uwe Metzner, amtierender Ortsvorsteher in Bobstadt, teilt viele der Ansichten von Hans-Georg Gött. Er sieht ein AfD-nahes Klientel in ganz Bürstadt. In Bobstadt seien die Protestwähler noch hinzu gekommen. „Dort sind Entscheidungen getroffen worden, die viele Bürger nicht verstanden haben“, denkt auch Metzner an die Messplatz-Bebauung. Es seien Fehler passiert, die man nicht wiederholen dürfe. Allerdings seien zum Schluss beide Seiten so zerstritten gewesen, dass kein Kompromiss mehr möglich gewesen sei.

Deshalb wünscht Metzner sich künftig noch mehr Bürgerbeteiligung in Bürstadt. Oft werde nur mit kleinen Gruppen von unmittelbar Betroffenen gesprochen. Er möchte aber auch verstärkt große Bürgeranhörungen, bei denen die Themen nicht wie bei den Bürgerversammlungen bereits vorab von der Verwaltung vorgegeben werden.

Im Ortsbeirat versuche er, den Bürgern so viel Raum wie möglich für ihre Fragen und Anliegen zu geben, auch wenn sie sich nicht unmittelbar auf die Tagesordnung beziehen. „Ich greife Fragen dann als offizielle Anfrage an die Verwaltung auf“, sagt Metzner. Auch habe er schon die Sitzung unterbrochen, um die Bürger unmittelbar bei den Tagesordnungspunkten zu Wort kommen zu lassen.

FDP-Fraktionschef Burkhard Vetter ist zwar kein Bobstädter, sieht die Dinge aber ganz ähnlich wie die Politiker vor Ort. Er konstatiert ebenfalls eine Gemengelage aus Protest gegen die Bundespolitik und Protest gegen Entscheidungen vor Ort. „Die Landesthemen sind überhaupt nicht durchgedrungen“, so Vetter.

Was den Messplatz angeht, verweist er auf einen langwierigen Prozess, in dem dann einfach auch eine Entscheidung habe fallen müssen. „Es gab Informationen und Bürgerbeteiligung, aber es wird nie gelingen, 100 Prozent mitnehmen zu können“, sagt er.

Vetter hat Verständnis dafür, dass die Verlierer aus Protest wählen. Er hat aber auch einen Ratschlag: Die Messplatz-Gegner sollten die Energie, die sie aufgewandt haben, auch für die Allgemeinheit einsetzen. „Ich war auch mit der Politik vor Ort unzufrieden und habe dann die FDP gegründet“, ergänzt er.

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