Bürstadt

Qualifikation Caritas und Neue Wege gratulieren Absolventen / Einjähriger Kurs zur Pflege und Betreuung von Senioren

Schritt ins Arbeitsleben geschafft

Bürstadt.Agnieszka Porwoll hat nicht nur die Urkunde, sondern bereits einen Vertrag in der Tasche: Sie strahlt mit ihren Kollegen bei der Feier im Briebelsaal des Bürstädter Altenheims St. Elisabeth um die Wette. Alle sind froh und stolz, ihren Qualifizierungskurs beim Caritasverband bewältigt zu haben. Im Fokus stehen dabei Altenpflege, Betreuung von demenzkranken Menschen und Hauswirtschaft. Es haben nicht nur alle neun bestanden, sondern auch „mit großem Erfolg“, wie Jobcoach Silvia Haußer betont.

Sieben Frauen und zwei Männer haben über ein halbes Jahr lang Theorie gebüffelt. Parallel arbeiten sie ein Jahr lang in einer Einrichtung mit. Agnieszka Porwoll (37) etwa war in Lampertheim in Mariä Verkündigung tätig – und bleibt nun auch dort. „Ich werde im Sozialbereich als Alltagsbegleiterin arbeiten“, erzählt sie stolz. Sie hätte selbst nicht gedacht, dass sie so nahtlos weitermachen kann – dann mit Gehalt.

Mit den Kindern gelernt

Sabrina Milwa strahlt mit ihr. Die 33-Jährige wird allerdings noch ein halbes Jahr in St. Elisabeth in Bürstadt bleiben, denn sie hat zwar die Theorie bestanden, aber erst ein halbes Jahr Praxis geschafft. Das scheint ihr aber nichts auszumachen, denn die Lampertheimerin fühlt sich wohl in Bürstadt. Vor allem ist sie erleichtert, dass sie die Prüfung geschafft hat. „Meine Kinder mussten für die Schule lernen, und ich musste auch lernen. Das hat gut geklappt und mir auch Kraft gegeben“, sagt die 33-Jährige. „Sie haben immer gesagt: ,Mama, du schaffst das!’“

Die jungen Frauen sind froh, dass sie diesen Schritt gewagt haben und können nur jedem dazu raten. Einsteigen in das Projekt von Caritas und Neue Wege können Interessierte jederzeit. Für den neuen Theorie-Kurs, der ab 9. April beginnt, nimmt die Caritas bereits Bewerbungen an. „Ein Teilnehmer hat schon mit der Praxisphase angefangen“, erzählt Dorothea Spieß. Denn dies ist immer möglich.

Starker Zusammenhalt

Der Zusammenhalt untereinander ist stark. „Wir haben uns gegenseitig mitgezogen“, erzählt Corinna Brucks, die in St. Elisabeth in Bensheim mitgearbeitet hat. Die 53-Jährige war zwei Jahre arbeitssuchend und möchte nun als Betreuungsassistentin arbeiten. Auch ein Bewerbungstraining hat sie im Kurs absolviert. Die Aussichten sind laut Projektleiterin Dorothee Spieß sehr gut: „Im vergangenen Jahr haben wir neun Teilnehmer in die Beschäftigung begleitet, zwei weitere jetzt Anfang des Jahres.“ Und in St. Elisabeth kommen laut Heimleiter Günter Schwering inzwischen 25 Prozent der Mitarbeiter aus dieser Qualifizierung von Caritas und Neue Wege. Diese besteht bereits seit 13 Jahren.

Ein Jahr lang kein Gehalt

Geld verdienen die Teilnehmer dabei das gesamte Jahr lang nicht. „Sie erhalten Arbeitslosengeld II sowie Fahrtkosten. Zudem bekommen sie eine Aufwandsentschädigung, aber die hat nichts mit einem Gehalt zu tun“, erklärt Dorothee Spieß. Die Motivation ist trotzdem hoch. „Für mich ist das eine große Chance“, sagt Sabrina Milwa. Sie war vorher ausschließlich für die Familie da und nimmt die neue Herausforderung gerne an.

„Das ist ein anspruchsvoller Weg, das haben Sie sicher deutlich gespürt“, sagt Schwering. Denn die Arbeit in der Pflege fordere einen und bedeute weit mehr, als dass die Menschen „sauber und satt“ sind, wie Caritasdirektorin Stefanie Rhein betont. So stehe im Praxisteil auch die Beziehungsarbeit zu den Bewohnern im Vordergrund.

Schwering, Rhein und die zahlreichen Referenten wünschten den Absolventen, dass sie ihren Weg weitergehen und den Schritt in den Arbeitsmarkt schaffen. So wie Agnieszka Porwoll. Und Sanela Pavlic hat bei Schwering bereits eine Bewerbung zur Pflegehelferin abgegeben. Die 37-Jährige hat vorher im hauswirtschaftlichen Bereich gearbeitet und möchte nun mit älteren Menschen zu tun haben, weil sie das erfüllt.

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