Bürstadt

Leserbrief

„So einen Wortbruch noch nicht erlebt“

Archivartikel

Zum Thema Turnvater-Jahn-Platz

Zur Frage soll der Turnvater-Jahn-Platz bebaut werden, äußerten sich verschiedene Personen der Parteien und des Naturschutzbunds (Nabu). Herr Held vom Nabu sagte, es sei erneut zugesichert worden, dass zumindest die Zeder erhalten, und das andere, das wegfalle, ausgeglichen werde. Dazu kann man nur sagen: Was weg ist, ist weg.

Tatsache ist, es stehen nicht nur die Zeder, sondern auch eine Linde, ein Trompetenbaum sowie eine Blutpflaume, eine Eibe und weitere Büsche, die für Vögel Früchte tragen, alle circa 60 Jahre alt und in gleichem Maße erhaltenswert. Da fällt mir spontan ein Volkslied ein. „Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde“ (Aber die Parteien ließen sie verschwinden). Noch einmal zum Mitschreiben für alle, die es immer noch nicht kapiert haben: Alte Bäume reinigen die Luft und helfen gegen das Fortschreiten der Erderwärmung. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) meldet, dieser Mai war der wärmste seit Beginn der Aufzeichnung 1979, mit der höchsten Kohlendioxideintragung in der Atmosphäre.

Kein Platz für die Zeder

Zum Erhalt der Atlaszeder: Hier eine Berechnung, die belegt, dass die Erhaltung der Zeder bei einer Bebauung des Platzes nicht möglich ist. Der Platz ist laut Kataster 2789 Quadratmeter groß, laut Behinderten Werkstatt Bensheim (BHB) wird eine Fläche von 2500 Quadratmetern benötigt. Dies sind 90 Prozent der gesamten Fläche. Nach Adam Riese verbleiben also nur 289 Quadratmeter. Die Atlaszeder hat einen Durchmesser von circa 20 Metern, der Platz ist 39 Meter breit. Dies bedeutet, die Zeder belegt einen Platz von 780 Quadratmetern. Mit anderen Worten, die Zeder muss bei einer Bebauung, wie alle anderen Bäume und Büsche auch, gefällt werden. Im Krieg nennt man so etwas Kollateralschaden. Dies hat man in Bobstadt auf dem Messplatz der Bevölkerung auch schon einmal vorgeführt. Vielleicht ist der Baum dort auch nur umgefallen, weil die Wurzel beschädigt war?

In der Agenda 2030 (Stand 2019) werden zehn Ziele mehr für Umwelt und Klimaschutz festgeschrieben. Hier ein paar Auszüge: Intensivierung der Stadtbegrünung, Maßnahmen zur Aufwertung des Turnvater-Jahn-Platzes, Erhalt der biologischen Vielfalt, Intensivierung der Stadtbegrünung, Erneuerung der Bushaltestellen als Bienenhaltestellen, Pflege und Ausweitung des Baumbestandes, grünes Wohnen unter Einbeziehung des Turnvater-Jahn-Platzes. Wenn man das liest, denkt man, was für wunderbare Zeiten brechen an.

Aber nur ein Jahr später kommt der Paukenschlag. Der Turnvater-Jahn-Platz soll plattgemacht werden. So einen Wortbruch habe ich in den letzten 70 Jahren vonseiten der Politik in Bürstadt noch nicht erlebt. Da stellt sich jeder normal Denkende die Frage: Wurde diese Agenda nur aufgestellt, um aus dem Städtebauprogramm „Soziale Stadt“ viel Geld zu generieren? Dies sollte man eigentlich mal im Auge behalten.

Die FDP erzählt: In Bürstadt wären zur Erholung noch viele Gärten, der alla hopp!-Park sowie Feld und Wald vorhanden. Zu den Gärten: In der Agenda 2030 werden konkrete Möglichkeiten zur innerörtlichen Nachverdichtung gefordert (Wahrscheinlich hat man an die Gärten zwischen Clemens- und Kirschstraße gedacht). Zur alla hopp!-Anlage: Sie liegt am anderen Ende der Stadt, für ältere Menschen zu Fuß nicht zu erreichen, uninteressant und kein Park zum Erholen. Bei den Oppositionsparteien war, wie man liest, nur Frau Catalani-Wilhelm in Opposition gegen diese Pläne. Alle anderen haben genickt.

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