Bürstadt

Neujahrsempfang Bürstädter Genossen wollen als kritische Opposition Salz in die Wunden streuen

SPD flirtet weiter mit Grünen

Archivartikel

Bürstadt.Die Bürgermeisterwahl ging verloren. Wenn auch nur knapp. Doch mit einem Ergebnis von fast 46 Prozent hatte SPD-Kandidat Steffen Lüderwald nicht nur die CDU-Bewerberin und Amtsinhaberin Bärbel Schader (52 Prozent) mächtig ins Schwitzen gebracht, sondern auch für neue politische Beziehungen gesorgt. Aus der recht spontanen Unterstützung, die der Mann aus Hofheim beim Wahlkampf von den Grünen erhalten hatte, soll nun eine längerfristige Liaison werden. Nichts Festes, aber doch wohl mehr als ein vorübergehender Flirt.

„Wir werden bei der Kommunalwahl 2021 sicher nicht mit einer gemeinsamen Liste aufwarten“, sagte Grünen-Chef Uwe Metzner beim Neujahrsempfang der SPD am Sonntag. Doch wo gemeinsame Ideen und Ziele erkennbar seien, wolle man inhaltlich weiter an einem Strang ziehen. Als Beispiele nannte er die Themen Flächenverbrauch, Kinderspielplätze und sozialer Wohnungsbau. „Wir stimmen in vielen Punkten mit der SPD überein“, so Metzner vor rund 50 Gästen im Pflegeheim St. Elisabeth. Als Ursache für die neu erwachsene Nähe nennt er glasklar die Personalie Lüderwald. Er habe durch seine Offenheit und Dialogbereitschaft wesentlichen Anteil daran, dass beide Parteien enger zusammengerückt seien. Wie es weitergeht, hänge am lokalpolitischen Diskurs in Bürstadt.

Man wolle als kritische Opposition Salz in die Wunden streuen, kündigte der SPD-Vorsitzende Boris Wenz an. „Die Mauscheleien zwischen Rathaus und Koalition müssen aufhören“, sagte er. Die Opposition hatte Bärbel Schader während des Wahlkampfs heftig kritisiert. Unter anderem ging es darum, dass lokale Bauprojekte teilweise zu schnell und ohne Dialog mit den Bürgern durchgesetzt würden. Wenz betonte, dass man auch die Koalition von CDU und FDP „genau im Auge behalten“ werde. Als Musterbeispiel, was in Bürstadt schief laufe, nannte er die plötzliche Fällung der alten Linde am Bobstädter Messplatz, wo die Gemüter aufgrund des örtlichen Bauprojekts ohnehin deutlich erhitzt seien.

Baumschutzverordnung verlangt

„Das kann nicht sein“, so der SPD-Chef, der an die Baumschutzverordnung erinnerte, die das Parlament an den Runden Tisch Natur gegeben habe. Eine Entscheidung stehe hier nach wie vor aus.

Auch Uwe Metzner plädiert dafür, ein solches verbindliches Regulativ endlich umzusetzen. „Am ehemaligen Spielplatz Kettelerstraße wurde gestern ein weiterer Baum entfernt“, entrüstete er sich beim Neujahrsempfang, wo auch die SPD-Kreisspitze vertreten war. „Das gute Wahlergebnis von Steffen Lüderwald macht Mut“, kommentierte Vorsitzender Marius Schmidt (Lampertheim). Die Bürstädter Genossen hätten auf die richtigen Themen gesetzt und damit den Bürger in einer Stadt erreicht, in der die Amtsinhaberin „noch vor einem halben Jahr fast unschlagbar erschien“. Lüderwald habe außerdem die Tür aufgestoßen für ein neues kommunales Bündnis. Eine verantwortungsvolle Wirtschaftspolitik und ökologisch motivierter Ressourcenschutz seien kein Widerspruch.

Bürstadt profitiere auch von etlichen Entscheidungen auf kreispolitischer Ebene, so Schmidt weiter. Für das laufende Jahr habe der Kreis eine Senkung der Kreisumlage um 1,5 Prozentpunkte beschlossen, die den Städten und Gemeinden mehr finanziellen Spielraum zur Schaffung von Wohnraum bieten soll.

Außerdem soll noch im laufenden Jahr eine Wohnraum-Agentur gegründet werden, über die Leerstände angemietet und in Abstimmung mit den Städten und Gemeinden an wohnungssuchende Personen und Familien weitervermietet werden könnten. Ein Modell, das bereits in einigen Kommunen – mehr oder weniger erfolgreich – unter verschiedenen Überschriften laufe, darunter Viernheim, Bensheim und Lampertheim.

Die Idee dahinter: Weil die Miete von der Stadt gezahlt wird, die die Wohnungen formal untervermietet, soll der Besitzer eine Art Zahlungsgarantie genießen. Das soll dem Markt weiteren sozialen Wohnraum zuleiten. Marius Schmidt äußerte sich optimistisch, dass das Konzept im März starten könnte.

Im Rahmen des Empfangs nahm Boris Wenz zwei Ehrungen vor. Für 30-jährige Mitgliedschaft würdigte er Gunter Kühn. Bereits vor 50 Jahren war Werner Ille in die SPD eingetreten. Er erhielt eine Ehrennadel in Gold.

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