Bürstadt

Gesellschaft Tafel in Bürstadt wieder offen / Viele Kinder von Armut betroffen / Süßigkeiten sollen für Freude sorgen

„Spenden gerade jetzt wichtig“

Archivartikel

Bürstadt.400 Menschen versorgt die Tafel Bürstadt im Jahr mit Lebensmitteln – 45 Prozent von ihnen sind Kinder. Seit Mitte März jedoch hatten die Tafeln in Bürstadt und Lampertheim ihre Pforten geschlossen – auch, weil viele der Helfer selbst zu einer Risikogruppe gehören und nicht mehr mitarbeiten konnten. Wie essenziell jedoch gerade in dieser Zeit die Ausgabestellen sind, darauf weist Susanne Hagen vom Diakonischen Werk Bergstraße als Zuständige für die Tafeln hin. „Spenden sind gerade jetzt ganz, ganz wichtig. Die Krise hat gezeigt, dass man schnell ohne eigenes Verschulden in eine schlimme Situation geraten kann.“ Da auch viele Lebensmittel teurer geworden seien, belaste die derzeitige Situation die Betroffenen doppelt.

Umso größer war deshalb am Montag die Freude bei allen Verantwortlichen: Zum einen macht die Tafel in Bürstadt ab Dienstag wieder beschränkt auf, zum anderen durften Hagen und ihre Mitstreiter gleich eine Spende des Edeka Krebs in Bürstadt entgegennehmen. „Wir übergeben Osterware im Wert von 2000 Euro, die speziell für die Kinder sein soll. Dazu haben wir noch Spielwaren gelegt, um ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“, betont Michael Krebs, Inhaber des Edeka-Marktes. Es sei ihm derzeit sehr wichtig, etwas für Kinder zu tun. „Zudem übergeben wir noch 60 Tafel-Tüten, die von Kunden gespendet worden sind. Darin sind besonders haltbare Lebensmittel wie Salz oder Tee.“

Nur die Hälfte der Kunden

Ein großes Dankeschön an alle kommt auch von Bürgermeisterin Bärbel Schader. „Wie das alles funktioniert hat! Es war ein tolles Signal zu sagen, wir öffnen die Tafel wieder. Dank der ehrenamtlichen Mitarbeiter, aber auch dank der Spenden wurde dies ermöglicht.“ Besonders Michael Krebs fände immer wieder Möglichkeiten und Wege, um zu unterstützen. Und sie betont: „Gemeinsam sind wir in der Krise stark.“

Schader selbst überreichte ebenfalls eine Spende: „Die fleißigen Helfer der Aktion ,Wir sind Bergstraße’ haben uns selbst genähte Masken zum Start der Tafel überreicht.“ Auch Desinfektionsmittel sei auf dem Weg zu den Ausgabestellen, so die Bürgermeisterin.

Zum Normalbetrieb kann die Tafel in Bürstadt trotz aller Unterstützung nicht gleich übergehen: „Wir haben erst einmal nur 50 Prozent der Kunden zugelassen. Wer bisher wöchentlich einen Termin hatte, ist jetzt nur alle zwei Wochen dran“, erklärt Jürgen Knödler, Integrationsbeauftragter und Quartiermanager. „Sonst wären die Abstandsregeln nicht einzuhalten.“

Zudem würde auch das Angebot knapp werden. „Da die Restaurants geschlossen haben und die Menschen öfter daheim kochen, werden auch mehr Lebensmittel im Geschäft gekauft. Da bleibt weniger Ware für die Tafeln übrig“, sagt Knödler. Besonders hart träfe es Alleinerziehende, von denen in Bürstadt einige Tafel-Kunden seien: „Normalerweise essen die Kinder in der Schule. Da derzeit über den Tag hinweg gekocht werden muss, reißt das Löcher in die Haushaltskasse.“ Das Geld würde oft nur bis zur Hälfte des Monats reichen.

Über das Nachbarschaftstelefon des Quartierbüros hätten sich Menschen gemeldet, die eigentlich für Risikogruppen einkaufen wollten. „Da wir in Bürstadt einen tollen familiären und gesellschaftlichen Zusammenhalt haben, haben wir diese Hilfe aber nicht gebraucht“, so Knödler. Aus dem Kreis seien die Tafel-Mitarbeiter aufgestockt worden.

Integrationslotsen als Hilfe

Jeden Dienstag- und Freitag wird die Tafel in Bürstadt nun wieder geöffnet haben. „Im Vorfeld wurden die Kunden angerufen, wer wann welchen Termin hat“, erklärt Knödler. Wie auch sonst beim Einkaufen, herrscht hier ebenfalls Maskenpflicht, Desinfektionsmittel steht am Eingang bereit. „Wir haben zudem Integrationslotsen im Geschäft, die arabisch, polnisch oder rumänisch übersetzen können, und auch die Abstands- und Hygieneregeln überprüfen.“ Für die Zukunft befürchtet Knödler, dass mehr Menschen Tafeln brauchen werden. „Momentan geben wir zwar keine neuen Berechtigungsscheine aus – aber die Anfragen werden sicher zunehmen.“

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