Bürstadt

Naturschutz Gewässerverband stellt Masten bei Familie Dietz in Riedrode auf / Nabu, EWR und Schlosserei Kunz kooperieren

Störche können in 8,50 Metern Höhe brüten

Archivartikel

Riedrode.Als Helmut Dietz im vergangenen Sommer zwei Störche auf dem Flutlichtmast der Fußballer hinter dem Garten sitzen gesehen hat, war die Idee geboren: „Wir wollten ein Nest für sie.“ Seit gestern steht es in 8,50 Metern Höhe auf seinem Grundstück in Riedrode.

Den Masten haben Mitarbeiter des Gewässerverbands installiert. „Das ist bestimmt schon das 15. Storchennest, das wir im Kreis Bergstraße aufstellen“, erklärt Techniker Florian Schumacher. Dafür ist ein richtiges Fundament nötig. Der Mast steht in einer ein Meter hohen Schiene – die auch einen Meter tief in den Boden hineinragt und mit 1,7 Kubikmeter Beton fixiert wurde. „Das ist wegen der Höhe nötig, außerdem wird das Nest noch höher – und sehr schwer“, sagt Benno Herd vom Gewässerverband. Er ist eigentlich Wasserbauwerker, kennt sich inzwischen aber auch mit Storchennestern aus. „Es muss zwischendurch abgeräumt werden, damit es nicht zu viel Gewicht bekommt“, erklärt er.

In der Regel drei bis vier Eier

Das bestätigt Gerhard Eppler vom Naturschutzbund (Nabu): „Ein Storch baut ständig weiter an seinem Nest, es kann zwei Meter hoch und tonnenschwer werden“, erklärt der Landesvorsitzende. Im ganzen Kreis Bergstraße gebe es 30 Brutpaare. „Die sind quasi alle im Ried“, sagt Eppler. Drei bis vier Eier legen die großen Vögel in der Regel und fangen Anfang April an zu brüten. Es dauere 30 bis 32 Tage, ehe die Küken schlüpfen. Darauf hoffen Ute und Helmut Dietz natürlich. Ob ihr Nest noch rechtzeitig kommt? „Manchmal muss man auch ein bisschen Geduld haben, bis es angenommen wird“, sagt Eppler.

Aber Helmut Dietz ist zuversichtlich: „Normalerweise sehe ich sie auf dem Weg zur Arbeit, aber es ist noch ziemlich ruhig.“ Wahrscheinlich sei die langanhaltende Kälte schuld. Insofern hofft der 54-Jährige auf warmes Frühlingswetter. Dietz ist überzeugt davon, dass sie sich in Riedrode wohlfühlen. „Hier in der Gemarkung wird ja Wasser infiltriert. Und wo Wasser ist, siedeln sich auch Frösche und Kleintiere an – da finden die Störche genug Futter“, sagt Dietz.

„Sie fressen auch nicht nur Frösche – wie im Märchen –, sondern alles, was sich bewegt und eine gewisse Größe hat“, erklärt der Biologe Eppler. Durch die vielen Pferde im Ort gebe es auch genügend große Insekten. „Das ist ein hervorragender Standort. Es wundert mich, dass die Störche ihn nicht schon von alleine entdeckt haben“, meint der Naturschützer. Und: Wo ein Storchenpaar brüte, lassen sich häufig noch mehr nieder. Häufig bilden sich sogar ganze Kolonien.

Die Paare bleiben laut Eppler übrigens nicht der Liebe wegen zusammen, sondern weil die Störche immer wieder zu ihrem Brutplatz zurückkehren. „Und wenn ein neues Männchen zuerst zum Nest kommt, tragen sie richtige Kämpfe aus. Die sind nicht gerade zimperlich.“

Die Kosten für das Nest in Riedrode trägt übrigens der Energieversorger EWR, dessen Firma EWR Netz auch die Masten zur Verfügung gestellt hat. 2000 Euro investiert das Unternehmen insgesamt für vier Storchennester. Denn Schmiedemeister Hans-Dieter Kunz aus Biblis fertigt insgesamt vier achteckige Stahlkonstruktionen an. Kunz ist selbst Vogelfreund und hat sich vorab natürliche Nester angeschaut. In Absprache mit dem Nabu werden nun noch drei weitere Standorte gesucht. Gerhard Eppler denkt dabei unter anderem an den Vogelpark in Lampertheim, wohin bereits seit einigen Jahren gleich mehrere Storchenpaare zum Brüten kommen.

Bei Familie Dietz wäre es nicht das erste Federvieh: Hier leben 14 Hühner mit stattlichem Hahn, zudem noch zwei Kaninchen und ein Hund. „Jetzt fehlen nur noch die Störche“, sagt Helmut Dietz.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel