Bürstadt

Aktion „Nein zu Gewalt gegen Frauen“ Mit den Brötchen kommen Hilfsangebote auf den Tisch

Tabu-Thema auf der Tüte

Archivartikel

Bürstadt.Die beiden neuen „Praktikanten“ hatten in der Bürstädter Bäckerei Gebhardt alle Hände voll zu tun. Landrat Christian Engelhardt und Bürgermeisterin Bärbel Schader packten frische Brötchen in ganz besondere Tüten. Mit der kreisweiten Aktion „Gewalt kommt mir nicht in die Tüte“ wollten sie – gemeinsam mit Vertreterinnen des Arbeitskreises gegen Häusliche Gewalt im Kreis Bergstraße – auf das Thema hinweisen.

„Darüber spricht zwar niemand gerne, aber es ist ungemein wichtig, das Schweigen zu brechen“, machte Engelhardt deutlich. In zehn verschiedenen Sprachen werden auf den Tüten unzählige Hilfsangebote aufgezeigt. Neben Beratungs- und Interventionsstellen in Bensheim, Lampertheim und Rimbach sind die Nummern des Hilfetelefons, von pro-familia und dem Frauenhaus Bergstraße aufgeführt.

In 100 Bäckereien im Kreis sollen 100 000 Brötchentüten „das Thema im wahrsten Sinne des Wortes auf den Tisch bringen“, erklärte Engelhardt. Denn laut Statistik ist in Deutschland jede vierte Frau mit ihren Kindern von häuslicher Gewalt oder sexuellem Missbrauch betroffen. Doch die Dunkelziffer liegt weitaus höher. Denn viele Betroffene werden physisch und finanziell unter Druck gesetzt.

Auftakt in Bürstadt

In allen Kulturen und in unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten anzutreffen, findet Gewalt gegen Frauen oft im häuslichen Umfeld statt – „dort, wo sie sicher sein müssten“, stellt Bürgermeisterin Schader fest. Und fügt hinzu: „Es gibt noch viel zu viel Gewalt gegen Frauen“. Sie wünscht sich mehr Wachsamkeit und eine Sensibilisierung für das Thema, um Menschenrechte besser wahren zu können. Die Netzwerke, die betroffene Frauen beraten, hält Schader für dringend erforderlich. Denn: „Gewalt ist das größte Gesundheitsrisiko für Frauen“, wie sie feststellte. Alleine im letzten Jahr seien in Deutschland 147 Frauen von ihren Partnern getötet worden.

Neben der Auftaktveranstaltung erhält die Aktion Unterstützung von den Kommunen. Diese hissen die Fahnen der Organisation „Terres des Femmes“ vor ihren Rathäusern. Darüber hinaus organisieren die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten sowie das Frauenhaus Bergstraße mehrere Veranstaltungen, um auf dem Aktionstag und das Thema Gewalt aufmerksam zu machen. Fell

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