Bürstadt

„Einfach spitze“ Hubert Eberle führt die Radfahrervereinigung 03 Bürstadt seit mehr als 25 Jahren / Als Zwölfjähriger die Leidenschaft fürs Kunstrad entdeckt

Vom Training gleich zur Meisterschaft

Archivartikel

Bürstadt.Eigentlich kam er durch Zufall zum Radsport. Mit einem Jungen aus der Nachbarschaft schaute Hubert Eberle eines dienstagabends beim Konditionstraining der Kunstradfahrer zu. Der Mannschaft fehlte ein Mitstreiter. „Hast du Lust?“, fragte ihn einer. Der damals Zwölfjährige hatte große Lust – und saß von da an fest im Sattel.

Hubert Eberle ist Vorsitzender der Radfahrervereinigung (RV) 03 Bürstadt. Und das schon seit mehr als 25 Jahren. 1971 trat er in den Verein ein. Der Zwölfjährige durfte zwei Wochen nach dem spontanen Training schon an der Bezirksmeisterschaft teilnehmen – und bekam gleich eine Medaille umgehängt. „Das fand ich damals natürlich toll und bin gerne dabei geblieben.“

Hubert Eberle ist heute 59 Jahre alt. Der gebürtige Bürstädter ist verheiratet, Diplom-Chemiker und hat eine Tochter, die selbst leidenschaftlich gerne Kunstrad fährt. Seine Frau ist bei der TSG Bürstadt aktiv, die Familie hat also Verständnis für Eberle, der einen Großteil seiner Freizeit für den Verein aufwendet. „Zehn Stunden gehen da in der Woche locker für drauf“, sagt Eberle. Er fügt hinzu: „Falls keine große Veranstaltung ansteht. Denn dann ist es oft mehr.“ Momentan bereiten er und sein Team den Entega Grand Prix vor, der am Dienstag, 31. Juli, rund um das Back- und Brauhaus stattfindet.

Auf dem Rad sitzt der Bürstädter heute nur noch in seiner Freizeit, nebenbei gibt er zwei bis drei Mal in der Woche Training. Als Vorsitzender managt er hauptsächlich das Organisatorische: Er kümmert sich um das Vereinsheim, bereitet die Veranstaltungen vor, hat die Finanzen und die Mitgliederzahlen im Blick.

Als er in den 1970er Jahren selbst aktiv im Sattel saß, war das natürlich noch anders: „Nachdem ich in den Verein eingetreten bin, haben wir die komplette Kunstradfahrer-Mannschaft umgebaut und waren richtig erfolgreich“, erinnert er sich. Sogar deutscher Vizemeister durfte sich Eberle nennen. Das war 1978 im Vierer-Kunstradfahren. „Mein größter sportlicher Erfolg“, meint er stolz. Die Laufbahn endete, als sich ein Mannschaftsmitglied am Knie verletzte und nicht mehr fahren konnte. „Danach brach unser Team schnell auseinander, weil wir keinen Ersatz fanden“, erinnert sich Eberle. „Aber trotzdem war es eine tolle Zeit.“

Das Interesse am Kunstradfahren hat Eberle nie verloren. Deshalb hat er den Trainerschein gemacht. Der Radfahrervereinigung blieb er stets treu: Mit 18 Jahren wurde er Schriftführer, zwei Jahre später zweiter Vorsitzender. „Ich bin da so hinein gerutscht“, sagt er in seiner unaufgeregten Art. Als der damalige Vorsitzende Herbert Bauer aus Bürstadt wegzog, „habe ich sein Amt geerbt“. Der Verein suchte zu diesem Zeitpunkt händeringend nach jungen Leuten, die sich im Vorstand engagierten – und Eberle war jung, gerade einmal Anfang 30.

Momentan weht wieder frischer Wind durch die Vereinsreihen, man kann sogar zum Teil von einem Generationenwechsel sprechen: Eberles Tochter Hannah macht derzeit ihren Trainerschein, genauso wie ihre Freundin Nina Killian. Beide sind 24 Jahre alt und studieren derzeit. Die jungen Frauen sind schon lange im Verein und waren als Kunstradfahrerin ebenfalls sehr erfolgreich – wie der Vater so die Tochter.

Die beiden jungen Frauen trainieren die kleinsten Kunstradfahrer des Vereins. Eberles Augen leuchten, wenn er von deren Erfahrungen berichtet: „Ein Junge kommt zu uns ins Training und seine kleine Schwester, gerade einmal drei, bringt einfach ihr Rad mit und übt nebenbei“, erzählt er. Schon nach kurzer Zeit habe sie ohne Stützräder fahren können. „So etwas zu sehen, das macht großen Spaß.“

Überhaupt liege ihm die Nachwuchsarbeit sehr am Herzen. Seitdem seine Tochter und ihre Freundin das Training für die Kleinen anbieten, seien wieder mehr Mitglieder dazugekommen – eine erfreuliche Entwicklung. Schade sei nur, dass viele das Kunstradfahren mit Beginn der Pubertät wieder aufgeben. „Wir müssen es schaffen, den Nachwuchs auch in dieser Zeit an uns zu binden“, sagt Eberle.

Großes Zugpferd der Radfahrervereinigung sei neben dem Kunstrad die Triathlonabteilung. Auch hier leistet der Verein Nachwuchsarbeit: Margaretha Ewig führt unter dem Motto „Trainieren wie die Profis“ Jugendliche an den Radrennsport heran. Knapp 15 Kinder sind derzeit mit ihr in der Region unterwegs. „Auch das wird sehr gut angenommen, und das freut uns natürlich.“ Und mit den Kindern und Jugendlichen würden auch oftmals die Eltern in den Verein eintreten und sich engagieren.

Wenn die Mitgliederzahlen wachsen, muss der Vorsitzende umso mehr die Finanzen im Blick haben. „Wir kommen am Ende des Jahres null auf null raus“, sagt Eberle. Denn ein neues Kunstrad koste teilweise mehr als 2000 Euro. Und für das Schwimmtraining der Triathleten im Lampertheimer Hallenbad zahle der Verein auch. Die Mitgliederbeiträge reichten dafür längst nicht aus. Die Lücken deckt er über die Vermietung des Vereinsheims „Eigentlich ist jedes Wochenende ausgebucht und es gibt sogar schon Anfragen fürs kommende Jahr.“ Wer das Vereinshaus mietet, der verpflichtet sich auch, die Getränke zu nehmen.

Und was wünscht sich der Vorsitzende für seinen Verein? Eberle zögert nicht. „Eine eigene Trainingshalle.“ Doch da heißt es: „Abwarten, was draußen mit dem Sportpark passiert“. Die Kosten für den Bau einer eigenen Halle wären für die Radfahrervereinigung gar nicht das Problem, sondern eher die Unterhaltung. „Das ist leider eine Nummer zu groß für uns.“

Bei den nächsten Vorstandswahlen im Frühjahr 2019 will er wieder als Vorsitzender antreten. Aber: Falls sich ein jüngerer Kandidat zur Wahl stellt, würde er einem Amtswechsel nicht im Wege stehen.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional