Bürstadt

Jubiläum Ausgrabungsstätte 50 Jahre alt/ Besichtigungen derzeit nicht möglich

Von der Erzählung zum Sensationsfund

Archivartikel

Biblis.Der vor 1970 rund drei Meter hohe, mächtige Schutthügel im Steiner Wald, Schlossbuckel genannt, bewegt schon lange die Erzählungen der Bewohner. Aber auch den Fachwissenschaftlern gab er Jahrzehnte lang Rätsel auf. Heute gilt eben dieser Hügel als archäologische Ausgrabungsstelle von europäischem Rang.

Im Baugesuch zum Kernkraftwerk Biblis wurden finanzielle Mittel für eine archäologische Untersuchung der Kraftwerksbaustelle eingeplant. Der Kraftwerksbaugrund erwies sich jedoch als fundleer und RWE und Hochtief AG unterstützten schließlich die Ausgrabung des nahen Schlossbuckels. Im Sommer 1970 begann Werner Jorns unter dem Landesamt für Denkmalpflege damit, diesen in zwei Suchabschnitten zu erforschen. Die Baufirma Hochtief stellte vier Saisonarbeiter ab. Die örtliche Aufsicht hatte Udo Wagner aus Groß-Zimmern.

Obwohl in mühevoller Handarbeit mit Kellen und Schaufeln gearbeitet wurde, konnten noch 1970 zahlreiche Mauerfragmente freigelegt werden. Diese ließen einen ersten Eindruck der Gesamtanlage zu. Anhand zahlreicher Keramikfunde war bald der Nachweis erbracht, dass der fränkische Königshof Zullestein mit Rheinhafen und späterem Marktrecht der Vorgängerbau der Festung Burg Stein war – eine wissenschaftliche Sensation. Zudem wurden römische Mauerzüge erkannt, die zu einem spätrömischen Ländeburgus der Zeit des Kaisers Valentinian I. um 370 nach Christus gehörten.

Der Wissenschaft waren diese militärischen Verteidigungsanlagen entlang des Rheins und der Donau zwar bekannt, so gut erhalten wie die Burg Stein war jedoch keine.

1973 wurde die Anlage von RWE konserviert und mit einer Aussichtsplattform ausgestattet, der Naturpark Bergstraße sorgte für eine Rasthütte und stellte eine große Informationstafel auf. Jahrelang hat RWE noch notwendige Pflege- und Unterhaltungsarbeiten unterstützt. Vor etwa zehn Jahren musste die marode Plattform entfernt werden, eine Neuerrichtung sollte mit einer längst fälligen großen Sanierung der Burg Stein erfolgen. Vor rund einem Jahr wurde mit der Sperrung der neuen Natostraße am Biblis-Nordheimer Rhein der Fußweg für Besucher der Burg Stein verlängert. Interessierte mit Kleinkindern, ältere oder kranke Personen werden seither von einem Besuch der Ausgrabungsstelle abgehalten. red

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