Bürstadt

Pro Bono Liberi Burkhard Vetter spricht über legale Drogen und ihre Risiken

Von gefährlichen Giftzwergen

Archivartikel

Bürstadt.Mit ausgestreckten Händen und etwas unsicher auf den Beinen bewegen sich die Besucher durch die evangelische Kirche in Bürstadt. „Es ist alles bunt und total verschwommen“, meint der Viertklässler Sebastian. Seine Brille veranschaulicht ihm, wie stark Alkohol wirkt – und einschränkt. Die Promillebrillen gehören zum praktischen Teil des Vortrags „Niko und Alko – zwei Giftzwerge“ zur Suchtprävention, zu dem der Bürstädter Verein Pro Bono Liberi eingeladen hat.

„Wir hätten uns gerne noch mehr Kinder und Jugendliche gewünscht, um hinsichtlich der Suchtmacher wie Alkohol und Zigaretten zu sensibilisieren“, sagte Gerhard Weitz von Pro Bono Liberi angesichts der kleinen Gruppe Zuhörer. Dabei ging es um Aufklärung und nicht um Verteufelung der legalen Drogen. „Alkohol ist die billigste Droge, die es gibt“, meinte Burkhard Vetter. Der Bürstädter war selbst alkoholkrank und hält nun Vorträge zur Prävention.

„Vor der Schule wird geraucht“

Vetters Vortrag basiert auf dem Präventionsbuch von Marlies Wank. Es zeigt, was Menschen passieren kann, wenn das Leben von Niko (Zigaretten) und Alko (Alkohol) gesteuert und bestimmt wird. Auch die Autorin hat sich ihren Dämonen gestellt und konnte sich sowie ihre Familie aus „der Sucht“ retten. „Alko, das ist schon ein cooler Typ, in seiner Nähe sind immer alle gut drauf. Manchmal verfallen sie aber auch in Aggression“, liest Vetter vor. Der Gegenpart Niko sei still und sensibel. Mit seiner Art könne er oft alle besänftigen und Ruhe einkehren lassen. „Wir sterben nicht aus! Den Kids gefällt es mit uns“, war von Niko und Alko im Buch zu hören. Sie wussten, die meisten können sie nicht aus ihrem Leben werfen und werden wieder rückfällig.

Vor allem Kinder und Jugendliche kämen rasch in Kontakt zu legalen Drogen, weil sie dazu gehören wollen oder durch Mutproben. Burkhard Vetter fragte, wer damit schon in Kontakt gekommen sei. Die Kinder und Jugendlichen erzählten, dass vor allem vor den Schulen viel geraucht würde. „Alkohol und Zigaretten wurden aber bisher in der Schule noch nicht besprochen“, sagte Siebtklässler David. Laut Burkhard Vetter gibt es in Deutschland 1,3 Millionen Alkoholiker – plus Dunkelziffer. „Gut zehn Millionen haben einen riskanten Umgang mit Alkohol.“ Teilweise liege dies auch an Gewohnheiten wie dem Feierabendbier oder dem Verdauungsschnaps. Schnell könne man so in eine Suchtspirale kommen.

Doch je höher der Konsum, umso mehr steige die Dosis, um es zu spüren. „In meiner Entzugsklinik wurden Patienten mit 5,5 Promille eingeliefert und welche, die am Tag über 70 Schlaftabletten nahmen“, berichtete Vetter. Er klärte auch über Gefahren wie Fettleber oder Leberzirrhose auf. Den Organisatoren war es wichtig, die Kinder und Jugendliche für einen vorsichtigen Umgang mit legalen Drogen zu sensibilisieren. str

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