Bürstadt

Sainäwwel Bürstadts Laienschauspieler bringen wieder urkomische Verwechslungskomödie auf die Bühne

Wenn der Minister ins Sonneneck kommt

Riedrode.„Bäschdädderisch ist ein Kulturgut“, betont Matthias Brenner in seiner Eröffnungsrede vor der Premiere. Mundart ist Trumpf bei der Theatergruppe Sainäwwel, und so haben die Schauspieler mal wieder ein schönes Stück ausgewählt, umgeschrieben und die Rollen mit den richtigen Charakteren besetzt. Für „Operation Sunneeck“ ernteten sie viel Applaus.

Zu lachen gibt es für Besucher wieder einiges bei der Verwechselungskomödie. Sie spielt sich im „politischen Milieu“ ab: Außenminister Harry Stockmann (hervorragend gespielt von Markus Winkler) arbeitet eigentlich in Berlin, hat aber ein Wochenendhaus im Bürstädter Sonneneck. Und er hat ein Problem. Er würde gerne das Wochenende mit seiner Nachbarin Lilly Huy (sehr witzig: Gabi Schäfer-Bauer) verbringen, doch Ehefrau Ellie (eine Paraderolle für Irene Kruschenski) und Tochter Julia (Simone Kipfstuhl) sind noch im Haus. Doch sie haben ebenfalls Pläne: Ellie will zur Abnehmfarm und Julia zur Freundin. Soweit ist alles geregelt für Harry, der vorgibt, zum Golfen nach München zu fahren.

Butler bleibt am Rock hängen

Mit Butler Johann Freitag (Norbert Gebhardt spricht als einziger Hochdeutsch) haben alle drei vereinbart, dass er nichts hört und sieht. Soweit so gut. Als Lilly erscheint, taucht prompt auch Tochter Julia mit ihrem Freund Stefan (starke Mimik: Thomas Hayer) auf, weil sie die sturmfreie Bude nutzen will.

Aber das ist noch nicht alles. Aus Berlin kommt eine Majorin (exzellent: Roswitha Gebhardt) und erklärt das Wochenendhaus zum neuen Außenministerium, weil es auf das bisherige ein Bombenattentat gegeben hat. Sie bringt gleich ein Sondereinsatzkommando mit und riegelt das Gelände ab. Mit im Schlepptau ist Harrys Sekretärin Chantal (herrlich naiv: Anita Reischert), die durch ihre Trotteligkeit für Chaos sorgt. So verschmiert sie Alleskleber auf die Hände von Butler Freitag, der damit an ihrem Rock kleben bleibt.

Schön ist auch die Szene, als sich Vater und Tochter immer wieder verpassen. Harry geht mehrmals in die Küche, um Gläser und Kaviar zu richten – und Julia nimmt es für sich und Stefan mit. Er muss mehrmals in die Küche und alles wieder auffüllen, wobei er nicht ahnt, dass seine Tochter im Haus ist. Nur mit Mimik und Gestik schafft er es, dies zu vermitteln.

Die Majorin wird im Laufe der Geschichte mehrmals durch aufgeschlagene Türen ausgeknockt. Zum Glück gibt es dafür einen Sitzsack im Zimmer. Gleich mehrere komische Verwechslungen sorgen für viel Komik. So wird Nachbarin Lilly als neues Zimmermädchen präsentiert, um ihre Anwesenheit zu erklären. Passenderweise trägt sie gerade eine solche Uniform, die eigentlich für ein Schäferstündchen mit Harry gedacht war. Dieser lernt auch Julias „Freundin“ Stefanie kennen, für die Thomas Hayer in Kleid und Perücke schlüpft.

Die Premiere ist sehr gelungen, die Besucher sind teilweise aus dem Lachen nicht mehr heraus gekommen. Im Anschluss an die drei Akte und zwei Pausen genossen sie noch einen Imbiss.

Die künftigen Zuschauer dürfen sich noch auf eine besondere Überraschung freuen. Das Stück musste kurzfristig umbesetzt und umgeschrieben werden, weil Karl-Hans Reischert aus gesundheitlichen Gründen nicht mit auf der Bühne stehen kann. Die Aufführungen sind noch bis 28. April zu erleben.

Info: Fotostrecke unter suedhessen-morgen.de

Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel