Bürstadt

Erich Kästner-Schule Seit diesem Schuljahr stehen zwei Sozialarbeiter für Sorgen und Nöte der Kinder bereit

„Wir schauen bei den Kindern genau hin“

Bürstadt.Stefanie Kaupert und Carsten Bach sind gefragte Leute: Fast im Minutentakt klopft es an der Tür – die muss aber ausnahmsweise zu bleiben: Die beiden Sozialarbeiter an der Erich Kästner-Schule stellen sich und ihre Aufgaben der Presse vor. „Sie sehen also, der Ansturm ist groß“, sagt Direktorin Stephanie Dekker mit einem verschmitzten Lächeln. Sie geht davon aus, dass die Schüler in der nächsten Pause noch einmal das Gespräch suchen. „Die Kinder finden uns auf jeden Fall“, bestätigen die beiden Neuzugänge an der EKS. „Ob hier im Büro oder im Lehrerzimmer – da wissen sie ganz genau Bescheid.“

Seit April ist Stefanie Kaupert täglich an der Schule, Carsten Bach seit den großen Ferien. Beide haben die große Tour durch die 39 Klassen gemacht und sich überall vorgestellt. „Und bei 850 Kindern gibt es viel zu besprechen“, sind sich die beiden einig. Schon vor Unterrichtsbeginn fangen sie ihren Dienst an. Sie wollen früh für die Jungen und Mädchen bereitstehen, falls sie schon mit Sorgen auf dem Herzen in die Schule kommen. Wenn es Krach gibt in der Familie oder eine Scheidung ansteht beispielsweise.

Mit Sorgen in die Schule

„Manchmal ist es ein Streit mit dem besten Freund, der unbedingt geklärt werden muss, bevor man überhaupt anfangen kann zu lernen“, weiß auch Schulleiterin Dekker. Schon oft standen zutiefst unglückliche Kinder vor ihrer Bürotür, um ihr ihre Sorgen zu schildern. „Das ist wichtig für die Kinder. Und man will sich die Zeit nehmen – hat sie aber manchmal gar nicht.“ Die Unterstützung der beiden Sozialarbeiter sieht sie deshalb als große Bereicherung. Schon allein, weil sie mit einem ganz neuen Blickwinkel auf die Kinder schauen.

Was tun, wenn es jungen Menschen schwerfällt, in die Schule zu kommen? „Dann sehen wir ganz genau hin“, erläutert Stefanie Kaupert. Woran liegt es? Stress mit den Lehrern, Überforderung, vielleicht sogar Angst? Dann wird erst mal geredet – mit den Schülern natürlich, bei Bedarf aber auch mit den Eltern. Und wenn nötig, vermitteln die beiden auch zu Beratungsstellen oder Ärzten.

Bei Klassenrat-Stunden dabei

Gibt es Probleme mit anderen Kindern, finden auch Mediationsgespräche statt. Ohnehin besucht Kaupert regelmäßig ganze Klassen. „Bei den Fünften begleite ich die wöchentlichen Klassenrat-Stunden.“ Meistens geht es um Themen wie das Gedränge beim Mittagessen. Oder ein Schüler ärgert sich, weil er nie zu Wort kommt.

Manchmal gibt es aber auch schwerwiegendere Probleme. Und wenn sich abzeichnet, dass ein Schüler gemobbt wird, arbeitet die 29-Jährige auch länger mit den Klassen, egal um welchen Jahrgang es sich handelt. Bei der „geheimen Abfrage“ tritt das Problem dann ganz schnell zutage: Wer kriegt besonders viel ab im Schullalltag, will die Sozialpädagogin wissen. Und wenn vielen Kindern der gleiche Name einfällt, geht die Arbeit erst richtig los. „Dann sammeln wir, was schon alles vorgefallen ist. Und häufig kommt so viel zusammen, dass die Kinder richtig erschrecken.“ Viele würden oft gar nicht bemerken, was ihre Mitschüler auszuhalten haben. „Klar, es geht um Sensibilisierung“, bestätigt Kaupert. Und um den richtigen Umgang miteinander. Ärger, Enttäuschung, Wut – für all diese Gefühle finden die Jungen und Mädchen häufig keine Worte. Auch das sei Soziales Lernen.

Zu den Aufgaben von Kollege Carsten Bach gehört es zwar nicht, in die Klassen zu gehen. Allerdings hat er die Möglichkeit, auf Wunsch auch zu den Familien nach Hause zu kommen. „Hier lässt es sich oft viel entspannter reden als in der Schule“, erzählt er. Zu seinen Schwerpunkten gehört die systemische Beratung, dabei steht das einzelne Kind mit seinem gesamten Umfeld im Mittelpunkt: Familie, Sportverein, Freunde.

Deshalb ist es ihm auch wichtig, ein Netzwerk zu bilden und mit anderen Institutionen zusammenzuarbeiten – mit dem Jugendhaus beispielsweise. Für spontane Gespräche steht er aber auf alle Fälle genauso bereit wie Stefanie Kaupert. „Die Kinder entscheiden selbst, mit wem sie reden wollen“, betont er.

Das Kollegium ist auf jeden Fall sehr froh über die Unterstützung, macht Schulleiterin Dekker deutlich. Zwar gab es auch früher ein Beratungsangebot an der EKS, allerdings nur an einigen Vormittagen pro Woche. Dabei müssten die Schulen immer mehr Erziehungsarbeit übernehmen. „Schon alleine, weil die Kinder von morgens bis nachmittags bei uns sind. Das ist wie ein ganzer Arbeitstag.“

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