Bürstadt

Radrennen Sportler und Zuschauer fiebern dem Entega Grand Prix entgegen / Nachwuchs und Amateure messen sich auf der Strecke durch die Bürstädter Innenstadt

„Wir wollen die Profis sehen!“

Archivartikel

Bürstadt.Es ist heißer als heiß. Für gestandene Radsportler allerdings kein Problem. „Der Fahrtwind kühlt. Das geht schon“, bleibt Andreas Schmidt ganz gelassen. Der 48-jährige Darmstädter macht sich gerade fertig fürs Jedermann-Rennen durch die Bürstädter Innenstadt. Logisch, mit seinen Kindern Niklas und Clara bleibt er zum bis Entega Grand Prix am Abend. „Wir wollen die Profis sehen“ – klare Sache für die drei.

Die Fahrer der Tour de France mitten in Bürstadt, so fast zum Anfassen – für viele eine Gelegenheit, die sie sich nicht entgehen lassen wollen. Wie Moritz Czasa aus Lampertheim, der schon fix und fertig für das U 17-Rennen auf seinen Einsatz wartet. Eigentlich ist der Rundkurs für ihn nicht ganz das Gelbe vom Ei.

Stars vor der Haustür

„Ich fahre lieber größere Touren“, erzählt der 16-jährige Lampertheimer. Dennoch: ein Rennen direkt vor der Haustür, und dann noch mit solchen Hochkarätern wie John Degenkolb, Andrè Greipel oder Rick Zabel. „Die sieht man sonst nur im Fernsehen“, freut sich Moritz auf den Abend. Gleich ist er selbst an der Reihe. Was hat er sich vorgenommen? „Vorne mitkommen. Aber das wird schwer.“ Er gehört zum Landeskader Baden-Württemberg, trainiert aber eher auf der Rennbahn im Rudi- und Willi-Altig-Stadion in Manheim als auf der Straße. Daumen drücken ist also angesagt.

Das macht auch Lars Hintzen, der mit Familie und Freunden gespannt das Geschehen auf dem Rundkurs verfolgt. Sein Papa, aber auch seine Trainerin Maggie Ewig, flitzen gerade beim Jedermann-Rennen an ihm vorbei. „Maggie ist überrundet!“, meldet der Junge. „Oje, Papa auch“, seufzt er wenig später. Zu oft darf das nicht passieren, sonst ist man raus, hat er gelernt. Mit dem Radsport kennt sich Lars inzwischen ganz gut aus, in den Ferien hat er sich beim Bürstädter Radsportverein (RV) 03 fit gemacht. Nachher tritt er selbst beim Fette-Reifen-Rennen an. Die Profis will auch er unbedingt sehen. „Wir bleiben auf jeden Fall bis zum Starschuss“, versichert Mutter Carmen Hintzen.

Freibad ist proppenvoll

Bis dahin finden sich auch jede Menge Zuschauer entlang der Strecke rund um den Marktplatz ein. Bei den ersten Rennen füllen sich die Plätze hinter den Absperrungen noch eher zögerlich. „Es ist einfach zu heiß“, seufzt die Mannschaft am Stand des RV 03. Der Verein gehört zu den wichtigsten Unterstützern von Hauptorganisator Algis – „Olek“ – Oleknavicius. Mitstreiter für den Stand zu finden, „das war kein Problem“, winken die Frauen ab. Klar, dass Profi-Rennen wollen sie auf jeden Fall mitverfolgen. „Aber bei 111 Runden, da kann jede mal gucken gehen.“ Oder sich Autogramme holen – ganz wichtig für den Vereinsnachwuchs, betonen die Helferinnen. Für ihren heißen Kaffee finden sich allerdings wenig Abnehmer – für den selbst gebackenen Kuchen dann schon eher.

Entlang der Strecke stehen nur vereinzelt Zuschauer, ähnlich sieht es im VIP-Bereich unter der Markthalle aus. Inzwischen haben sich allerdings erste Schaulustige ihre Plätze nebenan auf der Drayß-Terrasse gesichert und genießen eiskaltes Bier. Am Getränkewagen auf dem Minano-Platz geht es ruhiger zu. „Im Schwimmbad ist es dafür proppenvoll“, hat die bunt gemischte Truppe an den Zapfhähnen festgestellt – alles Freunde des RV-Vorsitzenden Hubert Eberle. Sie halten trotz der Hitze auf jeden Fall die Stellung. „Wir gehen hier nicht weg, die Sicht ist bestens.“ Tatsächlich: Leicht erhöht haben die Helfer den perfekten Blick auf die Bühne.

Zunächst halten sich auch die Meldungen in Grenzen. 17 Amateure nehmen am Jedermann-Rennen teil, nur halb so viele wie bei der Premiere der Radrennen mitten durch Bürstadt im vergangenen Jahr. „Bei der Hitze hab ich’s doch gelassen“, ächzt ein weißbärtiger Sportler, der aus Lorsch angeradelt kam und sich eigentlich ins Feld mischen wollte. „Der Fahrtwind war mir schon zu heiß“, sagt er grinsend – und schaut lieber zu. Dafür ist später bei den Kindern jede Menge los. Vor allem beim Laufrad-Rennen, für das John Degenkolb Pate steht. Der Ansturm zaubert den Veranstaltern ein Strahlen aufs Gesicht. „Wir haben kurz zuvor sogar Meldungen aus Mainz bekommen“, freuen sie sich.

Amateur Andreas Schmidt freut sich auch. Er hat den dritten Platz geschafft. Und am Abend steht er mit seinen Kindern mitten in der Menge und sieht den Profis zu.

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