Bürstadt

Kulturbeirat Jochen Malmsheimer im Bürgerhaus

Wortakrobat begeistert Bürstadt

Archivartikel

Bürstadt.„Dogensuppe Herzogin – ein Austopf mit Einlage.“ Wenn ein Kabarettist einen Namen für sein Programm wählt, ist dieser oft naheliegend, manchmal auch irreführend. Bei Jochen Malmsheimer ist das traditionell anders. Parallelen zwischen Titel und Inhalt sind bei dem 52-Jährigen gänzlich nicht festzustellen. Im Bürstädter Bürgerhaus gab er jetzt mit seinem Programm „Ermpftschnuggn trødå – hinterm Staunen kauert die Frappanz!“ ein weiteres Mal eine Kostprobe seines Könnens und begeisterte sein Publikum mit einer unfassbar komischen Kombination aus komplizierter Syntax und verstörenden Aussagen.

Abstruse Vorstellungen

„Gestatten Sie mir, Ihre offensive Fröhlichkeit mit etwas Melancholie zu löschen“, ist seine Einstellung, wenn er vors Publikum tritt. Es folgt ein literarischer Erguss oder ein vor Fremdwörtern strotzendes Satzgebilde folgt. Die Abrichtung von Bisamratten zur Postbeförderung? Keine Vorstellung ist zu abstrus, um nicht mit komplizierter Grammatik geschmückt zu werden. Und alles klingt wie Literatur von Weltrang: „Frühling hat sein blaues Band wieder einmal so verspannt, dass zehn Prozent der Welt ständig auf die Fresse fällt.“ Leggins werden zur Schenkelpelle, wenn die Freiluftsaison zur Kleidungsreduktion einlädt. Eine Einladung, die so mancher Zeitgenosse besser ausgeschlagen hätte.

Mit ernster Miene

Malmsheimer gibt dem Begriff „Bierernst“ eine völlig neue Dimension. Martialisch dreinblickend geht kein Lächeln über sein Gesicht, wenn er seine Zuhörer von einem Lachkrampf zum nächsten befördert. Doch einige im Saal wagen es kaum, sich dem Gelächter zu ergeben, denn der Wortschwall des Esseners ist so kunstvoll wie schnell. Und wer Zeit in emotionale Ausbrüche investiert, läuft in Gefahr, die nächste verbale Stilblüte zu verpassen.

„Ich komme aus dem Ruhrgebiet und nirgendwo wird deutlicher, dass Strukturwandel vor allem auf weiblichen Oberschenkeln stattfindet“, gibt er sich gerne auch mit Äußerlichkeiten ab, die ihm negativ ins Auge stechen. Aus Solarien werden Melanominkubatoren, aus tätowierten Arschgeweihen keltische Steißgravuren. Wortschöpfungen sind eben eine weitere Spezialität.

Als der Wortakrobat am Ende angelangt ist, ist es das Publikum auch. Konzentriert lauschte es Malmsheimer und musste so manche Malträtierung des Zwerchfells ertragen. Dem Applaus nach zu urteilen hat es sein Kommen aber nicht bereut.

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