Bürstadt

Unternehmerin Bobstädter Frisörin Inge Stumpf hält im Salon die Stellung – doch wegen der Corona-Krise darf sie nicht weitermachen

„Zwei Wochen kann man überbrücken“

Bobstadt.Inge Stumpf hat in ihrem Frisörsalon in der Holländerstraße gearbeitet, bis sie wegen der Corona-Krise nicht mehr durfte. „Ich hab’ mir schon gedacht, dass die Schließung verordnet wird, und wollte sowieso freiwillig zu lassen.“ Am Samstag hat sie ein Schild rausgehängt, dass sie bis auf Weiteres nicht mehr öffnet. Die 72-Jährige ist längst in einem Alter, in dem sie in den Ruhestand gehen könnte. Sie hält den Laden trotzdem noch an drei Tagen in der Woche – von Donnerstag bis Samstag – offen. Und weil sie viele Stammkunden hat und diese alle gleich informieren wollte, hat sie die Nachricht über WhatsApp an viele weitergeschickt.

Schnell noch einen Termin

„Und prompt kamen die Anrufe. Viele wollten gleich noch einen Termin“, berichtet sie lachend. Und dann hat sie zusammen mit ihrer Mitarbeiterin, Frisörin Vera Bayer, bis nachmittags gegen 15 Uhr gearbeitet, obwohl sie eigentlich regulär bis 12 Uhr da gewesen wäre.

Bis jetzt ist die Schließung für die nächsten 14 Tage vorgesehen. Dann wird die Situation neu bewertet. „Die zwei Wochen kann man überbrücken. Wenn die Frisur nicht mehr sitzt, müssen wir uns halt anpassen und Kopftücher tragen“, witzelt Inge Stumpf.

In den vergangenen Tagen hat sie mit Mundschutz gearbeitet. Sie war ganz nah dran an den Kunden, weniger als der derzeit vorgeschriebene Mindestabstand. „Ich kann meine Arme ja nicht auf einen Meter verlängern. Und Angst hab’ ich keine“, sagt sie lachend.

Sie hat alles getan, was ein Frisör tun kann: Schere und Kämme gründlich abgewischt und desinfiziert, auch im Salon gab es genügend Desinfektionsmittel zum Abwischen der Oberflächen und für die Hände. Und die Stühle stehen weit genug auseinander. „Wir haben darauf geachtet, die Leute nicht direkt nebeneinander zu setzen, falls wirklich mehrere gleichzeitig kommen. Schon wenn sie sich telefonisch ihren Termin geholt haben, hab’ ich sie zeitlich über ganzen Tag verteilt,“ erzählt Inge Stumpf. Viele hatten auch darum gebeten, dass außer ihnen niemand im Laden ist.

Auch im Salon drehte sich alles um das Virus. In den Gesprächen mit den Kunden, im Radio, das im Hintergrund läuft. Karin Maas ließ sich am Freitag noch die Haare schneiden. Sie ist Mitglied im Künstlerverein, der ja gerade die Osterausstellung abgesagt hatte: „Die einzig richtige Entscheidung“, findet die Künstlerin immer noch.

Bei Inge Stumpf ist noch ein weiteres Thema wichtig. Sie wollte eigentlich für ihre Mitarbeiterin Kurzarbeitsgeld beantragen, damit sie nicht vollständig ohne Verdienst dasteht. Deswegen hat sie ihren Steuerberater angerufen.

„Der hatte eine gute und eine schlechte Nachricht.“ Sie selbst ist vorerst von der Sozialversicherung freigestellt, aber ihre Mitarbeiterin sei als ‚Minijobber‘ nicht berechtigt, Kurzarbeitsgeld zu beziehen. Die Chefin hat allerdings vor, ihr dennoch ein Gehalt zu zahlen. Denn sie will nicht, dass die junge Frisörin, die schon im Salon in der Holländerstraße gelernt hat, komplett auf den Verdienst verzichten muss.

„Es ist derzeit eine blöde Situation. Es gab in den letzten Wochen schon vermehrt Absagen. Die haben sich bereits bemerkbar gemacht“, meint Inge Stumpf. Obwohl sie eigentlich für ihre Kunden so lange wie möglich offen haben wollte, hat sie sich mit der Entscheidung der Bundesregierung abgefunden. „Es ist schon besser so, dass der Salon geschlossen ist. Ich habe vollstes Verständnis dafür“, seufzt sie.

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