Groß-Rohrheim

Verwaltung Bettina Finger wird neue Standesbeamtin in Groß-Rohrheim / Lehrgang in Bad Salzschlirf folgt im Oktober

Aufregung vor erster Trauung

Groß-Rohrheim.Liebe, Partnerschaft, Zweisamkeit und irgendwann ist er da: Nicht immer und bei allen Paaren, doch bei vielen kommt irgendwann der Punkt, an dem man sich entscheidet, gemeinsam durchs Leben zu gehen – amtlich beglaubigt und verbunden mit einem festen Ja-Wort. Dann ist er da, der „schönste Tag des Lebens“. So zumindest sagen es Brautpaare immer wieder. Vielleicht nur gleichzusetzen mit der Geburt eines Kindes. Doch in unserem Bericht geht es um die Hochzeit.

Vor einer möglichen, heute allerdings nicht mehr selbstverständlichen, kirchlichen Trauung steht zuerst die standesamtliche. Dazu gehen die Heiratswilligen in ihr zuständiges Rathaus, um dort dann mit dem Standesbeamten alles zu besprechen und sich danach trauen zu lassen.

In der Gemeinde Groß-Rohrheim sind diese Personen derzeit Bürgermeister Rainer Bersch oder Irmtraud Preisinger. Beide haben die Befähigung ein Paar offiziell zu trauen. Preisinger wird allerdings im Frühjahr des kommenden Jahres in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Da Standesbeamte nicht so einfach zu finden sind, hatte die Gemeinde Groß-Rohrheim rechtzeitig eine Stelle für diese Position ausgeschrieben. Gefunden hat man schließlich Bettina Finger.

Die gelernte Bankkauffrau ist eine Quereinsteigerin. Nach Abitur und Lehre sowie mehrjähriger Laufbahn bei der Sparkasse Groß-Gerau und einem Abstecher ins Sekretariat des Gernsheimer Gymnasiums entschloss sich die 37-jährige, sich auf die ausgeschriebene Stelle zu bewerben. Auch wenn sie keine Verwaltungsangestellte ist, lässt sich der Job als Standesbeamte lernen.

Einarbeitung läuft

„Auch ich habe diesen zweiwöchigen Lehrgang vor zehn Jahren gemacht“, sagte Bürgermeister Rainer Bersch im gemeinsamen Gespräch mit Bettina Finger und unserer Zeitung. Derzeit lernt die 37-Jährige noch ihre zukünftige Tätigkeit, schaut der Groß-Rohrheimer Standesbeamtin über die Schulter und hospitiert bei Trauungen. „Uns war es wichtig, hier rechtzeitig jemanden zu finden und einzuarbeiten, denn neben der eigentlichen Trauzeremonie muss sich ein Standesbeamter ja auch vorbereiten. Und es gilt im Vorfeld viele Fragen zu klären“, ergänzt Bersch. Wer sich traut, braucht die dafür notwendigen Papiere und Urkunden. Das ist überall so. „Eine Meldebescheinigung, einen Personalausweis und einen beglaubigten Auszug aus dem Geburtenregister“, fügt Bettina Finger spontan an. Doch das gilt für die ganz einfache Situation: Zwei volljährige, kinderlose und bislang ledige Personen mit einem deutschen Ausweis. War eine Person schon mal verheiratet, gibt es minderjährige Kinder oder kommt eine oder stammen beide Personen aus dem Ausland, wird es schon wesentlich komplizierter – und es dauert länger.

Heute muss keiner mehr ein Aufgebot bestellen, und zweier Trauzeugen bedarf es ebenfalls nicht mehr. All dies und vor allem die vielen rechtlichen Fragen wird die neue Standesbeamtin, die zunächst eine halbe Stelle in der Verwaltung übernimmt, im Oktober in einem zweiwöchigen Crashkurs in Bad Salzschlirf erlernen. Und natürlich auch, wie man die richtigen Worte findet. Denn jede Einleitung der Rede ist bei jedem Brautpaar – mit Ausnahme des bekannten Finales, bei dem beide laut und deutlich „Ja“ sagen sollten – individuell. Und genau diese Individualität ist es auch, die Bettina Finger dazu veranlasst hat, den Job zu wechseln. „Ich wollte das eigentlich schon immer machen“, sagt sie. Selbst hat sie auch schon Ja gesagt – vor Jahren dem Vater ihres Kindes.

„Jede Trauung ist anders. Es sind ja immer wieder andere Menschen, die da vor mir sitzen. Genau das macht es ja so spannend und interessant.“ Aber auch das Emotionale dieser so wichtigen Zeremonie sei ein Grund dafür, sich für dieses Amt zu entscheiden.

Bettina Finger, die im Nachbarort Klein-Rohrheim wohnt, weiß jetzt schon, dass sie bei ihrem ersten Mal – das wird vermutlich im Januar oder Februar sein – enorm nervös sein wird. „Ich kann Sie da beruhigen“, wirft Bürgermeister Bersch ein. „Die auf der anderen Seite des Tisches sitzen, sind noch viel aufgeregter.“

Neben den Trauungen muss sich die neue Mitarbeiterin der Verwaltung auch um die Bearbeitung von Sterbefällen kümmern. Etwa 20 Hochzeiten stehen in Groß-Rohrheim pro Jahr rein statistisch etwa 40 bis 50 Sterbefällen gegenüber.

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