Groß-Rohrheim

Bürgermeisterwahl Gespräch mit dem Amtsinhaber und Kandidaten über seine Schwerpunkte

Bersch will stabile Finanzen und Platz für junge Familien

Groß-Rohrheim.Rainer Bersch (SPD) tritt zum dritten Mal zur Wahl des Groß-Rohrheimer Bürgermeisters an. Nachdem wir die Schwerpunkte von Herausforderer Sascha Holdefehr vorgestellt haben, sprechen wir hier mit dem Amtsinhaber über seine drei wichtigsten Themen beziehungsweise Ziele für Groß-Rohrheim. „Eigentlich sind es vier Themen“, sagt er. Das werden wir hinkriegen.

Stabiler Etat: Rainer Bersch nennt einen zuverlässigen Haushalt der Gemeinde als ersten Schwerpunkt. Er stelle die Basis für das gesamte kommunale Handeln dar, sagt er. Ein Stück weit sei er auch das Mittel, um Weichen für die Zukunft zu stellen. Dabei schränkt der Bürgermeister ein, dass der Etat einer Kommune immer auch von vielen Unwägbarkeiten abhänge – was dann die tatsächliche Abrechnung am Ende eines Haushaltsjahres betreffe.

Bersch nennt Faktoren, die meist auf internationalem Parkett spielen, aber bis in die Städte und Gemeinden hineinwirken: Eurokrise, Lehmann-Pleite und der Brexit etwa. Was die Konjunktur drücke, spüre die Gemeinde bei den Gewerbesteuern, der Einkommenssteuer oder dem Anteil an der Umsatzsteuer. Die Gewerbesteuer sowie die Grundsteuern A und B könne die Gemeinde allenfalls über Erhöhungen beeinflussen. Aber das sei schwer vermittelbar, sagt Bersch.

Dass der Amtsinhaber ausgerecht die Bedeutung eines stabilen Haushalts für die Gemeinde herausstellt, darf den politischen Beobachter wohl wundern. Haben die politschen Gegner, SPD und Freie Wähler, doch seinen Entwurf für 2020 zurückgewiesen. SPD? Politischer Gegner? Ja. Aber das ist eine lange Geschichte. Hauptgrund für die Verweigerung der Zustimmung waren die knapp 500 000 Euro für den Anbau bei der Feuerwehr, die Bersch nicht in den Etat geschrieben hatte (wir berichteten).

Nun werde er den Anbau im Haushalt für 2020 gar nicht mehr berücksichtigen, kündigt Bersch an, sondern nur noch die Planungskosten. Er habe zunächst nicht gewusst, dass auch ein Anbau – und nicht nur komplette Neubauten – förderungsfähig sei. Über einen entsprechenden Antrag sei jetzt erst einmal politisch zu entscheiden.

Bezahlbarer Wohnraum für junge Familien: Es sei enorm wichtig, sich um die alten und hilfsbedürftigen Menschen in der Gemeinde zu kümmern, und darauf sei auch in Zukunft zu achten, betont Rainer Bersch. Genauso wichtig aber seien ihm junge Familien. „Die jungen Menschen erhalten die Gemeinde“, sagt er. Weil die Gemeinde jungen Familien nicht ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu bieten habe, gingen viele weg aus Groß-Rohrheim, das habe auch schon die Feuerwehr zu spüren bekommen. Oder sie kämen erst gar nicht.

Er sei jetzt seit zwei Jahren an diesem Thema dran, sagt Bersch. Auf die Frage nach dem Erfolg sagt er: „Leider ohne Erfolg.“ Er setze auf das Neubaugebiet Bibliser Weg III. Bis zu 74 Bauplätze solle es hier geben; es seien auch Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser vorgesehen. Er hoffe, dass bis Ende des Jahres die ersten Bauplätze vergeben werden können.

Digitalisierung: Dieses Stichwort gehe mit dem vorgenannten einher, sagt Bersch. Denn immer wenn sich junge Familien für Groß-Rohrheim als neuen Wohnort interessierten, würden sie auch nach der Netzleistung fragen. „Das ist heute ein enorm wichtiges Kriterium.“ Bis zu den Verteilerkästen in den Straßen sei bereits Glasfaser verlegt. Dass das EWR diese Leistung auf eigene Kosten übernommen habe, schreibt Bersch nicht zuletzt seinem Engagement zu. Andere Anbieter hätten eine Menge Geld verlangt.

Nun gelte es, „die letzte Meile“ auch noch von Kupfer auf Glasfaser umzurüsten, erklärt der Amtsinhaber. Damit ist der Weg vom Verteilerkasten ins Haus gemeint. Darüber sei er mit dem EWR im Gespräch. „Aber wir sind da ganz am Anfang. Natürlich müssen wir zuerst wissen, was es kostet.“

Außerdem: Rainer Bersch will sich für die „Gemeindeschwester 2.0“ stark machen. Das Landesprogramm würde mit 7,5 Millionen Euro gefördert; bis 2024 zahle Wiesbaden einen Zuschuss zum Entgelt. Die Gemeindeschwester soll nach Berschs Vorstellungen bei problematischen Situationen alter Menschen helfen und der Vereinsamung entgegenwirken. Sein Motto: „Altwerden mit Qualität.“ Groß-Rohrheim könne sich eine solche Stelle nicht alleine leisten. Deshalb suche er Partner unter den Nachbarkommunen.

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