Groß-Rohrheim

Ackerbrand Anwohner in Groß-Rohrheim schützen Hab und Gut mit dem Gartenschlauch / Feuerwehr zeigt sich zufrieden mit dem Einsatz am Montag

„Das war echt der Horror“

Groß-Rohrheim.Helga Mohler wollte gerade die Johannisbeeren im Garten zupfen, als sie gesehen hat, wie es anfängt zu brennen. „Vom Feldweg drüben hat es sich ausgebreitet – in Windeseile ging das!“ Sie hat sofort ihren Mann gerufen, der die 112 gewählt hat. „Ich habe gleich gesagt, dass wir direkt am Ortsrand wohnen und das Feuer auf die Häuser übergreift, wenn nicht schnell etwas passiert“, sagt Herbert Mohler. Beide schütteln den Kopf, wenn sie an den schrecklichen Brand am Montag auf dem Stoppelfeld direkt vor ihrem Grundstück denken.

„Das war echt der Horror“, sagt Helga Mohler mehrmals. „Ich habe keine Haare mehr an den Beinen“, meint ihr Mann. „Vom Feuer versengt.“ Er muss lachen. Dabei ist ihm nicht so recht danach. Denn die beiden sind sich sicher: Das war haarscharf. „Wenn er nicht die ganze Zeit gewässert hätte mit dem Gartenschlauch, hätte das Feuer übergegriffen“, sagt Helga Mohler.

„Meine Nachbarin hat gesagt, ich soll aufhören, ich würde mir noch eine Rauchvergiftung holen“, erzählt Herbert Mohler weiter. Aber er ist mit seinem Gartenschlauch trotzdem stehen geblieben. „Erst hatten wir ja Ostwind, aber plötzlich hat sich der Wind gedreht, und das Feuer kam wie eine Wand direkt auf uns zu“, erzählt seine Frau weiter.

Die Feuerwehr sei gar nicht zu ihnen in die Wilhelm-Leuschner-Straße gekommen. „,Der Schlauch ist zu kurz’, haben uns die Feuerwehrmänner herübergerufen. Dabei haben wir doch einen Hydranten in der Straße. Sie hätten nur einen Schlauch durch den Garten der Nachbarn legen müssen!“ Groß-Rohrheims Gemeindebrandinspektor Rainer Donnerstag kann dazu nichts sagen: „Davon höre ich zum ersten Mal.“ Sein Team habe in der Freiherr-vom-Stein-Straße gestanden und die Gärten geschützt. Denn das Feuer sei, als sie ankamen, bereits an der Leuschner-Straße vorbei gewesen. Über die Aussage, ein Schlauch sei zu kurz, muss Donnerstag lachen: „Wir haben drei Kilometer Schlauch dabei, das würden wir nie sagen.“

Feuer lockt viele Neugierige an

Klar ist laut Donnerstag, dass die Hauseigentümer auch gesetzlich verpflichtet sind, mitzuhelfen. Dazu habe die Groß-Rohrheimer Wehr die Anwohner in der Freiherr-vom-Stein-Straße auch ausdrücklich aufgefordert. „Es lagerte auch jede Menge Brennholz in den Gärten. Das hat sich zum Glück nicht entzündet.“

Rainer Donnerstag ist sehr zufrieden mit dem Großeinsatz, an dem sich auch Kollegen aus Biblis, Wattenheim, Nordheim, Bürstadt, Lampertheim, Hofheim und Lorsch beteiligt haben. „Das ist top gelaufen. Wir haben es gemeinsam mit einem massiven Wasserangriff geschafft, das Feuer aufzuhalten, damit es nicht über die Bundesstraße läuft.“

Für Helga und Herbert Mohler stellt sich das anders dar. Ihr Kirschbaum ist zum Feld hin ganz braun von der Hitze der Flammen. „Man kann von Glück sagen, dass wir zu Hause waren“, meint er. Mohler war mit seiner Frau im Rathaus, um zu fragen, wo sie Schäden melden können. Denn in ihren Wintergarten dringe seit Montagabend Feuchtigkeit ein. Sie führen es auf die große Hitze zurück.

Geärgert haben sie sich auch über die vielen Gaffer. „Bei uns in der Straße stand plötzlich alles voll: mit dem Auto und dem Rad kamen die Leute, um sich den Brand anzusehen“, sagt Helga Mohler. Sie hofft nun, dass der Landwirt bald kommt, und die Asche unter die Erde grubbert. „Wir können nachts nicht lüften. Der Wind trägt die Asche weg, dann liegt wieder dieser Brandgeruch in der Luft.“ Landwirt Volker Christmann aus Nordheim verspricht, das bald zu machen. Er war selbst geschockt vom Feuer auf seinem Acker – und ist wie alle anderen froh, dass er die Wintergerste bereits vor zehn Tagen gedroschen hat. Die Brandursache ist nach wie vor unklar.

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