Groß-Rohrheim

Haupt- und Finanzausschuss Beratung über Waldwirtschaftsplan

„Dem Groß-Rohrheimer Wald geht es sehr schlecht“

Archivartikel

Groß-Rohrheim.Sehr schlechte Nachrichten bekamen die Mitglieder des Groß-Rohrheimer Haupt- und Finanzausschusses während der jüngsten Sitzung zu hören. Den Zustand des gemeindeeigenen Waldes bezeichnete Forstamtsleiter Ralf Schepp als „dramatisch“. Der Forstdirektor war aus Lampertheim zur Sitzung gekommen, um über den Zustand des Waldes zu berichten und die neuesten Zahlen zum Wirtschaftsplan vorzulegen.

Schepp hatte eine Statistik der vergangenen acht Jahre mitgebracht. Darin zeigte sich, dass der Wald bis auf die Jahre 2014 und 2018 ein positives Ergebnis im Verhältnis Einnahmen zu Ausgaben erbracht hatte. In den Jahren 2015, 2017 und 2019 sogar im fünfstelligen Bereich – zumindest was den Ertrag beim Holzverkauf betrifft.

Zahlen trügen

„Doch diese Zahlen trügen. Sie sind das Ergebnis eines verstärkten Holzeinschlages und Verkaufs. Da haben wir versucht zu retten, was zu retten ist“, sagte Schepp. Im vergangenen Jahr war der Holzeinschlag enorm hoch und erbrachte ein Plus von 28 000 Euro. Lediglich der Förderung durch das Land Hessen aber sei es zu verdanken gewesen, dass der Gemeinde dennoch kein Minus entstand. Schepp: „Wir mussten so viele Bäume schlagen, da sie krank oder kaputt waren. Betroffen sind übrigens alle Bestände im Groß-Rohrheimer Wald.“

„Am schlimmsten betroffen“

Drei trockene Jahre in Folge, der Klimawandel und die Grundwasserabsenkung haben dem Groß-Rohrheimer Wald so zugesetzt, dass er in dieser Form nicht mehr zu retten sei. Nach Angaben von Ralf Schepp ist der Wald der Riedgemeinde am schlimmsten betroffen von allen betreuten Wäldern des Forstamts Lampertheim in Südhessen.

„Das hat mit der hiesigen Bodenbeschaffenheit zu tun. Der war früher reichlich nass. Heute ist im oberen Bereich bis zwei Meter Tiefe alles trocken“, fand der Forstamtleiter hier klare Worte und sorgte in der Runde beinahe für Entsetzen. Dadurch, dass der Wald stirbt, sind die Mitarbeiter von Hessen Forst zuletzt fast ausschließlich mit Verkehrssicherungsmaßnahmen beschäftigt. Sie müssen an Waldwegen tote Bäume beseitigen, um ihrer Verantwortung gegenüber den Waldbesuchern nachzukommen.

Die Tage vieler Eichen, Buchen, Fichten und Kiefern im Groß-Rohrheimer Wald seien also gezählt. Jetzt gelte es, andere Sorten anzupflanzen – nur so lasse sich der Wald retten, wie Schepp erklärte. Das habe man in Teilen bei Anpflanzungen auch schon getan.

Doch dieser Umbau kostet Geld. 2020 bedeutet das für die Gemeinde, dass im Waldwirtschaftsplan mit einem Minus in Höhe von 6000 Euro zu rechnen ist. Gepflanzt werden jetzt vor allem Bäume, die der Trockenheit und dem Klimawandel eher standhalten können wie Kirsche, Winterlinde oder Spitzahorn. Vor Exoten wie beispielsweise dem Eukalyptusbaum warnt Schepp. Man wisse nicht, wie diese sich in die bestehende Fauna und Flora integrieren. Es könnte durchaus auch sein, dass sie andere Arten verdrängen.

Auf die Frage, ob es nicht Sinn macht, den Wald zu bewässern, sagte Schepp: „Das ist technisch machbar. Im Gernsheimer Wald ist ein solches Projekt mit Infiltration geplant.“ Doch das bedeute Kosten in zweistelliger Millionenhöhe, bislang will niemand diese Kosten tragen.

Der Waldwirtschaftsplan wurde vom Ausschuss einstimmig zur Annahme empfohlen, das letzte Wort hat das Gemeindeparlament.

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