Groß-Rohrheim

Rathausscheune „Bees denäwe“ begeistern mit Comedy und Konzert in einem / Mission: Rettung der Mundart

Duo lässt Dialekt hochleben

Archivartikel

Groß-Rohrheim.Verbale Hausmannskost im positiven Sinne bekamen die Zuschauer in der Groß-Rohrheimer Rathausscheune geboten. Dort gastierte ab 20 Uhr das Leerheimer Duo „Bees denäwe“ und tat das, was es am besten kann: für gute Stimmung sorgen.

Franz Offenbecher und Klaus Lohr legten einen Auftritt hin, für den der Begriff „Konzert“ zu kurz greift. Musik steht natürlich auch im Fokus ihres Programms, aber nicht nur. Weil sie nicht wissen, wie lange die Energie reicht, beginnen sie mit der Zugabe und so ist „Leider müssen wir nun gehen“ die erste gesungene Textzeile des Abends.

Urgesteine aus dem Ried

Die Urgesteine des Rieds befürchten den Untergang der Dialekte und haben es sich zur Aufgabe gemacht, dieser Entwicklung entgegen zu wirken. In der mit 150 Zuschauern ausverkauften Scheune haben sie damit hörbar Erfolg. Sie geben quasi einen Kurs für Ausländer und „Leute aus dem Neubaugebiet“, denn es gibt einfach Worte, die jeder im Ried kennen muss. Also aufgepasst: Ein „Strippser“ ist jemand der klaut, ein „Stoppler“ sammelt übrig gebliebene Feldfrüchte ein, ein „Hoschpes“ ist ein Depp und mindestens eine „Kruschdschublad“ gehört in jeden anständigen hessischen Haushalt.

Die beiden Künstler geben sich sichtlich entspannt – nur eine Sache bringt sie zur Raserei, was sich dann in dem Lied „Handyglotzer“ niederschlägt. Menschen die ihr Leben auf einer digitalen Plattform verbringen und jeden Mist auf Facebook posten, sind ihnen ein Graus. Als Ausgleich für soviel ungewohnte Aggression widmen sie ihr nächsten Stück der Liebe auf dem Land. Ruhig und romantisch geht es da zu, das Kennenlernen findet auf der heimischen Scholle statt. Die Beziehungen muten nach außen hin einfach an, halten aber. Eine niedrige Scheidungsrate im ländlichen Raum dient als Beweis.

Gerne erzählen die Musiker Anekdoten aus dem täglichen Leben, die so passiert sind oder zumindest hätten passieren können. Der langjährige Frisör, der eigentlich Metzger gelernt hat und nebenbei Schnaps brennt, mutet plausibel an. Dass der missratene Haarschnitt des Vaters zur Nebensache gerät, auch.

Die als „Bambelkapp“ besungene Bommelmütze hat bei einem Mitbürger schicksalsträchtige Dimension, da sie die Luftzirkulation auf dem Kopf verhindert, was dessen intellektuelle Entwicklung entscheidend beeinträchtigt. Alles klingt irgendwie lustig. Sogar die Bestattung der Leiche eines Fährmanns, im Altrhein bei Niedrigwasser, provoziert Lachsalven.

Ihre Mission stößt in Groß-Rohrheim auf fruchtbaren Boden. Am Ende der Vorstellung gibt es tosenden Beifall und alle sind sich einig: Der Dialekt des Ried muss gerettet werden. jkl

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