Groß-Rohrheim

Evangelische Kirchengemeinde Feierliche Eröffnung in Groß-Rohrheim mit Danksagung, Musik und Gesang / Gute Zusammenarbeit mit katholischer Gemeinde

Erster Gottesdienst nach fast vier Jahren

Groß-Rohrheim.„Sie haben nun eine wundervolle ‚neue‘ Kirche. Schonen Sie diese bitte nicht, sondern nutzen Sie sie“, sagte lächelnd Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau beim Festgottesdienst zur Wiedereröffnung des sanierten Gotteshauses in Groß-Rohrheim. Nun hieß es, die Kirche wieder mit Leben zu füllen. Beim Festgottesdienst unter dem Motto „Machet die Tore weit!“ blieb kein Platz frei. Die Bürger strömten in die Kirche.

Der zweieinhalbstündige Gottesdienst war gespickt mit reichlich Musik und Grußworten. Gut dreieinhalb Jahre war die evangelische Kirche wegen intensiven Sanierungsarbeiten gesperrt. Nun bekamen die Besucher das sanierte Gesamtkunstwerk zu sehen und staunten. Allen fiel das helle, leicht und luftig wirkende Ambiente des Gotteshauses auf, verwirklicht durch ein neues Lichtkonzept. Dieses stellt das frisch restaurierte Deckengemälde in den Fokus.

„Noch sind wir nicht ganz fertig mit der Sanierung, die Orgel muss heute noch ohne Pedal gespielt werden“, erklärte Pfarrer Martin Müller. Doch dies trübte die Freude nicht. Endlich werde in der eigenen Kirche wieder Gottesdienst gehalten. Pfarrer Müller dankte der katholischen Kirchengemeinde, deren Gotteshaus die evangelische Gemeinde während der Bauzeit nutzen durfte. „Hieraus ist eine gute Zusammenarbeit entstanden und die Ökumene im Ort zu neuem Leben erwacht“, stellte Ursula Schmitt als Vertreterin der katholischen Kirchengemeinde fest.

Besuch aus New York

Pfarrer Müller und Rosemarie Krauß, Vorsitzende des Fördervereins zum Erhalt der evangelischen Kirche, dankten allen Spendern, die sich unter dem Motto „Wir alle tragen die Kirche“ für das Wahrzeichen des Ortes überkonfessionell eingesetzt haben. Beispielhaft für alle Spender wurden Lilly und Paul Nester genannt. Sie ist die Enkelin von Pfarrer Philipp Körbel, der von 1913 bis 1932 als Pfarrer in Groß-Rohrheim tätig war. Ebenso erinnerte Krauß an die 20 000 Dollar, die von Friedrich Ulfers aus New York gespendet wurden, der Mitte Dezember Groß-Rohrheim besuche möchte. „Insgesamt kamen 100 000 Euro an Spenden zusammen“, berichtete Krauß begeistert. Die Gesamtkosten der Sanierung belaufen sich auf rund 1,5 Millionen Euro.

Kirchenpräsident Jung beglückwünschte die Groß-Rohrheimer für diesen Zusammenhalt und die Gemeinschaftsleistung. Die Kirche sei verbunden mit Erinnerungen, Zeremonien, Tatkraft, Mut und Menschen. Er beantwortete auch die Frage, was Glaube bedeutet, nämlich Halt, Orientierung und Hilfe in schweren Zeiten. Der Glaube gebe die Richtung an, was gut für einen selbst und für andere ist. Mitmenschlichkeit sei gefragt, ausgedrückt in Respekt und Empathie für ein gutes Miteinander.

Architektin Iris Schäfer erinnerte an den Ablauf und Umfang der Sanierung. „Vor acht Jahren und 304 Tagen stand ich zum ersten Mal hier in der Kirche.“ Damals noch mit Pfarrer Konrad Knolle, der jetzt in Ruhestand ist und mit seiner Frau Flois Knolle-Hicks zur Wiedereröffnung aus Berlin angereist war. Ebenso war dessen Vorgänger Pfarrer Hans Peters a.D. zu Gast.

Schäfer berichtete, dass es damals nur um ein paar einfache Renovierungssachen gegangen sei. „Nach den ersten Untersuchungen wurde aber klar: Eine große Sanierung steht an“, erzählt sie. Erschwerend kam hinzu, dass die Turmstützen die Last nicht mehr tragen konnten. Im März 2016 wurde die Kirche wegen Einsturzgefahr geschlossen. Ein Schock für die Gemeinde.

Schäfer wollte nicht alle Sanierungsschritte aufzählen, sie verwies auf eine zeitnahe separate Informationsveranstaltung zu allen Sanierungsarbeiten nebst Kosten und Finanzierung. Die Architektin dankte allen Handwerkern, Restauratoren und beratenden Kollegen aus den entsprechenden Gremien. Ebenso dankte sie dem engagierten Kirchenvorstand, Pfarrer Müller sowie dem Förderverein.

Dass die Kirche stets mit Musik verbunden war, zeigte sich beim Festgottesdienst, der von der Rohrheimer Blasmusik, Mitgliedern der Groß-Rohrheimer Chöre, Solisten und Instrumentalisten sowie vom Flötenensemble und dem evangelischen Kirchenchor mitgestaltet wurde. Der Kirchenchor sang die anspruchsvolle Kantate von Georg Philipp Telemann „Machet die Tore weit!“. Die musikalische Gesamtleitung übernahm Ulrike Wollny. Gelegenheiten zu Grußworten nahm der Dekan des Evangelischen Dekanats Bergstraße, Arno Kreh, wahr. Ebenso taten dies Ursula Schmitt für die katholische Kirchengemeinde, Pfarrer Konrad Knolle a.D., Birgit Heitland, CDU-Abgeordnete im Hessischen Landtag, Landrat Christian Engelhard sowie Bürgermeister Rainer Bersch. Im Anschluss an den Gottesdienst fand noch ein Sektempfang statt.

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