Groß-Rohrheim

Fatale Sprachlosigkeit

Archivartikel

Martin Schulte zur Politik in Groß-Rohrheim

Vor den Augen der Groß-Rohrheimer spielt sich ein politisches Drama ab, wie es seines Gleichen sucht. Die gemeinsame Vergangenheit von SPD und Rainer Bersch, dem unabhängigen Bürgermeister mit SPD-Parteibuch, war nie ganz einfach. Erst tritt Bersch vor zwölf Jahren gegen Karsten Krug, den offiziellen Bürgermeister-Kandidaten der SPD, an – und gewinnt. Sechs Jahre später scheinen die Wunden großteils geheilt: Die SPD unterstützt Bersch bei dessen zweiter – erfolgreicher – Bewerbung. In der Folge baut sich immer wieder Spannung auf zwischen Fraktion und Bürgermeister. Bis zum großen Knall: Die SPD stellt für die Wahl im März einen unabhängigen Mann auf. Sie unterstützt Sascha Holdefehr nicht nur, sie stellt ihn auf. Das hat besondere Qualität. Es heißt: Rainer Bersch ist für uns Geschichte. Nein, die Wunden von 2008 sind eben nie so ganz verheilt.

Beide Seiten erklären heute jeweils, sie hätten stets das Gespräch angeboten, der andere habe es nicht gewollt. Es ist über die Jahre womöglich zu viel passiert. Mit Sicherheit aber wurde viel zu wenig darüber geredet. Mit Blick auf das Ergebnis eine fatale Sprachlosigkeit. Darin könnte eine Erklärung für das Groß-Rohrheimer Desaster zu finden sein. Eine vielleicht verkorkste Neujahrsansprache und ein Shitstorm, der ehrenamtliche Politiker als raffgierig anprangert? Vorgänge dieser Gewichtigkeit reichen indes kaum zur Rechtfertigung des großen Scheiterns, das die SPD und ihr Bürgermeister den Wählern zumuten.

 
Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional