Groß-Rohrheim

Festtag Nach fast vierjähriger Sanierungszeit feiert die evangelische Kirchengemeinde am 1. Dezember wieder einen Gottesdienst in der eigenen Kirche

Gotteshaus steht bald wieder offen

Groß-Rohrheim.„Unser Slogan heißt: Wir alle tragen die Kirche. So ist es auch und nun kann unsere evangelische Kirche endlich Wiedereröffnung feiern“, freute sich Rosemarie Krauß, Vorsitzende des Fördervereins zur Erhaltung der evangelischen Kirche Groß-Rohrheim. Im März 2016 musste das Gotteshaus aufgrund von baulichen Mängeln und der dadurch verursachten Einsturzgefahr überraschend gesperrt werden. Nun feiert die Kirchengemeinde am ersten Advent endlich wieder einen Gottesdienst in dem sanierten Gebäude. Und die Besucher werden staunen, wenn sie die ganze neue Atmosphäre des Kirchenhauses entdecken.

Knapp vier Jahre war die evangelische Kirche geschlossen. Die Gottesdienste wurden in dieser Zeit in der katholischen Kirche gefeiert. Währenddessen liefen in der evangelischen Kirche umfangreiche Sanierungsarbeiten. „Es hat sich viel bewegt“, wie Architektin Iris Schäfer berichtet. So wurde der Kirchturm mit zusätzlichen Säulen ausgestattet, und die tragenden Säulen der Kirche wurden ertüchtigt. Diese 16 Säulen aus Eichenholz, welche die Kirche tragen, wiesen starke Beschädigungen auf, wodurch Einsturzgefahr bestand.

Außerdem wurde das Dachgebälk repariert und danach die Innenrenovierung der Kirche in Angriff genommen. Dazu mussten zum Teil Kirchenbänke ausgelagert werden. Eine neue Heizungsanlage ist in Betrieb. Das historische Deckengemälde wurde gereinigt und konserviert, so dass es nun in neuem Glanz zu sehen ist. Die Orgel ist gereinigt, saniert und ausgebaut.

Restauratoren schlagen Alarm

„Zu Beginn waren die Arbeiten am Deckengemälde und der Orgel noch ausgeklammert“, erinnert sich Schäfer. Restauratoren schlugen jedoch aufgrund des Zustandes Alarm. Bei der Orgel handelt es sich um eine Rarität des Zwingenberger Orgelbauers Gottlieb Diez (1767 bis 1850). Das gut 330 Quadratmeter große Deckengemälde entstand 1723, gemalt auf flachem Bretteruntergrund. Der Maler ist unbekannt.

Während der Bauabschnitte arbeiteten Kirchenverwaltung, speziell das Baudezernat der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), das Landesamt für Denkmalpflege, der Kirchen-Förderverein, Pfarrer Martin Müller und der Kirchenvorstand Hand in Hand. Zwei große Veränderungen in der Kirche sind besonders auffällig: Zum einen wurde eine Elektroheizung eingebaut, die mit Ökostrom betrieben wird. Die vorhandene Warmluftheizung sorgte zwar für mollige Wärme, war aber nicht gut für das Deckengemälde und energetisch nicht sinnvoll. So warm, wie es mal in der Kirche war, wird es jetzt nicht mehr, frieren muss trotzdem niemand. Es wurde genau berechnet, wo Heizkörper angebracht werden. Es gibt Bankheizkörper, Heizkörper die an den Wänden hängen, in der Nähe der Orgel und im Obergeschoss.

Ein weiteres Highlight ist die ausgeklügelte neue Beleuchtung in der Kirche. Diese Lichttechnik hat die Kirche enorm aufgewertet. Wirkte das Gemäuer früher durch die Lichtführung eher drückend, so erscheint die Kirche nun innerlich gewachsen, erstreckt sich luftig in die Höhe. Das warme Licht und die farbliche Innenrenovierung sorgen für eine ganz neue Atmosphäre.

„Der Lichtfokus liegt auf dem Deckengemälde“, ergänzt die Architektin. Allein die Innensanierung hat um die 700 000 Euro gekostet. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 1,5 Millionen Euro. Diese tragen die EKHN und die Kirchengemeinde. Darunter fallen die gesammelten Spenden durch den Förderverein zur Erhaltung der evangelischen Kirche. „Der sollte sogar mal aufgelöst werden“, erinnert sich Rosemarie Krauß, die seit 2015 Vorsitzende ist. Durch die Sanierung der Kirche erlebte der Förderverein eine Renaissance und half mit, dass die Kirche zu einer Herzensangelegenheit für die Groß-Rohrheimer Bürger wurde.

Großspende aus New York

„Unter dem Motto ‚Wir alle tragen die Kirche‘ haben viele Menschen in unserer Kirchengemeinde, in unserem Dorf und darüber hinaus mit ihren Spenden dazu beigetragen, dass die Kirche wieder eröffnet werden kann“, betont Krauß. 100 000 Euro an Spenden konnten so gesammelt werden. Ein großer Dank der Kirchengemeinde geht an den Großspender Friedrich Ulfers aus New York, der in Groß-Rohrheim Wurzeln hat und mit gut 20 000 Dollar die Sanierung unterstützte.

Der Förderverein mobilisierte die Menschen, lockte zu verschiedenen Aktionen und Veranstaltungen – immer mit Erfolg für den Spendentopf. „Der Förderverein und hier Rosemarie Krauß waren ein starker Motor für die evangelische Kirche“, lobt Architektin Iris Schäfer. Für die Spender soll es noch eine eigene Dankesveranstaltung in der Kirche geben. Ebenso ist eine Veranstaltung geplant, bei der die einzelnen Bauabschnitte und deren Finanzierung erläutert werden. Transparenz ist den Verantwortlichen sehr wichtig.

„Aber wir sind noch nicht fertig“, warf Schäfer ein. So müssen die Schindeln am Turm noch angepackt werden. Eine neue Außenbeleuchtung wird im Frühjahr installiert. Statt Leuchten an der Kirchenfassade werden Pollerleuchten am Weg zur Kirche bis hin zum Friedhof aufgestellt. Doch jetzt freuen sich alle erst mal auf die Wiedereröffnung der Kirche mit einem Festgottesdienst.

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