Groß-Rohrheim

Handball Andreas Ochs vom TV Groß-Rohrheim hört mit 35 Jahren als Top-Torjäger der Landesliga auf

Karriere-Ende ohne echten Abschied

Archivartikel

Groß-Rohrheim.Er war lange Zeit das Gesicht des TV Groß-Rohrheim. Nun hat er heimlich, still und leise und ohne echten Abschied seine Handball-Schuhe an den Nagel gehängt: Andreas Ochs beendet als Top-Torjäger der Landesliga seine Karriere.

Beeindruckende 206 Treffer – im Schnitt über zehn pro Spiel und 19 als Bestmarke – markierte Ochs, der das Handball-ABC beim TVG lernte, in der wegen der Corona-Pandemie abgebrochenen Saison. Dass es keine Verabschiedung gab, stört den Torjäger, der sich zuletzt immer mehr als Spielmacher sah, nicht. „Es war ja schon klar, dass Corona näher kommt und auch bei uns etwas passieren wird. Entsprechend bin ich schon mit dem Gefühl in das Heimspiel gegen Groß-Umstadt gegangen, dass es das letzte sein könnte“, erinnert sich Ochs an den Sieg gegen Umstadt/Habitzheim am 1. März. Danach stand noch die Partie in Offenbach an, die mit 24:37 verloren wurde, dann wurde die Runde abgebrochen. TVG-Abteilungsleiter Hans-Peter Erlemann versprach aber bereits: „Wir werden die Verabschiedung von Andreas und natürlich unserem Trainer Sascha Holdefehr nachholen.“

Für Andreas Ochs ist dies nur zweitrangig. „Natürlich freut man sich über die Wertschätzung. Aber ich wollte zuletzt immer nur den Jungs auf dem Spielfeld helfen“, erinnert er daran, dass er eigentlich schon ein Jahr früher aufhören wollte. „Als wir dann tatsächlich in die Landesliga aufgestiegen sind, wollte ich die Mannschaft nicht hängen lassen.“ Doch trotz oder vielleicht auch gerade wegen seiner Tore am Fließband machten sich bei dem inzwischen in Mannheim wohnenden und arbeitenden Vollbluthandballer Schulterbeschwerden immer mehr bemerkbar. „Da war schnell klar, dass es nicht mehr weitergeht“, so der 35-Jährige.

Gemischte Gefühle

Dass es nach dem Saisonabbruch keinen Absteiger gab und sein TVG als Vorletzter die Klasse halten konnte, sieht Ochs mit gemischten Gefühlen: „Einerseits freut es mich, andererseits wird die nächste Runde mit einem vermehrten Abstieg sicherlich auch extrem schwer.“ Er drückt fest die Daumen, dass das Team diesmal von Verletzungen weitestgehend verschont bleibt: „Man muss schon sagen, dass es uns in der vergangenen Runde knüppelhart erwischt hat. Wenn wir komplett gewesen wären, hätten wir auch sportlich die Liga gehalten“, betont Ochs, der an die langfristigen Ausfälle von Leistungsträgern wie Sebastian Haas und Lukas Baumann erinnert. „Die Mannschaft hat viel Potenzial, wenn sie komplett ist. Viele sind im besten Handball-Alter und mit diesem Team lässt sich auch in der Landesliga etwas bewegen“, ist er dann doch überzeugt.

Dass Ochs seine Laufbahn in Groß-Rohrheim beendet hat, war eigentlich selbstverständlich: In der Jugend wechselte er zwar in die Oberliga zur HSG Bensheim/Auerbach, wo er unter anderem mit dem heutigen Bundesliga-Profi Michael Allendorf (MT Melsungen) und dem Leistungsträger des TV Lampertheim, Matthias Zielonka, zusammenspielte, aber er blieb einen „Rohremer“. Auch die Wechsel zum TuS Griesheim (Landsliga), zum TSV Pfungstadt und zurück zum TuS Griesheim, dann in die Oberliga, waren unterbrochen von zwei Jahren beim TVG. Zur Saison 2017/18 kehrte er dann wieder zurück in die Bürgerhalle und war maßgeblich an der Meisterschaft in der Bezirksliga A beteiligt. „Der Aufstieg in die Bezirksoberliga war mit dieser Mannschaft schon Pflicht“, erinnert sich Ochs.

Torgefährlicher Spielmacher

Für die Bezirksoberliga-Saison 2018/19 wollte er dann mit seinen Jungs „eine gute Rolle“ spielen, möglichst unter die ersten fünf. „Dass es dann so super lief, war nicht zu erwarten“, erzählt der torgefährliche Spielmacher. Als ausschlaggebend, dass die Rückrunde ohne Punktverlust absolviert wurde und der Durchmarsch in die Landesliga gepackt wurde, sieht er auch die Trainingsintensität von Coach Sascha Holdefehr an. „Wir haben schon die ganze Zeit dreimal pro Woche trainiert. Die Winterpause fiel in dieser Saison wegen der Handball-WM im eigenen Land länger aus als sonst – und während die Kontrahenten ihre Trainingspause ausdehnten, zog der TVG durch. Wir waren sogar an Silvester laufen“, erläutert Ochs an das große Pensum. „Dadurch hatten wir am Ende dann aber einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz.“

Auch wenn die Karriere mit vielen Höhen und wenigen Tiefen nun zu Ende geht, der Handball-Sport wird Andreas Ochs sicherlich nicht loslassen. „Aktuell befinde ich mich noch in einer zeitintensiven beruflichen Fortbildung“, erzählt er. „Aber irgendwann kann ich mir schon vorstellen, auch mal als Trainer oder Co-Trainer irgendwo einzusteigen.“ Dass sein Heimatverein TV Groß-Rohrheim ihn sogar als möglichen Nachfolger von Sascha Holdefehr angesprochen hatte, ehrt ihn. „Aber ich denke, das wäre nicht ideal gewesen. Die Jungs brauchen auch mal etwas Neues“, findet er die Lösung mit Tim Borger als neuem Coach sehr gut: „Ich drücke ihm fest die Daumen“, so Ochs.

Aber wie die Karriere des 35-Jährigen verlief, so kann man fast schon davon ausgehen, dass er irgendwann auch wieder an der Seitenlinie beim TV Groß-Rohrheim stehen wird. me

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