Groß-Rohrheim

Brauchtum Fototermin und Aufzeichnung der Rede in der Bürgerhalle / Groß-Rohrheimer feiern am Sonntag virtuell mit

Kerweborsch zeigen ihr Fest im Internet

Archivartikel

Groß-Rohrheim.Normalerweise ist der Kerwesamstag fester Bestandteil des Groß-Rohrheimer Veranstaltungskalenders – mit dem Aufstellen des Kerwebaums, dem Freibieranstich und der berühmten Showtime der Kerweborsch am Abend. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie mit den vielen Sicherheitsauflagen müssen auch die Kerweborsch flexibel sein. Deshalb hat sich der Kerweverein RARA seine Gedanken im Vorfeld gemacht. So kam man auf die Idee der „Kerb Dehoam“, also der Kerwe zu Hause.

Um den Rohrheimern einiges zu bieten, wurden die Präsentation der 16 Kerweborsch und die Rede von Kerwevadder Niklas Fries am Samstagvormittag in der Bürgerhalle aufgenommen und am Sonntag ins Internet gestellt. So konnten die Freunde des Brauchtums alles fast wie gewohnt mitverfolgen.

Extradickes Kerweheft

Bei der Präsentation der aktuellen Kerweborsch wurden diese von zahlreichen Alt-Kerweborsch unterstützt, die zum gemeinsamen Fototermin gekommen waren – übrigens alle ganz korrekt gekleidet in Schwarzweiß mit Schärpe und Mundschutz.

In diesem Jahr wird „45 Jahre Kerweborsch“ gefeiert. Im wegen des Jubiläums extra dicken Kerweblättchen gibt es einen ausführlichen Rückblick in Wort und Bild. Die Einsatz-Statistik, also wie häufig ein Kerweborsch mitgemacht hat, zeigt einen Spitzenreiter auf: Roland Rothenstein war in den 1990er und 2010er Jahren insgesamt 15 Mal mit dabei, so oft wie sonst niemand.

Die Kerwerede ging auf Ereignisse des abgelaufenen Jahres ein. Natürlich durfte das Thema Kiesloch nicht fehlen. Jetzt, nachdem der See komplett abgeriegelt ist, dürfen auch die Rohrheimer nicht mehr schwimmen gehen, „den Auswärtigen haben wir das zu verdanken. Dongeschee!“

Auch Corona ist Thema der Rede: Ostereierschießen, Maimarkt, Vatertag, Fischerfest – alles abgesagt. „Huschte, Kopweh, Halsweh war die Devise, weshalb die Zahlen wieder emol spriese. Die Dunkelziffer is enorm, trotzdem blieb keiner dehaoam.“ Auch die Kerwe selbst fiel ja der Pandemie zum Opfer, dennoch lassen sich die Kerweborsch nicht unterkriegen, so der Kerwevadder. „Der Birdy“ (Amtsinhaber Rainer Bersch) musste sich im März mit dem zugezogenen Holdefehr im Wahlkampf messen. Es ging immerhin um den Rohrheimer Thron. Allerdings hätte man sich die Podiumsdiskussion ohne Zuschauer und Wähler auch schenken können, so der Kerwevadder.

Ebenfalls Thema der Kerweerede war der Baustoffhandel Stay, der jetzt Hornbach heißt. „Uff Rechnung tut do jetzt nix mehr gehen - man will jetzt lieber Bares sehn.“

Und natürlich durfte auch die Lindenhofschule, die jetzt „Schücoschul“ heißt, in der Rede nicht fehlen: „Der Unnericht geht wieder, es leef wie geschmiert. Mer hot die Schüco auf Hohglanz poliert!“ Im Kerweblädche wurde Kerwevadder Niklas Fries als Pechvogel bezeichnet. Erstmals dabei und die Kerwe findet lediglich daheim statt. „Das Ganze ist schon komisch. Man redet ohne Zuschauer und Publikum und weiß gar nicht, ob das ankommt“, sagte Fries im Gespräch mit dieser Redaktion.

Am Kerwesonntag gab es dann doch eine kleine Überraschung, die wegen Corona nicht angekündigt werden durfte. Als Ersatz für den traditionellen Umzug liefen die Kerweborsch den Zugweg ab. Im Gepäck hatten sie einen Bollerwagen mit Freibier.

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