Groß-Rohrheim

Kabarett Ingmar Maybach-Mengede spricht in Groß-Rohrheim über Trauungen und Teufel

Pfarrer in Hochform

Archivartikel

Groß-Rohrheim.Theologe und zugleich Kabarettist – geht das? Aber ja doch und sogar sehr gut. Eine Mischung aus beidem bekamen die Zuhörer am Montagabend in der Groß-Rohrheimer Rathausscheune zu sehen und zu hören. Und nicht nur das. Es gab auch reichliche Möglichkeiten zum Mitsingen, denn Pfarrer Ingmar von Maybach-Mengede hatte zu seinem Gastspiel, der Wort zum Sonntag-Show, auch seine Gitarre mitgebracht.

Zu fast jedem Thema gab es ein kleines Lied mit einem leicht zu lernenden Refrain, den jeder im Publikum mitsingen konnte. Maybach-Mengede war auf Einladung des Fördervereins der evangelischen Kirche nach Rohrheim zu einem Gastspiel gekommen. Zwei Euro pro Eintrittskarte kamen dem Förderverein zur Sanierung der Kirche zugute.

Pfarrer Maybach-Mengede ist seit zwölf Jahren deutschlandweit unterwegs. Und so ist es nur logisch, dass er im zweiten Teil des Programms erzählt, wie es überhaupt dazu gekommen ist. Seine Geschichten und Anekdoten haben nicht nur einen tiefen Sinn, sondern auch fast immer einen realen Hintergrund. Da ist zum Beispiel die Geschichte mit der Braut. „Jetzt wissen sie auch, warum es unter Pfarrern das Sprichwort gibt: lieber zwei Beerdigungen als eine Hochzeit“, sagte der Kabarettist im Anschluss an seine Ausführungen.

Als Pfarrer hat man es manchmal mit schwierigen Persönlichkeiten zu tun oder mit Menschen in schweren Lebenslagen. Aber ein schwieriger Mensch in einer schweren Lebenslage, das sei die Braut – manchmal auch für einen Pfarrer einfach zu viel, so Maybach-Mengede, der einen wahren Fall schmunzelnd zitiert und singt. Schon im Januar gehe es los mit den ersten Anrufen, „da man über Weihnachten erst mal die gesamte Familie über das Vorhaben informieren musste“. Der schönste Tag im Leben sei dann eine Mischung aus Royal Wedding und Hollywood, so der Pfarrer, der auch vorher genau weiß, welchen Trauspruch sich das Brautpaar ausgesucht hat: „Der mit der Liebe. Daran ist Google schuld. Wer das eingibt, bekommt sofort die Anzeige: 1. Korinther 13. Das ist der Rolls Royce Spruch für alle.“

„Hallelujah, Olé!“

Mit dem Programm „Taufe, Tod und Telekom“ gibt es aber auch einen Blick hinter die Kulissen der Arbeit eines Pfarrers. Etwa, warum ein Pfarrer beim Vaterunser stets eine kleine Kladde in der Hand hält oder wie sich das Leben mit der Kirchengemeinde und ihren einzelnen Gruppen gestaltet. Dazu gibt es das Lied „Aber bitte mit Pastor“ – und zwar als Tango. Und so stimmt das gesamte Publikum mit ein beim Refrain „Hallelujah, Olé!“

Politisch wird es auch. Nach Ansicht von Maybach-Mengede müsse der Teufel blond sein. Dazu zählt er Boris Johnson, Donald Trump und Björn Höcke auf. Apropos Teufel, der bekanntlich im Detail steckt: Hier wird es philosophisch. Warum gibt es ihn überhaupt? Warum lässt Gott das Böse auf der Welt zu? Warum schafft er nicht einfach Krieg, Krankheit oder Armut ab? Maybach-Mengede zitiert de Philosophen Leibnitz, der schon vor 300 Jahren von der „besten aller Welten“ sprach. Passend dazu ließ Maybach-Mengede eine Schachtel Kekse durch die Reihen reichen.

Auch, wenn der Pfarrer seit vielen Jahren auf den Kabarett-Bühnen unterwegs ist, hat er seit Anfang des Jahres wieder eine eigene Gemeinde in Frankfurt am Main. Begonnen hatte er seinen Dienst als Pfarrer einst bei einer kleinen Odenwaldgemeinde.

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