Groß-Rohrheim

Landwirtschaft Cathrin Hurth und Florian Olf haben in Groß-Rohrheim einen Info-Weg entlang von Feldern angelegt

Tafeln erklären, was auf dem Acker wächst

GROß-ROHRHEIM.Cathrin Hurth und Florian Olf haben sich die Landwirtschaft buchstäblich auf die Schilder geschrieben. An neun Stationen haben die jungen Landwirte entlang der Groß-Rohrheimer Felder einen landwirtschaftlichen Info-Weg angelegt. Mit großen Tafeln klären sie anschaulich direkt am Feld über das jeweilige Produkt und die landwirtschaftliche Arbeitsweise auf – und räumen mit Vorurteilen gegenüber ihrem Berufsstand auf. So ist eine zehn Kilometer lange Entdeckungsreise durch die moderne Landwirtschaf entstanden.

Die Schilder mit Erklärungen, Infos und Bildern sollen die Landwirtschaft in Groß-Rohrheim direkt erlebbar und verständlich machen. „Wir wollen ganz transparent zeigen, was genau auf den Feldern gemacht wird“, sagt Cathrin Hurth. Die 27-jährige und ihr 26-jähriger Freund Florian Olf haben sich beim Agrarwirtschaftsstudium kennen gelernt. Wenn sie über ihren Info-Weg sprechen, merkt man ihnen an, mit wie viel Leidenschaft sie hinter dem Projekt stehen. „Eine Herzensangelegenheit“, sagt Hurth lächelnd, während ihr Freund mit ausgestreckten Armen prüfend durch das Gerstenfeld geht.

Die Landwirtschaft wurde beiden in die Wiege gelegt, beide wuchsen im elterlichen Betrieb auf. Olf arbeitet inzwischen als studierter Ingenieur im Familienbetrieb in Groß-Rohrheim. Hurth zog für ihre Liebe von Trier ins Ried und arbeitet in einer Marketingagentur für Agrarwirtschaft. „Die Landwirtschaft verbindet uns einfach“, sagen sie. Doch sie wissen auch, dass die Landwirtschaft bei vielen Menschen mittlerweile in Verruf geraten ist – allen voran wegen des Umgangs mit Pflanzenschutzmitteln. „Viele Menschen wissen nicht mehr, woher die Produkte auf ihrem Tisch kommen und aus was sie bestehen“, beklagt sie. Kinder wüssten oft nicht, wie Gerste oder Weizen überhaupt aussehe.

Die Idee wurde schon vergangenes Jahr mit zwei Schildern geboren, nun sind es neun. „Die haben wir zu einem zehn Kilometer langen Weg verbunden“, erklärt das Duo. Ideal für Radfahrer und Spaziergänger, um die heimatliche Landwirtschaft wieder besser kennen zu lernen und die Felder hautnah im Wandel der Natur und ihrem Wachstumszyklus zu beobachten. Die Infotafeln stehen an Olfs Feldern mit sechs unterschiedlichen Kulturen – Mais, Gerste, Weizen, Zuckerrüben, Kartoffeln und Raps. Drei stehen außerdem vor Blühflächen, die mit speziellem Saatgut der Artenvielfalt und den Wildbienen dienen sollen. Dabei ist jede Tafel einem Thema zugeordnet, das auf dem Feld sichtbar wird. Nach dem Motto „Vom Korn bis zum Brot“ lassen Hurth und Olf Besucher daran teilhaben, wie ihre Produkte gedeihen und weiterverarbeitet werden. Ein Schild erklärt, weshalb Pflanzenschutz oder Bodenpflege notwendig sind und welche mechanisch-physikalischen, biotechnischen oder natürlichen Alternativen es zur chemischen Variante gibt.

Das Paar möchte beweisen: „Wir arbeiten nicht gegen, sondern mit der Natur. Wir sitzen alle im selben Boot“. Die Rückmeldung sei bisher durchweg positiv gewesen, Saatmaterial und Infoblätter habe man schon nachfüllen müssen. Auch von Berufskollegen habe es Lob gegeben. Im kommenden Jahr wird der Weg aufgrund der Fruchtfolge einen ganz anderen Verlauf nehmen – und vielleicht auch neue Schilder beinhalten. Hurth und Olf denken schon über eine Erweiterung nach.

Info: Fragen per E-Mail an rohrheimer-info-weg@web.de

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