Groß-Rohrheim

Handharmonika-Club Groß Rohrheim Akkordeonkonzert in der katholischen Kirche mit Musik unterschiedlichster Stilrichtungen

Vielfalt jenseits aller Klischees

Archivartikel

Groß-Rohrheim.„Dam, Dam, Dam, Dam ... Marmor, Stein und Eisen bricht“, erschallte es singend durch die katholische Kirche von Groß-Rohrheim. Dabei trat hier kein Chor auf, sondern der Handharmonika-Club (HHC) Groß-Rohrheim. Doch dieser animierte mit „Back to the sixties“, einem Medley aus der Power-Flower-Zeit, zum Mitsingen und Klatschen. Die Akkordeonisten um Dirigent Marc Fischer überraschten mit einer Vielfalt an Musikstilen und zeigten, dass das Akkordeon kein langweiliges Instrument ist.

„Wir präsentieren Ihnen heute Stücke, die fernab vom Klischee der Quetschkommode liegen“, versprach Moderator Markus Wolter. Er begrüßte zudem das Orchester des Harmonika-Clubs Biebesheim unter der Leitung von Jürgen Zimmermann, welche das Konzert mit eigenen Stücken sowie zwei Mal zusammen mit den Groß-Rohrheimern mitgestaltete. Mit der Erkennungsmusik der „Muppet Show“ sagte das Orchester des HHC: „Vorhang auf und Akkordeonmusik“ ab.

Und schwenkte dann um in einen ganz anderen Stil, den man so auf einem Akkordeon kaum erwartet hätte, denn nun erfüllten asiatische Klänge mit „Singapur Skyline“ den Konzertraum. Klanglich nahmen die Spieler die Zuhörer mit auf einen Ausflug in die kleinen Gassen des alten Chinatown. Rasend schnell flogen die Finger über die Tasten beim Part „Drachenbootrennen“, ein verträumtes Päuschen wurde im „Orchideengarten“ eingelegt, und am Ende schweifte der Blick im ungewöhnlichen Fünfvierteltakt von der Dachterrasse des Marina Bay Sands Hotel über die spektakuläre Skyline von Singapur – sicherlich ein klanglich-außergewöhnlicher Höhepunkt des Konzertes.

Und wieder ging es in eine ganz andere Richtung. Diesmal stand mit „Rocking Affair“ ein Ohrwurm aus den 1980er Jahren auf dem Plan, ein Stück, welches Pop- und Rockmusik mit klassischen Elementen verbindet und daher auch „Symphonic Rock“ genannt wird. „Wenn ein trauriger Gedanke voll Sinnlichkeit getanzt werden kann, dann geht dies nur in einer rhythmisch-musikalischen Form: im Tango“, meinte Moderator Wolter und leitete über zum „Tango Appassionado“, einem Tango Nuevo, der klassische Tangomusik mit modernen Klängen verband.

Musikalischer Anspruch hörbar

Einfühlsam und an den richtigen Stellen voll Kraft interpretierten die Spieler das Werk. Das Orchester spielte über keines der Konzertstücke einfach nur laut hinweg, sondern hauchte ihnen mit entsprechender Artikulation, mit Lautstärkenvariationen und Musikalität Leben ein. Dies war zu einem den Spielern zu verdanken, doch vor allem dem Dirigenten Marc Fischer, der seit neun Jahren das Orchester leitet und den Nachwuchs ausbildet. Fischers musikalischer Anspruch war jederzeit zu hören und zu spüren. Dynamisch ging er bei allen Parten mit, forderte und hielt die Spieler zurück, so dass am Ende Akkordeonmusik erschallte, die begeisterte. Nicht nur, weil es schöne Melodien oder Ohrwürmer waren, sondern auch durch die musikalische qualitative Ausführung.

Neben dem Orchester des HHC spielte zudem der Nachwuchs mit. Die Schüler Elissa Moser, Marlene Mainz und Maximilian Schaab zeigten unter dem Motto „Fit zu dritt“ mit zwei Stücken ihr Können, unterstützt von Moritz Getrost am Bass. Im Anschluss setzten sich noch mehr Kinder und Erwachsene in Ausbildung zu den Spielern dazu, gemeinsam mit dem Orchester wurde dann der Pop-Cha-Cha „Voll cool“ gespielt. Der Harmonika-Club Biebesheim stellt sich mit drei eigenen Stücken beim Konzert vor, alles bekannte Ohrwürmer wie der Beatles-Song „Eleanor Rigby“, die Titelmelodie von „Die glorreichen Sieben“ sowie Roy Orbisons „Pretty Woman“.

Der Kontakt mit den Biebesheimern kam durch Marc Fischer zustande, und bereits vergangenes Jahr fand eine Zusammenarbeit statt. Damals unterstützte der HHC die Biebesheimer bei ihrem Konzert. Nun der Gegenbesuch, der in zwei gemeinsamen Stücken mündete, darunter „Music“ von John Miles, einer Liebeserklärung an die Musik. Das Lied sorgte für Gänsehautcharakter. Am Ende forderte das Publikum zwei Zugaben und ehrte die Spieler mit viel Applaus. str

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