Kommentar

Auf dem Holzweg

Archivartikel

Uwe Rauschelbach über eine Autoszene in Lampertheim

Die Autotechnik ist so weit vorangeschritten, dass selbst Dieselmotoren kaum mehr vernehmlich tuckern. Die Konstrukteure von Elektromobilen tüfteln bereits an Soundanlagen, damit die Fahrzeuge nicht allzu leise durch die Straßen fahren – sie werden von Passanten nicht mehr gehört und wahrgenommen. Unfälle sind vorprogrammiert. Dem wollen die Autobauer durch künstliche Fahrgeräusche vorbeugen.

Derlei Sorgen müssen sich die Besitzer einiger benzinbetriebener Fahrzeuge, die tagtäglich durch Lampertheims Straßen kurven, wahrlich nicht machen. Ihre Motoren klingen nach kaputten Rasenmähern und rostigen Auspufftöpfen. Es scheint in einer gewissen Szene schick zu sein, in einem Mobil zu sitzen, dem man in früheren Jahren allenfalls den Gnadenweg zum Schrottplatz empfohlen hätte. Für solche röhrende, rotzende und spuckende Motoren hätte sich in früheren Zeiten jeder wackere Manta-Fahrer geschämt.

Wie ein nach einer löchrigen Blechdose klingendes Automobil in gewissen Kreisen zum Status- und Imponiersymbol werden konnte, lässt sich im Auge des kritischen Betrachters nicht nachvollziehen. Denn das archaische Protzgehabe ist mit modernen Formen von Männlichkeit ebenso wenig vereinbar wie mit der Negativrolle, die das Auto in unseren ökologischen Diskursen inzwischen einnimmt. Laut und dreckig zu fahren ist also weder ein Ausweis von Klugheit und Stärke, sondern Beleg für ein rückschrittliches Verhalten, das einen Gegenstand zum Prestigeobjekt macht, der für eine überkommene Zeit steht.

Röhrende Blechhaufen auf vier Rädern signalisieren: Hier hat jemand noch immer nicht kapiert, dass wir in Zukunft nicht nur weniger, sondern auch sauberere und leisere Autos brauchen, wenn wir eine menschenfreundliche Zukunft erleben wollen. Diesbezüglich sollte der Gesetzgeber nicht nur Schadstoffausstöße durch Autos eindämmen, sondern auch Lärmemissionen – erst recht dann, wenn sie künstlich verursacht sind. Gesundheitlich belastend sind nämlich nicht nur stinkende Automobile, sondern auch laute. Sie passen nicht in unsere Zeit. Wer eine solche Tröte fährt, ist auf dem Holzweg in die Vergangenheit.

 
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