Kommentar

Ein Tunnel muss her

Archivartikel

Uwe Rauschelbach über den Stand der Trassenplanungen

In neun von zehn Fällen kommt Hüttenfeld um das Schlimmste herum. Denn nur in einer von zehn zu prüfenden Trassenvarianten könnte es der Lampertheimer Stadtteil mit einer ICE-Trasse entlang der A 5 zu tun bekommen. Die Folgen für die Hüttenfelder wären allerdings bei weitem nicht so gravierend wie bei einer Trassenführung an Neuschloß vorbei. Denn in diesem Fall wäre nicht nur ein Stadtteil betroffen, sondern ein wertvolles Ökosystem.

Auch ein Tunnel in offener Bauweise würde eine breite Schneise durch den Lampertheimer Wald schlagen, über die – wenn überhaupt – so schnell kein Gras mehr wüchse. Vertreter des Forstamtes haben seit dem Auftauchen der sogenannten C-Variante vor den Folgewirkungen gewarnt. Diese lassen sich offenbar nicht nur auf die Freischlagzone begrenzen. Stattdessen würden sich Schäden an den Rändern im Innern fortpflanzen. Man kann sich das gut vorstellen: Die Ränder an einer solchen Schneise sind Sonneneinstrahlung und damit Hitze und Dürre stärker ausgesetzt als im Innern eines Waldes. Zu befürchten ist, dass sich eine solche Zone immer weiter verbreitert.

Soeben hat Forstamtsleiter Ralf Schepp die Situation des Lampertheimer Waldes in drastischen Worten geschildert. Dieser ist geschwächt durch Stürme, Trockenheit und Schädlinge. Das Forstamt stemmt sich mit Neuanpflanzungen verzweifelt gegen das weitere Baumsterben. Wenn überhaupt, dann wird sich erst in 100 Jahren zeigen, ob die forstwirtschaftlichen Maßnahmen Erfolg hatten. Eine Tunnelschneise würde diesem Ökosystem einen weiteren massiven Schaden zufügen. Deshalb: Ein bergmännischer Tunnel muss her. Koste es, was es wolle.

 
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