Kommentar

Laxe Vorgaben

Archivartikel

Uwe Rauschelbach über die Eröffnung des Freibads

Dass diese Freibadsaison wie keine andere zuvor werden wird, ist jetzt schon klar. Von der telefonischen Voranmeldung bis zur Platzanweisung im Becken reichen die Bedingungen, unter denen ein Besuch stattzufinden hat. Unbegrenzten Badespaß verspricht das nicht. Stattdessen dürften diese Vorgaben erst einmal selbstregulierend wirken – kaum vorstellbar, dass viele Badegäste Lust auf soldatischen Drill in einer Einrichtung im Ausnahmezustand haben; einer Einrichtung also, die normalerweise für Ausgelassenheit und Freiheit jenseits des durchregulierten Alltags steht.

Zugleich bringen die laxen Vorgaben der Landesregierung für den eingeschränkten Regelbetrieb die Kommunen in Zugzwang. Dass Lampertheim zunächst nur 50 Gäste auf einmal ins Bad lassen will, mag nicht jedem Bürger einleuchten, der bei der Anmeldung das Nachsehen hat. Aber dass bei einer erlaubten Zahl von maximal 4000 Besuchern Abstand und Hygiene leicht unter die Räder kommen können, sollte für jeden nachvollziehbar sein. Nur: Für die freiwillige Begrenzung muss die Kommune einstehen und sich gegebenenfalls rechtfertigen. Dies dann unter Umständen auch gegenüber Besuchern aus anderen Bundesländern, in denen wiederum andere Sonderregeln gelten.

Das ist aus kommunaler Sicht ärgerlich. Doch Lampertheim geht mit der behutsamen Eröffnung des Freibades den richtigen Weg. An den Badegästen selbst und an ihrer Bereitschaft zu Disziplin dürfte es nun liegen, ob sich der Betrieb im Lampertheimer Freibad den normalen Gegebenheiten wenigstens wieder annähern wird. Auch hier gilt: Freiheiten lassen sich dann erweitern, wenn sie nicht missbraucht werden.

 
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